Handlung

Perry Rhodan und Georges Jaques “Roi” Danton geraten auf dem Weg zum Berg Drychasch in eine Kontrolle der Raytaren. Gayt-Coor kann verhindern, dass Danton sein Team in Gefahr bringt weil er seinen Mund nicht halten kann. Am Fuße des Berges befindet sich der Garrzadosch, ein riesiger Markt für Raumschiffshandel, wo Gayt-Coor seine geliebte KASTA-FREIN lokalisieren kann. Um persönliche Absprachen mit den Freihändlern vor Ort zu tätigen, trennt sich die Echse von seinen neuen Weggefährten. Auf dem Weg zum Observatorium fängt Danton den Gildendieb Famorosch ein, der ihnen für eine Hand voll Kuschtas den Rücken frei halten soll. Dieser bringt in Erfahrung, dass der Petraczer beschattet wird und nicht seine eigenen Leute.

Gayt-Coor erhält von dem Freihändler Geron Sedlak einen Kredit für den Rückkauf seines Raumschiffs. Und den dringenden Hinweis, dass ihm ein Verfolger im Nacken sitzt. Gayt-Coor kann Spitzel Gammosch stellen und ihn zu einem Arrangement zwingen. Ein Treffen mit dessen Auftraggeber Jekoscht Benschto, an den der Petraczer ehemals seine KASTA-FREIN verloren hatte. Mit unfreiwilliger Hilfe des drogenabhängigen Gammosch gelingt es Gayt-Coor, den schmierigen Lobbyisten zu erpressen und sein geliebtes Schiff kostengünstig zurück zu kaufen. Die Instandhaltungsmaßnahmen der KASTA-FREIN nehmen einige Zeit in Anspruch und Gayt-Coor folgt Perry Rhodans Duftspuren zum Drychasch. Ein Messgerät aus seinem Schiffsinventar warnt ihn vor einem fünfdimensionalen Feld, das von dem unterirdischen See ausgeht. Gayt-Coor entledigt sich in letzter Minute seiner befallenen Montur, doch die stetig verhärtende Sinterhaut macht auch vor seinem nackten Körper nicht halt und er bricht bewegungsunfähig zusammen.

Währenddessen wird Perry mit seinen Begleitern von Raytaren gestellt und zum verlassen des Observatoriums gezwungen. Hoher Besuch steht durch den designierten Raytscha-Anwärter Heltamosch bevor und der gesamte Berg wurde zum Sperrgebiet erklärt. Der von den Freihändlern engagierte Famorosch verschafft ihnen Zutritt über einen unterirdischen Seiteneingang. Der Weg Richtung Gipfel ist beschwerlich und als Doynschto mit einer unbedachten Tat den Felsen zum Einsturz bringt, müssen die Gefährten um ihr Leben laufen. Perry verliert das Bewusstsein und wird vom Kosmologen aus den heranschießenden Wassermassen gerettet. Mit Fluat imprägniert er ihre Körper gegen die fortschreitende Sinterhautbildung und führt sie zu einem uralten Leichnam eines Quellmeisters der Loower, dem Forschungsgebiet des sonderbaren Eremiten. Ein Sinterling informiert den Alten über Gayt-Coors Notlage und das Fluat erfüllt seinen Zweck, als die Gruppe ihren verlorenen Gefährten finden und retten kann.

Der Alte führt das wieder vereinte Team zu den Pehrtus, dem Kreis der achtundzwanzig Gehirne, die ebenso wie die Ceynachmembranen von einem fünfdimensionalen Schutzschirm umhüllt sind. Vor den Sockeln greift Perry eines der am Boden liegenden Bruchstücke, sein Gesichtsfeld verengt sich, die Pupillen werden schwarz und Dao Lin-H’ay erscheint mit einer Warnung an Perry. Das Observatorium erweist sich als uralter Zeitbrunnen, den Perry als Zeitträger mit seiner Anwesenheit aktiviert. Die tiefschwarze Kugel saugt Perry in sich hinein und es beginnt eine galaktische Reise im Geiste, die ihn nach Messier 87 führt, 55 Millionen Lichtjahre von zu Hause entfernt. Perry erwacht mit den erhaltenen Informationen und lokalisiert den Zielplaneten Payntec auf der anderen Seite von M87. Die unsichtbare Ader, vor deren frühzeitiger Aktivierung die Kartanin ihn gewarnt hatte, verbindet Yanzaar mit dem neuen Reiseziel. Nur über den Pilgerpfad, Peregrosch genannt, lässt sich Payntec erreichen. Mit der frisch gewarteten KASTA-FREIN heben sie gemeinsam vom Planeten ab, verfolgt von der TEYTRECH, dem Schiff der Ceynach-Jägerin Torytrae.

Meinung

Ich musste dem Titelbild ein paar Sekunden Zeit geben, um es auf mich wirken zu lassen. Aber es hat sich voll gelohnt. Die Schlichtheit der Kulisse lässt den Blick in die weite Ferne um so eindrucksvoller erscheinen. Wieder ein starkes Cover! Das zudem perfekt mit dem Romaninhalt harmoniert.

Exposé- Autor Rainer Schorm räumt letzte Zweifel aus, dass die ethischen und moralischen Grundsätze in Naupaum vielleicht doch noch menschlichen Grundzügen ähneln könnten. Zeitgleich gewinnt Doynschto bei mir an Sympathien. Die Angst des Zelebralpflegers vor Transmittersprüngen wird aufgrund eines tödlichen Unfalls ziemlich drastisch genährt. Eine solche Extremsituation persönlich zu erleben, prägt den Charakter und ich kann die Verhaltensweisen der Figur nun etwas besser nachvollziehen. Die Dünnhäutigkeit der Yaanztroner wurde hervorragend geschildert und zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. In der Weite des Drychasch fühlen sich die Yaanztroner verständlicherweise komplett unwohl. Sind sie doch alltäglich im dichten Gedrängel unterwegs und die individuelle Freihheit nicht gewohnt. Das gelungene Charakterbuilding wird damit zum Prunkstück des Romans. Die Protagonisten werden in ihrer Entwicklung ein ganzes Stück voran gebracht.

Auch Gayt-Coor profitiert davon und hat mich mittlerweile von seinen lauteren Absichten überzeugt. Sah ich in ihm anfangs noch ein Fähnchen im Wind, muss ich das jetzt relativieren. Die Optik eines Raubsauriers fördert halt nicht gerade das Vertrauen in grundlegend friedliche und ehrwürdige Absichten. Der Petraczer scheint auch ziemlich feinfühlig und aufmerksam zu sein. Er merkt Perry Rhodan an, dass etwas mit ihm nicht stimmt und macht sich seine Gedanken. Beim Treffen mit dem Kosmologen fiel mir das erneut auf. Auch hier merkt Gayt-Coor offenbar als einziger, dass der Alte etwas zu verbergen hat. Besitzt die Echse eventuell schwächere telepathische Gaben? Lustig fand ich die yaanztronische Geste, mit den Ohren zu deuten. Da kommt mir doch direkt ein blinkendes grünes Auto in den Sinn. Fledermausfahrtrichtungsanzeiger…kennt jemand einen guten Patentanwalt? 😉

Die Erbauer der Tore sind für die meisten Bewohner Yanzaar’s ein völlig unbekanntes Volk und Doynschto schert sich offenkundig gar nicht um die Vergangenheit seiner Heimat. Und damit ist er nicht allein. Auf einem überbevölkerten Planeten, der vor Spelzen zu platzen droht, gelten andere Prioritäten als der Blick in den Himmel oder der Rückblick in die Vergangenheit. Jeder ist sich selbst der nächste. Tag für Tag erneut. Sehr zur Ernüchterung Perry Rhodan’s, für den es ein Schock ist, dass sich die Yaanztroner so desinteressiert verhalten. Weshalb aber sollte man seine Energie, im täglichen Kampf um Kuschtas und den eigenen Sozialstatus, für solche Nichtigkeiten verschwenden!? Yanzaar, ein mutmaßlich leicht zu regierender Planet, wenn nur die Elite bei Laune gehalten werden muss. Passend dazu die Reaktion Danton’s während der Kontrolle durch die Raytaren. Geradezu erschrocken reagieren die Wirte und Doynschto auf die Aufmüpfigkeit des Franzosen. Vive la Révolution? Nicht auf Yanzaar, außer die Terraner greifen den Einheimischen ein wenig unter die haarigen Arme.

Neben gelungenem Charakterbau blieb der Unterhaltungswert aber leider sehr übersichtlich. Bis die Handlung endlich interessant wurde, hatte sich meine Aufmerksamkeit längst verflüchtigt. Die Achterbahnfahrt geht weiter. Nach einem äußerst gelungenen Auftakt in die neue Staffel folgte direkt eine kleine Talfahrt, die, mit dem Historienphantasiefiction-Epos von Olaf Brill, im Höhepunkt der bisherigen Reise gipfelte. Diese Woche gehts wieder rasant nach unten und hinein in einen dunklen Tunnel. Mit Licht am Ende, dank Kapitel 17 und folgenden. Als Perry aus seinem Körper herausgelöst auf galakatisches Sightseeing geht, ging es gefühlstechnisch mit mir durch. Das letzte Romanviertel holt die Kohlen noch mal aus dem Feuer, Sense-of-Wonder muss genau so geschrieben werden. Wunderbarer Romanabschnitt, der leider viel zu schnell ausgelesen war. Und die Frage aufwirft: Warum bitte nicht gleich so?!

Über weite Strecken fehlte halt leider jegliches Spannungselement und wich einer endlos monotonen Vorlesung im Auditorium. Zäh wie Kristallingestein. Die geologische Lehrstunde schuf ein Novum auf meiner persönlichen NEO-Lesereise. Der Roman lag knapp anderthalb Wochen auf meinem Nachttisch, bis ich beim halbwegs versöhnenden Finale angelangt war. Warum nur lässt sich die achtundzwanzig nicht durch neun teilen? Das hat mich mehr beschäftigt, als es sollte!

Zitat des Romans

Ich könnte dir den Kopf auch abreißen. Damit habe ich einige Erfahrung.

Danton möchte terranisch-mittelalterliche praktiken in naupaum anwenden

Mit solch humorvollen Sprüchen punktet der Roman mehrfach. Leider viel zu selten. Ohne Dantons Gesprächsbeteiligung wurden die Dialoge häufig zu endlosen, enorm nervigen Unterrichtseinheiten.

Fazit und Wertung

Harte Gesteinskost. Spannend war die Geologieexkursion nur in wenigen Kapiteln zum Ende hin. Zu viel Lehrbuch und zu wenig Unterhaltungsroman. Hervorzuheben sind dagegen der gelungene Weltenbau und die positive Charakterentwicklung, da Figuren wie Doynschto und Gayt-Coor im Sympathiesektor kräftig punkten konnten. Feine Humorspitzen zeichnen den Roman ebenfalls aus, wobei überwiegend leidiglich die urkomischen Dialoge mit französischer Beteiligung richtig zünden konnten. Die Felsnadel wird damit zum umgefallenen Hinkelstein und bleibt zerbrochen auf Garrzadosch-Kalksteinboden liegen. Eine neutrale Wertung verdient sich der Roman letztlich doch noch. Durch den gelungenen Schlussspurt, der die lange vermisste Spannung, ordentlich Sense-of-Wonder und unerwartet viele Antworten liefert. Für mich der momentan schwächste NEO der aktuellen Staffel, die Spitzenplätze liegen in weiter Ferne.

Vielleicht bin ich auch einfach zu anspruchsvoll und ihr seid ganz anderer Meinung!? Schreibt’s mir in die Kommentare unter meine Rezension oder via Social Media. Oder hört einfach unseren Podcast, der monatlich erscheint. Wo mir die liebe Bianca ihre ganz eigene Sicht schildert und euch HörerInnen vielleicht auch noch ein paar interessante Details erzählen kann. Aller guten Dinge sind drei, klinkt euch gerne mit eurer Meinung ein. Wir würden uns freuen!

Review: NEO 283 – Weite Ferne
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