Handlung

Perry Rhodan, Reginald Bull, Clark Flipper und Eric Manoli werden von der NASA auf eine Rettungsmission zur Mondbasis Bradbury Base geschickt(Edit auf Anm. eines Lesers: Armstrong Base; Bradbury Base = künftige Marsbasis). Beim Landeanflug versagen die automatischen Systeme und Sofortumschalter Perry Rhodan landet die STARDUST manuell auf dem Mond. Bei der anschließenden Erkundung finden sie an der Signalstörungsstelle ein fremdes Raumschiff. Nicht völlig unerwartet, da die Astronauten tatsächlich auf eine Erkundungsmission geschickt wurden, anstatt zur Rettung der Mondbasisbesatzung. Eine heimlich zugespielte Warnung ihres Vorgesetzen, General Pounder, nimmt Perry zum Anlass, ihr eigenes Mondfahrzeug zu zerstören. Es wurde von den Behörden auf der Erde mit einem Sprengsatz versehen, der das fremde Schiff zerstören soll. Perry Rhodan und Reginald Bull erreichen mit den letzten Sauerstoffreserven den fremden Kugelraumer und werden von den Arkoniden Thora und Crest empfangen. Thora lässt die “Tiere” einsperren und Crest darf mit ihnen, aufgrund ihrer niedrigen Entwicklungsstufe, nicht weiter verhandeln. Um dem drohenden Erstickungstod zu entkommen, setzt Rhodan alles auf eine Karte und spricht Crest auf seine tödliche Krankheit an. Der an Leukämie erkrankte Arkonide nimmt das Hilfsangebot der Menschen dankend an und reist gemeinsam mit den Menschen auf der STARDUST zurück Richtung Erde.

John Marshall leitet in Greater Houston einen Shelter für Straßenkinder. Zum Start der STARDUST reist er mit Sid Gonzalez, einem seiner Pflegefälle, zur Startrampe nach Nevada Fields. Dort verliert Sid vor lauter Freude die Beherrschung und löst sich funkensprühend in Luft auf. Zurück im Shelter erhält das Waisenhaus Besuch der Homeland Security, die sich den Vorfall mit dem übergewichtigen Jungen nicht erklären können und nach kurzem Verhör ergebnislos abziehen. Marshall hat aber noch ganz andere Sorgen, denn die Finanzierung des Shelters platzt wegen der Insolvenz seiner Geldgeber. Während einer der regulären Shelterbesichtigungen schiebt ihm ein buckliger alter Mann einen Scheck über den exakten Schuldenbetrag zu. Homer G. Adams bietet John Marshall an, den Shelter künftig zu finanzieren, wenn er von Zeit zu Zeit einige Pflegefälle einquartieren würde. Am Ende der Besichtigung erhält Marshall weiteren Besuch, diesmal der unangenehmen Sorte. Die Polizei konfrontiert ihn mit Aufnahmen, die Sid Gonzalez bei einem versuchten Bankraub zeigen. Unerklärlicherweise gelangt er funkensprühend in den Tresorraum und kann auch wieder flüchten, ohne Türen nutzen zu müssen. Der Jugendliche hatte aus Verzweiflung das fehlende Geld besorgen wollen, scheitert aber an abgeschlossenen Geldfächern. Die nachrückende Spezialeinheit der Polizei verleitet zwei Jugendliche des Shelters zu einer unüberlegten Gewalttat. Aus Angst, dass die Polizei ihretwegen angerückt ist, beschießen die beiden ehemaligen Bandenmitglieder die Cops und töten dabei eine Polizistin. Die Lage gerät außer Kontrolle.

Meinung

Das Titelbild ist simpel gestaltet, mit der AETRON als dominantem Bestandteil. Die Palette Blautöne umschmeichelt den Arkonidenraumer sehr stilvoll. Der Klassiker für einen perfekten Serienstart.

Auf der einen Seite der besonnene Titelheld und Sofortumschalter Perry Rhodan, auf der anderen der temperamentvolle, kreative und intelligente Bull. Hitzkopf trifft auch nüchternen Analytiker. Die perfekte Kombination. Diesen gegenseitigen Respekt liest man in jeder Zeile. Anders als in der Erstauflage agiert Reginald Bull nicht nur als Sidekick von Perry, sondern spielt auch tatsächlich eine Hauptrolle. Hier sind sich zwei tatsächlich ebenbürtig. Clark Flipper wird nicht ganz so kleindkindlich und weinerisch gezeichnet, als das in den frühen 60ern noch der Fall war. Allerdings tauscht er hier auch eine schwangere Frau gegen eine tollkühne Abenteurerin. Die Himalaya-Story war eventuell eine Spur zu dick aufgetragen, aber sei’s drum. Flipper ist und bleibt ein armer Kerl, in beiden Universen. Und Eric Manoli besitzt das perfekte Maß an Selbstvertrauen, dass man einem Mediziner seines Ranges auch im echten Leben attestieren würde. Alles in allem wurden die Rollen hervorragend besetzt. Hollywood wäre neidisch. Aber bevor wieder jemand von einem Perryfilm anfängt, schnell weiter im Text.

Die Vision des Exposés, bereits 2011 die üblen Auswirkungen der Erderwärmung voraus zu ahnen, hat mich ziemlich erschrocken. Nur dass wir bereits 2022 ziemlich nah an 2036 dran sein sollten. Die Lebensumstände im Shelter, die finanzielle Abhängigkeit von Geldgebern, die Angst alles zu verlieren. Ich fieberte mit, knabberte an meinen Nägeln und vergaß beim erstmaligen lesen dieses grandiosen Auftaktromans die ganze Welt um mich herum. Dichter als dicht. Die Atmosphäre des Romans zieht mich seitdem immer wieder magisch in ihren Bann. Immer wieder? Ja, tatsächlich lese ich den Auftakt zu NEO bereits zum wiederholten Male. Ein echter Wohlfühlroman, wenn die Tage mal etwas grauer erscheinen, als die Außenhülle der AETRON. Und ich werde ihn auch sicher wieder lesen. An Weihnachten. Melancholisch, mit einem Glas Glühwein vorm weihnachtlich geschmückten Kamin. Oder im Schwimmbad bei angenehmen dreißig Grad, während ein paar Meter weiter die Kleinkinder im Planschbecken toben und der Wasserpilz sein lebensspendendes Nass auf den Köpfen der spaßsuchenden Menschen verteilt. Denen es garantiert besser geht, als den Bewohnern von Marshalls Zuflucht. Lest den Roman nicht zwischen zwei Terminen, sondern lasst eurer Muse Raum und Luft. Dann werdet ihr keine Sekunde zögern und euch sofort auf Band Zwei stürzen wollen. Versprochen!

Also alles paletti? Nix zu murren? Die rosarote Perrybrille über dem Grinsegesicht? Nur fast…. Denn der Hauptkritikpunkt am Roman wird für mich immer die allumfassende Amnesie sein, die sämtliche Hauptverantwortlichen blitzartig befallen hat. Selbst Perry verliert kein weiteres Wort mehr über die armen Personen in der Bradbury Base, denen ursprünglich die ganze Aufmerksamkeit galt. Was ist mit denen nun eigentlich passiert? Alle per Anhalter durch die Galaxis geflüchtet? Oder haben Crest und Thora mit ihrer Fiktivspielezombiearmee ganze Arbeit geleistet und die Bewohner klammheimlich vor eine Playstation geklemmt? Wir werden es nie erfahren. Aber es vielleicht auch gar nicht wissen wollen. Denn das würde einen Schatten auf eine Geschichte werfen, die unter der strahlenden Sonne von Greater Houston eine wahnsinnig gute Figur macht. Auch graue Hüllen können glänzen. Wenn man den richtigen Blickwinkel für sie hat.

Zitat des Romans

Lächeln Sie, verdammt, lächeln Sie!

General pounder zu perry rhodan

Die ersten Worte zum Auftakt in die vielleicht beste Romanserie der Welt. Ganz ohne Augenzwinkern. Wer sich auf NEO einlässt, wird es garantiert nicht bereuen!

Wertung und Fazit

Der Start ins NEOversum ist ein Meisterwerk! Nicht nur, wie die Geschichte zeitgemäß neu geschrieben wurde, sondern vor allem mit welcher Liebe die Charaktere ausgearbeitet wurden. Sich nicht emotional an die Shelter-Bewohner zu binden, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit. Gesellschaftskritik und Klimawandel werden überzeugend in die Geschichte eingebunden. Der ursprüngliche Grund, überhaupt zum Mond aufzubrechen, wird zwar irgendwann sträflich vernachlässigt. Ziemlich harter Logikbock, aber verzeihbar, bei der Brillanz der zeitgemäßen Erzählweise! Der Daumen startet mit der Stardust senkrecht in den wolkenlosen Himmel.

Classic Review: NEO 1 – Sternenstaub
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4 Gedanken zu „Classic Review: NEO 1 – Sternenstaub

  • 8. Oktober 2022 bei 12:12
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    Hallo!
    Kleine Korrektur: Die Mondbasis heißt Armstrong Base. Die Bradbury Base wird später auf dem Mars errichtet (=Ray Bradbury, Mars Chroniken), aus der dann Bradbury Central wird, der Hauptstadt und dann Sitz von Leticron.
    Das weitere Schicksal der Mondbasis (und der anderen) wird zum Glück nicht ganz vergessen und in der Neo Story „Die Frau im Mond“ anhand der finnischen Station eindrucksvoll und sehr bewegend geschildert. Kein Happy End; es sterben alle!

    VG und schönes WE!

    Antwort
  • 10. Oktober 2022 bei 10:19
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    Servus Mr. AtoZ und vielen Dank für den Korrekturhinweis. Ist mir ist tatsächlich durch gerutscht beim schreiben. Zu viel Leticron im Hinterkopf 😉
    Danke für die Anmerkungen, auch für auf den Storyvermerk. Ich habe den Basisnamen im Artikel angepasst und dich berücksichtigt 😉
    Viele Grüße und einen tollen Wochenstart!

    Antwort
  • 3. November 2022 bei 10:48
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    Für mich war dieser Band der perfekte Nachfolger nach dem Eschbach Roman zu PR. Mit Freude habe ich dann auch noch dem Sol Magazin 97 entnommen dass ein Freiburger einen gewissen Anstoss zum Neustart bzw. Modernisierung von PR gab. Ein ehemaliger Kumpel von mir der mich massgeblich in den End80ern und frühen 90ern mit SF und dergleichen anfixte. PR war da jedoch kein Thema. Alles in allem schon spannend was so PR seit dem Lesestart in 2021 bewirkte.

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    • 10. November 2022 bei 11:02
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      Hi Ulf,

      zeitlich habe ich den “Eschbach-Ziegel” leider nicht so konsumiert wie du das getan hast. Ich hab den irgendwann mal zwischendurch gelesen, wodurch der Zauber von NEO 1 dann nicht so gut wirken konnte, wie bei dir. Wobei die Perry-Biographie ja im anderen Universum spielt. Was man stets beachten muss. Dennoch ist für mich Perry gleich Perry. Beide Versionen sind sich dermaßen ähnlich, dass der Unterschied kaum ins Gewicht fällt. Anders als bei seinen Wegbegleitern.
      Ich hoffe du bleibst lange noch auf dieser Euphoriewelle. Mich hat NEO gepackt und wird mich nicht mehr los.

      Gruß
      Andy

      Antwort

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