Handlung

Perry Rhodan und seine Frau Thora beweisen ihre Schiffskampffähigkeiten gegenüber Roctin-Par und verschaffen sich seinen Respekt, als sie ihre Verfolger ausschalten. Zum Auftanken nimmt die TAREK VOOR Kurs auf Delmorian, wo sich die Brut-und Konditionierungsfabrik Larimus-9 befindet. Dort wird die genetische Legion zur Invasion der Milchstraße gezüchtet, die gegen das Quantenflimmern außerhalb des Granulons einigermaßen resistent ist. Um die Mastibekk-Pyramide zum Tanken freizuschalten, fliegt die Gruppe zu der Fabrik. Ein Krayton Asch zwingt sie mit seinen gewaltigen Extremwechselwirkungen zur Notlandung. Als Fracht getarnt, schleusen sie sich in Larimus-9 ein.

Nullwert-83 ist ein Zyklide mit Fehlfunktion. Diese werden in den Schacht geschickt, wo an ihnen Untersuchungen vorgenommen werden, bevor sie im Energiekonverter entsorgt werden. Doch Nullwert-83 findet einen Lernsessel hinter einer offenbar unzugänglichen Tür. Die gewonnenen Informationen wecken in ihm das Begehr, die Larin Juren-Iir davon zu überzeugen, dass ein Zyklide durchaus zu einer individuellen Denkweise fähig ist. Auf dem Weg zu einer Konfrontation mit ihr taucht Gucky auf und teleport mit beiden aus dem Areal. Roctin-Par kann mit Hilfe von Thora das Kontrollneuron NUVOR 3K davon überzeugen, dass Hotrena-Taak eine Verräterin ist und sie und die militärische Führung dem Willen der Zgmahkonen entgegen handeln. Dadurch erhalten die Zykliden ihre bescheinigte Individualität und Nullwert-83 ändert, auf Vorschlag von Gucky, seinen Namen in Aio. Die Terraner erhalten die Freigabe zum Tanken der TAREK VOOR und docken an der Mastibekk-Pyramide an. Die Kontrolleinheit ALMAR-7 löst Alarm aus, den NUVOR 3K nicht unterbinden kann. Juren-Iir wechselt zu den Rebellen, als sie letztendlich versteht, was die militärische Führung der Laren den Zykliden angetan hat. Um ihnen die Flucht zu ermöglichen, lässt Aio sein Leben. Aus Dankbarkeit vor denen, die seiner kurzen Existenz einen Sinn gegeben haben.

Meinung

Die ältere und reifere Darstellung von Perry ist in dieser Version schon oft als Titelbild gewählt worden. Hat sehr viel Ähnlichkeit mit Alec Baldwin, der mich da als Comic-Rhodan begrüßt. Steht ihm aber gut, da Perry in NEO erst als 52-Jähriger zu seinem Zellaktivator kam und mir das Cover solch eine Lebenserfahrung gut wiedergibt. Rhodan blickt ernst auf den Betrachter, während im Hintergrund ein Labor, mit einer in Nährflüssigkeit schwimmenden Figur in giftigen Grüntönen, zu erkennen ist. Wieder dieser Wischiwaschi-Comic-Look, den Dirk Schulz offenbar zu etablieren versucht. Mir scheint, der Künstler versucht, NEO damit optisch klar von den anderen Serien zu trennen. Mir soll es recht sein, das Cover gefällt mir gut und trifft im Kern das Geschehen. Erster Daumen hoch. Nun war Antares Bottlinger gefragt, der mich bei seinem Debüt nicht zu überzeugen wusste. Aber aller guten Dinge sind der zweite Versuch von drei.

Der Einstieg in den Roman gelang mir völlig problemlos. Auch dank der heftigen larischen Gesellschaftskritik, die mich in persona (!) Nullwert-83 direkt von den Füßen riss. Die ethischen Verbrechen des dritten Reiches stehen denen der Laren in nicht viel nach. Versehen mit Bezeichnungen wie Nullwert und Fehlsaat, in Kombination mit einem seelenlosen Zahlenwert, werden die wertlosen Fehlzüchtungen in sogenannten Schächten für weitere Untersuchungen untergebracht. Um am Ende ihrer Verwendung im Energiekonverter zu landen. Uff. Ebenfalls verantwortlich für den reibungslosen Romanstart zeichnet sich ein super plastischer und bildstarker Weltenbau, der von Beginn an wunderbar detaillierte Umgebungsporträts in meinem Kopf erzeugte. Uff. Ein wenig puh kam aber gleich hinterher. Eidolon macht Aveline Celestaris wieder mal Probleme. Och bitte! Einigt euch in der Autorenschaft doch mal bitte endlich auf eine gemeinsame Richtlinie. Von Roman zu Roman ist dieses, mittlerweile nervige Duo, entweder Risikofaktor oder Superwaffe. Das aber nur am Rande. Gleich wieder zum Positiven. Krayton Asch. Was für ein Name für ein multiaktives Extremgebiet. Eine Wortneuschöpfung, die mir sehr gefiel.

Relativ schnell kristallisierte sich für mich heraus, dass mir der Handlungsstrang um die Genetische Legion bei weitem besser gefiel, als die „Invasion“ der Terranischen Abordnung. „Wir wollen keine Soldaten, die unsere Befehle in Frage stellen“. Einer der zentralen Sätze, die klar machen, was Larimus-9 in Wahrheit ist. Eine riesige Militärmaschinerie, die nur auf blanke Zahlen und den entsprechenden Output fokussiert ist. Das Qualitätsmanagement, unter Vorsitz von Juren-Iir, forscht zur Verbesserung des Endprodukts an einzelnen Probanden, die am Ende bei nicht eingehaltenen Mindestansprüchen dem Energiekonverter zugeführt werden. Der einzelne Zyklide ist nichts wert. Eine gefährliche Propagandamaschine, dieses Konzil. Apropos Konzil der Sieben. Wo sind eigentlich die anderen Völker? Irgendwie dreht sich diese Staffel bisher alles um die Laren. Immerhin ist fast schon Staffelhalbzeit und für die Volksvorstellung der restlichen Konzilmitglieder bleiben nicht allzu viele Seiten übrig.

NUVOR 3K. Ein Wesen mit besonders scharfem Bildkontrast? Nun, meine Vermutung war erst mal, dass es sich hierbei um Nullwert-83 handeln könnte. Weil er im parallelen Handlungsstrang, mit verdächtiger Countdownfunktion, immer näher ans aktuelle Geschehen herangeführt wurde. Weit gefehlt. Was folgte, war ein hervorragendes Kammerspiel mit einer tiefgründig philosophischen Debatte um den Wert des Lebens. Herrlich! Auch der Seitenwechsel von Juren-Iir wirkte deshalb sehr gut nachvollziehbar. NUVOR 3K überschreitet gewissermaßen die Rakkor-Grenze, obwohl das Kontrollneuron wohl soweit von einer Hyperinpotronik entfernt ist, wie ein Smartphone vom Hochleistungsrechner. Für mich war dieses Kapitel das absolute Romanhighlight. Auch Actionfreunde kamen keineswegs zu kurz. Die recht ausführlich geschriebenen Kampfszenen waren taktisch nachvollziehbar und bildstark erzählt.

Ich kann mich nur an wenige Einwegcharaktere erinnern, die einen solchen Impact auf mich ausübten wie Aio. Oftmals hatte ich das Gefühl, dass der Autor die Figur Aio als Spiegelbild seiner selbst aufgebaut hatte. So viel Intimität und Tiefgründigkeit erliest man eher selten in einer Romanserie. Das tragische Ende dieses tollen Charakters rundete den Roman für mich perfekt ab. Antares Bottlinger hat sich gefühlt die Seele aus dem Leib geschrieben und ein erstes dickes Ausrufezeichen gesetzt! Was bleibt nun an Informationen hängen? Das Rebellenquartier wächst weiter an, die Gegenstimmen werden lauter. Läuft für die Milchstraße. Die Laren kann man bedenkenlos als Konzilnazis einordnen, da sie den Wert eines Lebens anerkennen und unliebsame Fehlzüchtungen gefühlskalt ermorden. Massenmord im stillen Kämmerlein. Kommt einem bekannt vor oder? Nun wäre es mal an der Zeit, die Zgmahkonen kennenzulernen, um deren ethisch moralische Grundsätze einordnen zu können. Sind die Laren das wahre Böse? Dominieren sie das Konzil oder reicht der Gegenwind aus, um ihre Invasionspläne zu stoppen?

Auf Metaebene möchte ich etwas strengere Kritik am Lektorat und Korrektorat üben. In Summe war das eine schwache Performance. Stellenweise musste ich mir ganze Sätze zusammenreimen. In den letzten Wochen fiel mir in dieser Hinsicht nichts negativ auf. Bis auf die üblichen Buchstabendreher und falschen Satzstellungen, die es immer mal in die Endfassung schaffen. Antares‘ Roman wurde leider wieder etwas schludriger bearbeitet.

Zitat des Romans

Aio. Ich mag es. Das ist jetzt mein Name!

Von einer Nummer zur Persönlichkeit. Gänsehaut.

Die Reise zur Individualität liest sich in Teilen wie eine Selbstbiographie von Antares Bottlinger. Sehr emotional. Sehr persönlich. Ich habe alles daran geliebt. Das Zitat sagt alles aus.

Fazit und Wertung

Antares Bottlingers zweiter Roman im NEOversum konnte mich voll überzeugen, nachdem das Debüt noch an der Glaubwürdigkeit seiner Charaktere gescheitert war. Die pointiert scharfe, larische Gesellschaftskritik, fand in der tiefgründigen Figur von Nullwert-83 ihren Höhepunkt. Ein ganz ausgezeichneter Appell an die Menschlichkeit. Pardon! Larigkeit. Oder Zyklidigkeit. Wie auch immer. Selbst ein Perry verblasste im Schatten dieser herausragend gut erzählten, tragischen Einwegfigur. Gilt übrigens auch für Roctin-Par, der mir auch große Freude bereitete. Starker Auftritt. In diesem Zusammenhang ist auch der tolle Weltenbau zu erwähnen, der mir von Beginn an einen klar vorstellbaren Handlungsort präsentierte und meine eigene Vorstellungskraft stark anregte. Die Reise von Nullwert-83 von einer Nummer zum selbst denkenden, freien Individuum Aio, ist mir fünf von fünf Lernsessel-Schulungen wert. Das starke Figurentelling wird mir in bester Erinnerung bleiben. So macht man ein schwaches Debüt vergessen! Respekt! Entweder Top oder Flop. Das gilt momentan insbesondere für die PULSAR-Staffel. Ich bin gespannt, ob diese heftige Achterbahnfahrt von Ruben Wickenhäuser fortgesetzt werden wird. Ich hoffe nicht!

Review: Perry Rhodan NEO 363 – Die genetische Legion
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Ein Gedanke zu „Review: Perry Rhodan NEO 363 – Die genetische Legion

  • 28. August 2025 um 18:01 Uhr
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    Lese immer wieder gerne eure Beiträge über NEO (bin NEO-Leser der ersten Stunde), zumal ich oft Aspekte sehe, die mir beim Lesen der Romane nicht aufgefallen sind. DANKE!
    Auch ich wünsche mir, dass wir bald mal die anderen Konzils-Völker kennen lernen!!
    LG aus Villach (Österreich)

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