Handlung

Die SOL strandet tief in der Vergangenheit, zu Zeiten der Methankriege zwischen Arkoniden und Maahks. Das Generationenschiff entkommt nur knapp einem bedrohlichen Plasmastrom. Die zur Positionsbestimmung ausgesendeten Space Disks geraten in den Stream eines Schwarzen Lochs und können sich nur mit Mühe befreien. Die gesammelten Aufklärungsdaten kann die SOL mit dem Test ihres Multispektrum-Feldteleskops spezifizieren, die aufgedeckte feindliche Übermacht im System wirkt beängstigend. Eine Debatte an Bord entbrennt bei der Bestimmung des Reiseziels, die Erde scheidet aufgrund der regional sehr starken Militärpräsenz letztlich aus. Auf ihrer Weiterreise geraten die Explorerschiffe, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, in einen unvermeidlichen Konflikt mit den Maahks. Dabei wird die SOL schwer beschädigt, die Schutzschirme versagen aufgrund des Madrigal-Effekts und nach einer Nottransition umzingelt die ursprünglich unterstützte Arkonidenflotte ihre Retter. Kolak da Hozarius, der arkonidische Befehlshaber, mißtraut der Authentifizierung Atlans und schickt zur Sicherheit ein Prisenkommando zur Inspizierung an Bord der als SHE getarnten SOL. Alle Nichtarkoniden und SENECA werden vor den Inspekteuren verborgen, der Schachzug von Atlan gelingt und die arkonidische Abordnung trifft sich mit ihrem Kristallprinzen. Nachdem sich Atlan als der echte Thronfolger für den arkonidischen Befehlshaber identifizieren kann, stellen sie für den vermeintlich kriegsentscheidenden Prototypen eine Eskorte zusammen, der das Schiff zur Residenz des Imperators geleiten soll. Der Loower Pankha-Skrin vereinigt den F’Atkor von Sofgart und das Madrigal zu einer überirdischen Sinfonie und es offenbart sich ein stellarer Wegweiser, der die SOL nach Arkon und zu den vermuteten fehlenden Atorakten leiten könnte. Nach der ersten Transition geraten sie in eine Falle der Maakh, aus der das Generationenschiff im explosiven finalen Kampf knapp entkommen kann.

Meinung

Das wunderbar aussagekräftige Titelbild zeigt das stetig fortschreitende Verschmelzen von Künstlicher Intelligenz mit ihren terranischen Schöpfern. SENECA und Donna Stetson sind jedenfalls auf den ersten und zweiten Blick wie füreinander geschaffen und ergänzen sich wunderbar. Dieser Eindruck verfestigt sich auch zu Beginn der neuen Staffel bei mir. Die Gefahren lauern allerdings im Hintergrund, denn das Mißtrauen ist omnipräsent im Umgang mit der launischen KI. Die Autorin kann diese Athmosphäre wunderbar einfangen und der Leserschaft in ausgezeichneter Bildsprache vermitteln. Raumgefechte, Dialoge und vor allem die Abenteuer im Abenteuer der Explorerbelegschaft, rund um Halycon Faulkner, sind ein wahrer Hochgenuß.

Ich nehme mal an, in Kriegszeiten wird man nicht einfach den Hyperfunkverkehr mit dem Schlüsselspruch “Klaatu Verata Nudelsuppe” knacken können.

erste offizierin rebecca montgomery

Diese tolle Hommage an den Film Der Tag, an dem die Erde stillstand darf hier natürlich nicht unerwähnt bleiben. Für versteckte Anspielungen ist die Autorin mittlerweile bekannt. Diesmal war der 2008 erschiene Blockbuster das kunterbunte Überraschungsei. Den genüsslichen Seitenhieb auf die mangelnde Gleichberechtigung der Frauen in der heutigen Gesellschaft, möchte ich als weiteren, äußerst gelungenen Einwurf keinesfalls außer Acht lassen. Dass Lucy Guth den Indie-Videospielhit Everspace kennt, möchte ich bezweifeln, wäre aber aufgrund des häuserkampfähnlichen Katz-und-Maus-Spiels am Ende des Romans auch nicht völlig von der Hand zu weisen.

Leicht negativ ist mir aufgefallen, dass der arme Chart Deccon staffelübergreifend ein wenig zu oft in seiner Befehlsgewalt eingeschränkt wird. Bei all den großen Namen an Bord ist das Schiffskommando zweifelsohne eine große Herausforderung an die eigene Geduld. Doch es wieder und wieder von Perry Rhodan betonen zu lassen, dass der charismatische Terraner sein Amt selbstredend behalten und nur vorübergehend abgeben wird, ist mit der Zeit überflüssig und nervig. Mein Hauptkritikpunkt ist allerdings von ganz anderem Kaliber. Für einen Auftaktroman in eine neue Staffel ist mir hier fast zu wenig passiert. Raumgefechte und Heldenpathos mal weg gelassen, ist nicht viel wesentliches erzählt worden. Die Handlung um das Prisenkommando wurde zwar spannend geschildert, aber letztlich war die interstellare Verkehrskontrolle eine zu lang und zu breit erzählte Randnotiz innerhalb der eigentlichen Staffelhandlung.

Fazit und Wertung

Einmal mehr konnte ich mich beim lesen zurück lehnen und die tolle Athmosphäre genießen, die Lucy Guth’s Roman in wahren Massen entströmt. Halycon Faulkner und Co. sind die aktuellen Helden der Stunde und ich hoffe auf zahlreiche weitere Abenteuer dieser halsbrecherischen und sympathischen Truppe. Leider ist der Auftakt in die neue Staffel etwas zu sehr mit Nebenhandlungen gefüllt worden. Dadurch gewann ich den Eindruck dass, abgesehen von den durchweg toll erzählten Geschichten, der rote Handlungsfaden etwas zu sehr auf der Strecke blieb. MIt Abzügen gefiel mir der Roman aber gut. Den erhobenen Daumen hat sich die Autorin diesmal, mit weniger Leichtigkeit als üblich, gerade so verdient.

Review: Perry Rhodan NEO 260 – Gestrandet in der Zeit
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Ein Gedanke zu „Review: Perry Rhodan NEO 260 – Gestrandet in der Zeit

  • 22. November 2021 bei 22:45
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    Sehr schöne Besprechung! Das lässt sich sehr angenehm und unterhaltsam lesen! Sogar ohne vorher den Roman konsumiert zu haben. 😉
    Ergänzend zu “Klaatu Verata Nudelsuppe”:
    In “Der Tag an dem die Erde stillstand” lautet der Spruch “Klaatu barada nikto”.
    In “Army of darkness” hingegen: “Klaatu verada nektie”.

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