Handlung

Der topsidische Herrscher Megh-Takarr beauftragt den Kopfgeldjäger Gihl-Khuan, Eric Manoli gefangen zu nehmen. Der terranische Arzt, seine topsidische Begleitung Khatleen-Tarr und die Flugechse Kikerren flüchten derweil zum Raumhafen von Kher-Onf. Ihr Verfolger wird von Aufständischen in einem Gleiter abgeschossen und muss seinen Auftrag zu Fuß fortsetzen. Seine Beute flüchtet in die Kanalisation der Hauptstadt, wo Gihl-Khuan sie kurz darauf einholen kann. Den folgenden Zweikampf kann Khatleen-Tarr für sich entscheiden. Dem Jäger gelingt es scheinbar, das Duo mit einer frei erfunden Geschichte von seiner Harmlosigkeit zu überzeugen und darf sich ihnen letztlich anschließen. Eric Manoli durchschaut Gihl-Khuan aber und signalisiert seiner Begleiterin Stillschweigen. Nach einem gnadenlosen Kampf auf Leben und Tod, gegen zahlenmäßig klar überlegene Schlüpflinge, gerät der Kopfgeldjäger in Gewissenskonflikte.

Lhundup soll für den Bürgermeister von Terrania Nachforschungen über Homer G. Adams anstellen. Der persönliche Assistent von Bai Jun wird dazu in einen Bautrupp eingeschleust, der am Ausbau des Stardust Tower mitwirkt. Während der Bauarbeiten verliebt sich Lhundup Hals über Kopf in die hübsche Chinesin Zhuo Hui. Bei seinen nächtlichen Ermittlungen erwischt er die Chinesin bei verdächtigen Aktivitäten. Sie droht Lhundup Ärger an, falls er auspackt. Auf Anweisung Bai Juns klettert der Adjutant über die Außenfassade ins fünfzigste Stockwerk des Stardust Tower, um dort das Büro von Homer G. Adams zu durchsuchen. Unterwegs trifft er auf den Vorarbeiter Ai Guo, der einen Anschlag auf den Turm befürchtet und deshalb Zhuo Hui bereits seit längerem beschattet hatte. Um die mutmaßliche Terroristin aufzuhalten, verfolgt Lhundup sie bis auf die Spitze des Stardust Tower. Doch anstatt eines Anschlages stürzt sich die Chinesin in die Tiefe. Die Basejumperin hatte lediglich einen weiteren Rekordsprung für ihre Bilanz verbuchen wollen.

Meinung

Herrlicher Steampunk-Look offenbart sich direkt beim erstmaligen Betrachten des Titelbilds. Im Vordergrund rennen Eric Manoli und Khatleen-Tarr um ihr Leben, verfolgt von einem schrottreifen Gleiter. Sehr gelungen, was Dirk Schulz hier gezaubert hat. Bereits in der Staffelübersicht ist mir das Cover als Highlight ins Auge gestochen. Christian Humberg gab mit diesem Roman sein Debüt im NEOversum. Leider sollte nur noch ein weiterer Roman von ihm folgen (NEO 35 – Geister des Krieges). So weit so gut. Was aber gibt es über den Romaninhalt zu erzählen?

Zu Beginn wird die bisher nur kurz umrissene Figur Lhundup als billige James-Bond-Kopie in das derzeit höchste Bauwerk Terranias eingeschleust. Der Tibeter leidet -natürlich- unter Höhenangst und wird von Bai Jun deshalb folgerichtig mit der schwindelerregenden Mission betraut. Sein handwerklich zudem komplett talentbefreiter Assistent soll so an Informationen gelangen, um das vermeintlich falsche Spiel von Homer G. Adams aufzudecken. Von illustren Kollegen wie Kaesbrod und Luhkneppel umgeben, die den bemitleidenswerten Lhundup auf Herz und Nieren bei einer traditionellen Höhentaufe testen sollen. Abgerundet wird die Riege der Nebendarsteller von Zhuo Hui, die Lhundup mächtig den Kopf verdreht. Dass sie eventuell unlautere Absichten hegen könnte, kommt dem natürlich in keiner Sekunde in den Sinn und der verliebte Gockel schliddert von einer Peinlichkeit in die nächste. Der herrlich schräge Romanauftakt war schon mal ganz nach meinem Geschmack!

Der Handlungsstrang auf Topsid holte mich dafür dann schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Die unterlassene Hilfeleistung des Kopfgeldjägers erschütterte nämlich postwendend meine Grundfeste und machte meine vergnügte Anfangsstimmung zunichte. Gihl-Khuan’s Verstoß gegen die Sozialen Weisungen der Topsider lassen tief in seine Seele blicken. Vor allem wenn man bedenkt, dass eben jene Weisungen entscheidend für den Kriegsausgang im Wega-System waren. Einige Monate zuvor hätte sonst das Pendel in eine ganz andere Richtung ausgeschlagen und der Frieden zwischen Topsidern und Ferronen wäre ewiges Wunschdenken geblieben. Nachdem ich die starke Vermenschlichung der Topsider in Band 26 Planet der Echsen negativ anmerken musste, sticht die Fremdartigkeit der Spezies in diesem Roman dafür umso deutlicher heraus. Der Umgang mit Schlüpflingen in der Kanalisation und die natürliche Auslese, die dabei getroffen wird, spiegeln die Andersartigkeit der Topsider beeindruckend wieder. Als Debütant hat sich der Autor ganz offensichtlich, vorbildlich eingelesen und das kriegerische Volk gut analysiert.

Dagen dümpelte die Spannung über weite Strecken nur so vor sich hin. Wie man an meiner spärlichen Handlungszusammenfassung gut erkennen kann, hat sich nicht allzu viel Wesentliches ereignet. Die Handlungsstränge wurden beide mit viel Witz geschrieben, auch der rasant flüssige Schreibstil des Autors gefiel mir sehr gut. Mehrfach musste ich schmunzeln oder herzhaft lachen. Aber genau so oft schlug ich einfach nur die Hände über dem Kopf zusammen und ärgerte mich maßlos über zahlreiche unlogische Verhaltensweisen und nicht nachvollziehbare Entscheidungen der Charaktere. Was vor allem auf den terranischen Part zutraf, denn die größte Kritik fällt dabei auf den Tibeter Lhundup ab.

Liebe macht blind. Eine Weisheit, die sich der erwachsene Lhundup überdeutlich auf die eigene Fahne schreiben kann. Was er in Anwesenheit seiner chinesischen Angebeteten treibt, ist fast schon cartoonesk. Obelix und Falbala kommen mir da als Parallele in den Sinn. Bis auf die fehlenden schwebenden Herzchen, über dem Kopf des Tibeters, wurde hier alles geboten. Der Vorarbeiter grätscht zwar mit gut gemeinten Ratschlägen und einer eindeutigen Warnung dazwischen, aber belässt es auch schon dabei. Die Chinesin entpuppt sich zwar letztendlich als waghalsige Sportlerin, aber hätte sie ernsthaft böse Absichten gehegt, wäre ihr Plan voll aufgegangen. Hanebüchener hätte man diesen Part des Romans kaum aufziehen können. Die ganze Szenerie wirkte wie aus einem schlechten Film! Ich stellte mir während des Lesens immer wieder die Frage, wie Bai Jun solch einen Volltrottel zu seinem Stellvertreter machen konnte. Lhundup ist nicht in der Lage Eigeninitiative zu ergreifen, kann sich keine wichtigen Details merken und lässt sich mit primitivsten Mitteln von seinem Auftrag ablenken. Der penetrante James-Bond-Vergleich bildete dabei nur noch den Gipel des Eisbergs. Man mag einwerfen können, dass Loyalität in den politischen Kreisen eines Bürgermeisters ein unbezahlbares Gut darstellt. Und loyal ist der Tibeter allemal und hat das mehrfach unter Beweis gestellt. Aber ist es das hohe Risiko wert, eine katastrophale politische Bauchlandung hin zu legen? Ich bezweifle es sehr.

Nach flottem Start und äußerst rumpeligem Mittelpart war ich zumindest guter Dinge, dass der Schlußpunkt sitzen würde. Weit gefehlt! Auf Topsid wartet eine weitere Absurdität auf. Die lange defekte Positronik des Jägers wird ausgerechnet in dem Moment wieder aktiv, wo es zum entscheidenden Kampf gegen die Bewohner des Kanals geht. Der Schlußpunkt…. oder eher Schlußsprung auf Terra, kam äußerst überraschend. Und setzt der Story die Krone auf.

Zitat des Romans

Mhm…. und ich bin Rekordnationalspieler der Azurri!

eric manoli ertappt khatleen-tarr bei einer lüge über ihren seelischen zustand

Wertung und Fazit

So superschräg und wunderbar lustig der Roman begann, so unglaubwürdig und überzogen naiv verhielten sich die Protagonisten im Laufe der Geschichte. Die Handlung plätscherte gemächlich dahin und selbst die actionreiche Verfolgungsjagd in den Kanälen der topsidischen Metropole konnte mich nicht mehr in Fahrt bringen. Auch wenn beide Handlungsstränge zeitweilig ihre Stärken ausspielen und mich bestens unterhalten konnten, trübten die teils hanebüchenen Erzählabschnitte meinen Gesamteindruck. Das Finale auf dem Stardust Tower kam nicht nur völlig überraschend, sondern war an Trivialität nicht mehr zu überbieten. Aber irgendwie wunderte mich das dann auch nicht mehr, nach all den Kuriositäten zuvor. Die größte Stärke des Romans war für mich die einwandfreie Charakterisierung der Topsider. Dem Autor gelang es, die Fremdartigkeit der Echsen in eindrucksvollen Worten zu schildern. Der moralische Kompass des kriegerischen Volkes konnte mir somit authentisch und glaubwürdig vermittelt werden. Dieser Fakt rettet den Roman in die untere Mittelmäßigkeit und ich schließe mit einer gerade noch neutralen Wertung.

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