Handlung

10000 Jahre in der Vergangenheit. Alaska Saedelaere befindet sich in der havarierten LEVER, einer Korvette der SOL. Das Generationenschiff ist ohne ihn durch den Zeitbrunnen in die Gegenwart zurück gesprungen. Nachdem er mit seinem technischen Know How die Grundlage dafür geschaffen hatte und eine Rückholaktion seiner Person tragisch gescheitert war. Durch den Ausfall der Lebenserhaltungssysteme an Bord und dem Fehlen eines funktionstüchtigen Schutzanzuges, droht ihm jetzt der Kältetod. In seiner verzweifelten Lage schwelgt Alaska in Kindheitserinnerungen, bis er einschläft und von Vhakaate geweckt wird. Die Mehandor haben ihm das Leben gerettet und auf der THROM III gesund gepflegt. Dennoch sieht er seine Zukunft nicht auf dem Mehandor-Raumer. Auch wenn der Patriarch Alaska gerne mit seiner Tochter verheiraten möchte, da sein einzigartiges technisches Verständnis dringend benötigt wird. Als Saedelaere seine große Liebe Katrinka über die Computerdatenbanken ausfindig machen kann, steht sein Entschluß fest und er verlässt das Schiff. Aus Dankbarkeit für seine geleisteten Dienste schenkt ihm der Patriarch noch einen großzügig gefüllten Kreditchip.

Nachdem er die THROM III endgültig verlassen hat, lernt er Maila ter Marisol und ihren Begleiter Ginther da Achran kennen. Dank deren Fürsprache wird er als Techniker zweiten Ranges auf der KUVAAD’ARK in Dienst gestellt. Das 800-Meter-Kriegsschiff wird zum Planeten Tuglan versetzt, wo Alaska schließlich Katrinka ausfindig machen kann. Das tränenreiche Wiedersehen gipfelt in einem waghalsigen, gemeinsamen Fluchtplan. Unvermittelt kommt Alaska dabei Ginther da Achran zu Hilfe. Der eifersüchtige Arkonide will, dass Saedelaere um jeden Preis aus seinem Leben verschwindet, da seine Angebetete Maila ter Marisol dem terranischen Techniker neuerdings schöne Augen macht. Der einflussreiche Arbtan beschafft Alaska neue ID-Dokumente und eine Leka-Disk, mit der ihnen die Flucht zum Planeten Maras im Kelkarsystem gelingt. Dort finden beide auf Anhieb eine Anstellung in einer der zahlreichen Kliniken für Kriegsverwundete und sie genießen ihre gemeinsame Zeit. Bis zu dem Tag, an dem sie vom Kopfgeldjäger Gulrag lokalisiert werden und unvermittelt flüchten müssen. Ihr ehemaliger Arbeitgeber, Patriarch Titon, sinnt auf Rache für Katrinkas Vergehen und hat ihnen den Söldner auf den Hals gehetzt. Ihre gemeinsame Reise führt sie letztlich auf Arkon I, nachdem sie unzählige falsche Fährten ausgelegt hatten, um ihren Verfolger los zu werden. Bei einem gemeinsamen Spaziergang am Kristallpalast wird Katrinka von Gulrags Pfeil vergiftet und stirbt in Alaskas Händen.

Alaska Saedelaere zerfließt nach dem Tod seiner großen Liebe in Selbstmitleid. Dao-Lin-H’ay, die Katzenfrau aus seiner Kindheit, erscheint ihm in realer Gestalt. Er erhält von ihr eine Zielkoordinate, die auf dem Planeten Prytiria liegt. Dort findet er einen deaktivierten Zeitbrunnen und als er seine Suche bereits aufgeben will, explodiert die Welt um ihn herum und ein Atorakt erscheint. Der Tropfen schwebt auf Alaska zu und verschmilzt mit dem wehrlosen Terraner. Nachdem die Aktion augenscheinlich folgenlos für ihn blieb, holt er sich über den geschenkten Mehandor-Datenkristall Informationen über die Deserteure von der SOL ein. Kurz vor dem risikoreichen Sprung zurück ins Jahr 2107 hatte sich eine Korvette unter Führung von Versorgungsoffiziert Roger Fanther dazu entschieden, in der Vergangenheit zu bleiben. Um die Terraner ausfindig zu machen, will Saedelaere das Gespinst KE-FAKAL besuchen, da an diesem gewaltigen Warenumschlagspunkt neben Gütern auch Informationen gehandelt werden. Bei der routinemäßigen Kontrolle während des Andockvorganges, stirbt der Inspektor nach Anblick von Alaska einen plötzlichen Herztod. Die Katzenfrau klärt ihn über seinen neuen Imprint auf, eine unerwartet starke Nebenwirkung seiner Verschmelzung mit dem Atorakt. Um sich und andere zu schützen, trägt er von nun an eine spezielle Maske über seinem Gesicht.

Dank der Rückkehr der SOL in die Gegenwart, ist es auch Alaska nun möglich, mit seinem Atorakt in die Gegenwart zu gelangen. Da jedes Atorakt nur in einer einzigen Zeitlinie existieren kann, war ihm dieser Schritt bislang verwehrt geblieben. Dao-Lin-H’ay verschafft ihm den notwendigen Kontakt auf dem Planeten Aequestra. Vor Ort angekommen, wird er von Leticron und Kyuna überwältigt. Nach seinem erwachen spricht Dao-Lin-H’ay mit Alaskas Zunge und biedert sich dem Überschweren an. Alaska und Leticron wissen nichts über die Beweggründe der Katzenfrau, zumindest ist das die Annahme des Terraners. Der Pakt der Rachsüchtigen wird geschlossen und Leticron offenbart Alaska seine Kumacht-Kor. Eine gewaltige Flotte, versteckt in zahlreichen Ecken von Thantur-Lok. Im Laufe der Monate erfährt Leticron viele Details über die menschliche Geschichte und ist somit bestens für seine Invasionspläne vorbereitet. Der Terraner gibt ihm gerne Auskunft, da er auf ein baldiges Wiedersehen mit Perry Rhodan hofft, um sich für seine persönliche Odyssee zu revanchieren. Zuvor geht es allerdings erst einmal in den Kältetiefschlaf, aus dem eine große Menge Überschwerer nie wieder erwachen wird. Das Risiko geht Leticron bereitwillig ein. Bevor Alaska Saedelaere in die Kältekammer steigt, entdeckt er in einem abgetrennten Bereich des Schiffes eine Kryokammer. In ihr befindet sich Yagthara Agh’Hay-Boor, Imperatrix des Großen Imperiums und Mutter von Atlan.

Meinung

Ein stilisierter Sternenhimmel, unverkennbar die bildlich dargestellte Erinnerung an Alaska Saedelaeres Jugendabenteuer im Wald. Der Mond im Cover oben rechts und der sehr detailliert porträtierte Maskenträger im Vordergrund, wurden optisch hübsch in Szene gesetzt. Mich erinnert die künstlerische Darstellung von Alaska an eine Cover-Mischung aus Battlefield 3 und Zombie Army. Das sehr unvorteilhaft gezeichnete, grundsympathische Technikgenie, bekommt auf dem aktuellen Titelbild eher das Image eines fiesen Antagonisten aufgebrummt. Vielleicht trägt er ja unter seiner Maske auch ein freundliches Grinsen, wir werden es nie erfahren.

Rüdiger Schäfer punktet auf Anhieb. Und zwar gleich doppelt. Zum einen mit seinen sehr deutlichen Worten zur aktuellen politischen Weltlage, die er perfekt in seine Geschichte verwebt. Zum anderen mit einem wohl durchdachten Fluchtplan im Namen der Liebe. In den vergangenen Wochen gab es einige teils ziemlich naive Verhaltensweisen der Protagonisten zu bestaunen. Letztes Mal beispielsweise die fast schief gegangene Verfolgungsjagd der SLITHRUGTANNI, mit Gon-Mekara im Schlepptau. Die Flucht aus dem Flottendienst hat der Autor im aktuellen Roman hervorragend geschildert und im Nachgang perfekt gelöst. Das hat mir imponiert, wie jede Kleinigkeit penibel zu Ende gedacht wurde. Nicht halbgar oder unschlüssig, sondern mit einer sauberen, glaubwürdigen Story. Sehr gut!

Gleiches gilt für die Lebensgeschichte von Alaska und Katrinka. Das große Wiedersehen hat mich emotional kurzzeitig überfordert. Die Reaktion von Katrinka war, genau wie von mir erhofft. Manchmal gehen Wünsche doch in Erfüllung. Dabei verließ dieser Teil der Biographie nie die Schiene der Nachvollziehbarkeit. Viele Erlebnisse könnten so auch aus dem echten Leben stammen. Na schön, interstellare Reisen und Kopfgeldjagd mal ausgenommen. Ansonsten gibt es mittlerweile leider genug Krieg und Elend auf der ganzen Welt, als dass die unerwarteten Geschehnisse völlig von der Hand zu weisen wären. Mich hat die Geschichte der beiden Turteltäubchen gut unterhalten können. Bis zum dramatischen Ende, das sich, seien wir ehrlich, frühzeitig angekündigt hatte. Wenn auch kein Happy End zu erwarten war, schlussendlich traf es mich dann doch mitten ins Herz.

Alaskas neuer Fluch: Der Imprint. Die NEO-Variante seiner neuerdings notwendigen Maskierung wurde über mehrere Romane hinweg entwickelt und aufgebaut. Das Markenzeichen von Alaska hält nun endlich auch Einzug in der modernen Erzählung. Super, was das Exposé sich hierfür ausgedacht hat. Ich fiebere dieser Enthüllung nun schon einige Monate entgegen und klatsche innerlich Beifall für diese tolle Umsetzung. Mit allen damit verbundenen Hintergründen und Vernetzungen gefällt mir diese Variante sogar besser als der Transmitterunfall im Paralleluniversum. Was mir ein wenig missfiel, war die augenscheinliche Nüchternheit, mit der Alaska seine Verstümmelung aufgenommen hat. Und wie er bereits nach kurzer Debatte mit der Schwester der Tiefe in Seelenruhe an seiner Maske basteln konnte, ohne dass ihn das emotional den Verstand gekostet hat. Man darf gespannt sein wie die Geschichte weiter geht, ich hätte mir hier ein paar zusätzliche Details gewünscht. Ihr seht das anders? Diskutiert mit mir gerne in den Kommentaren oder via Social Media.

Letztlich möchte ich nochmal kurz die Person der Storkat thematisieren. Dao-Lin-H’ay hatte ich tatsächlich keine Sekunde im Verdacht, die vorgeblich imaginäre Freundin aus Alaskas Kindheit zu sein. Dass sie auf mehreren Hochzeiten mitspielt, überrascht mich zwar nicht. Die Wichtigkeit des terranischen Technikers im Langzeitplan von ES (?) dafür umso mehr. Welche Gründe die Katzenfrau oder ES haben, ausgerechnet Alaska erwählt zu haben und was Perry Rhodan wieder mal unbewusst alles falsch machen wird, sind nur zwei Fragen, die mir jetzt im Kopf herum geistern. Die Zeit bis zum Folgeroman wird eine harte Prüfung der Geduld.

Zitat des Romans

Das Glück ist immer da. Es ist in uns. Wir vergessen es nur hin und wieder, dann brauchen wir einen Menschen, der uns daran erinnert.

alaska saedelaere, frei nach sokrates

Wertung und Fazit

Ein Roman der überwiegend stillen Töne, der mich emotional tief berührt hat. Ein Happy End des Traumpaars war leider von vornherein auszuschließen. Mir hat dieser Romanabschnitt gut gefallen, wie auch das penibel durchdachte Fluchtszenario von Planet zu Planet. Es blieben keine logischen Fragen offen, so stelle ich mir gute Unterhaltung vor. Auch wenn der Roman zur Handlung erst spät etwas beitrug, war die lange Einleitung notwendig, um Alaskas Beweggründe besser einordnen zu können. Um seine Verbitterung zu begreifen, die ihn nach dem schrecklichen Tod seiner Lebensgefährtin und nach der folgenreichen Verschmelzung mit dem Atorakt letztendlich in Leticrons Fänge getrieben haben. Auch wenn Dao-Lin-H’ay die Weichen aktiv stellt, ist diese Zweckgemeinschaft dennoch ein Ergebnis der Umstände. Die NEO-Version des Maskenunfalls sagt mir jedenfalls sehr zu. Vor allem, wie diese von den Exposé-Autoren, über mehrere Romane hinweg, peu à peu aufgebaut wurde. Auch wenn die Reaktion auf diese folgenreiche Verstümmelung leider viel zu lethargisch ausfiel. Mir wären da dutzende Fragen eingefallen, die ich der Katzenfrau an den Kopf geworfen hätte. Abschließend noch ein Sonderlob für Rüdiger Schäfer: Die subtilen Einbindungen der poltischen Weltlage, über den ganzen Roman verstreut, halte ich für richtig und wichtig! Ich recke meinen unmaskierten Daumen ganz steil nach oben und freue mich schon auf Ruben Wickenhäusers nächsten Beitrag im NEOversum.

Review: Perry Rhodan NEO 274 – Alaskas Odyssee
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2 Gedanken zu „Review: Perry Rhodan NEO 274 – Alaskas Odyssee

  • 31. März 2022 bei 11:41
    Permalink

    Stimme vollständig zu. Toller Roman.
    Ich mag solche Romane, mal ohne Saint Rhodan und Thorarhodandazoltral.
    Ja, das nervt, ständig werden die Name vollständig ausgeschrieben. Werden die Autoren nach Wörtern bezahlt?

    Antwort
    • 1. April 2022 bei 11:32
      Permalink

      Danke für die Rückmeldung lieber Reinert 🙂
      Die Abwechslung tat mir auch gut. Vor allem da es um einen der Hauptcharaktere geht. Da folgt ja offenbar noch mehr in der aktuellen Staffel.
      Die zahlreichen Namenswiederholungen sind offenbar autorenabhängig. Manche machen das gar nicht. Hoffen wir das beste 😉

      Lg Andy

      Antwort

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