The Last King of Osten Ard von Tad Williams

„Kleiner Teaser: Der Artikel wird kleinere Spoiler über die ersten Osten Ard Bände enthalten. Das Ende werde ich natürlich nicht spoilern, aber es wird schon irgendwo klar, welcher Charakter mit welcher Funktion möglicherweise überlebt haben könnte.“

Was ist Osten Ard:
Ende der 1988 betritt Tad Williams die Bühne der Fantasy mit der Trilogie „Memory, Sorrow and Thorn“. Im Deutschen hat man damals versucht dem Zyklus einen „catchy“ Namen zu geben „Das Geheimnis der Großen Schwerter“

Früher
Es geht um den verträumten Waisen Seoman (Simon) Schneelocke, der in der Küche sein Dasein fristet, Prinzessin Miriamel, die sich als „eingesperrte“ Adelige so gar nicht wohl fühlt und den kleinen Troll Binabik, der viele Geheimnisse und Weisheiten im Gepäck hat. Alle drei und noch viele mehr gehen auf eine große Reise voller magischer Momente, großer Schrecken und wirklich fieser – fieser – Gegenspieler.

Die Reihe "Memory Sorrow and Thorn" von Tad Williams
Die Reihe „Memory Sorrow and Thorn“ von Tad Williams

Heute
Das war vor über 3 Jahrzehnten, jetzt nach dieser langen Zeit, geht es wieder zurück:

Gut 30 Jahre hat der Kontinent Osten Ard eine Phase relativen Friedens hinter sich, doch jetzt kommen die Dinge überall auf der Welt in Unordnung. Im Osten geraten die Reitervölker in Unruhe, im Königreich von Nabban melden sich die Intrigenspieler zurück und weit im Westen rührt sich bei den Völkern der Hernystiri eine unheimliche Religion. Im Norden wagen sich die unheilvollen Nornen wieder aus ihren Festungen im Eis und überall auf der Welt machen sich mythische und mystische Wesen auf eine Reise mit unbekanntem Ziel. Noch ist das Königreich der Menschen, regiert von der Hayholt, der alten Festung der Sithi, relativ unbetroffen. Noch sind die Katastrophen der anderen weit weg und eigene Probleme hat man auch genug. Thronfolger und Enkel Morgan fällt eher durch Eskapaden, denn königlichem Verhalten auf und auch seine Eltern sind nicht gerade das, was sich die Großeltern erträumt haben.

Die Reihe "The Last Kinf of Osten Ard" von Tad Williams
Die Reihe „The Last Kinf of Osten Ard“ von Tad Williams

Wir treffen aber auch auf bekannte freundliche Gesichter. Die Trolle um Binabik sind wieder mit von Partie und bringen alte und neue Freunde mit. Auch die Sithi aus den Wäldern lassen von sich hören und schicken einen Boten zu Miriamel und Simon. Doch hier schlägt das Unheil zu: Der Bote wird unweit des Hayholts im Wald gefunden, verwundet durch einen giftigen Pfeil …

So setzen sich Schritt für Schritt Ereignisse in Gang, die die bekannte Welt in ihren Grundfesten erschüttern und die letzten Tage der Könige von Ost einläuten wird – oder etwa doch nicht?

Eine Zeitreise
Es ist schon wirklich lange her, als mir ein Freund den Drachenbeinthron empfahl: „Ich glaube das könnte was für dich sein.“ Er hätte nicht richtiger liegen können und mit dem ersten großen Fantasy-Zyklus von Tad Williams begann eine große Reise in viele tolle Bücher und Geschichten, aber kaum eine konnte mit der großen Liebe zu Osten Ard mithalten.
Umso größer war die Freude, dass wir jetzt in diese Welt zurückkehren durften. Um so größer war aber auch die Furcht, denn was würde, wenn die neuen Bücher mit den alten nicht mithalten können.
Die schlechte Nachricht: Nein, das können sie nicht. Die gute Nachricht: Sie versuchen das auch gar nicht.

Von Osten Ard nach Osten Ard
Miriamel und Simon tragen auch in den neuen Büchern wieder einen wichtigen Part. Sie sind aber nicht die einzigen wichtigen Charaktere – um ehrlich zu sein, sie hätten streckenweise gerne etwas „wichtiger“ sein können. Sie sind aber das zentrale Element, wenn es darum geht, alt und neu zu verbinden.
Die Handlung wird im Laufe der Geschichte wieder auf viele Schultern verteilt. Schnell bekommen wir eine große Zahl alter und neuer Charaktere aufgetischt und dürfen dann vier Romane damit klarkommen, wie der Autor sich ausgedacht hat, wie das am Ende zusammen laufen soll.

Damit komme ich aber auch gleich zum größten Kritikpunkt, den ich an der Geschichte habe, denn ich finde, dass funktioniert nicht überall gleich gut. Ich finde sogar, dass es Elemente gibt, die am Ende ziemlich liegen bleiben. Als Perry-Rhodan-Leser ist man das gewohnt. Es ist es ja keine Seltenheit, dass da Elemente auch schon mal viele (wirklich viele) Jahre liegen bleiben und dann eines Tages in einem neuen Zyklus doch wieder aufgegriffen werden. Ich kann mir eine schnelle Rückkehr nach Osten aber nicht vorstellen. Und das was liegen bleibt hat meiner Meinung nach auch nur begrenzt Potential für eine neue große Geschichte. Ich lass mich aber gern in ein paar Jahren Lügen strafen.

Aber weg von den Dingen, die uns nicht erzählt wurden, hin zu denen, die wir wirklich lesen durften.

Das „neue“ Osten Ard
Ich finde die Geschichte des „letzten Königs“ durchweg vielschichtiger und komplexer, als die des Vorgängers und die Lasten der Verantwortung sind auch auf mehr Schultern verteilt – siehe oben. Die Romane lesen sich teilweise mehr als eine Sammlung von Geschichten, die unter der gleichen Bedrohung spielen. Das machte die Lektüre für mich nicht immer einfach – vor allem in einem Handlungsblock konnte ich mich nicht richtig zurechtfinden. Aber es ist halt Osten Ard und so fühlt es sich ein bisschen nach zuhause an.

Eigentlich will ich es nicht schon wieder schreiben, aber es ist oft ein „Heimkehren“ an bekannte Stätte, die dann eine neue Geschichte bekommen. Dabei ist es sicherlich leichter, wenn man die alten Geschichten kennt. Ich glaube aber nicht, dass man sie unbedingt gelesen haben muss. Natürlich sollte man die alten Bücher gelesen haben und wenn nicht dann schnellstens lesen, aber nicht wegen dem Verständnis, sondern weil es auch heute noch eine tolle Geschichte ist!

Auch das mag der ein oder andere anders sehen, das ist die persönliche Sichtweise beim Lesen. Aber genau das bringt mich zum zu meinem und ganz persönlichem letzten Punkt.

Geschichten und Gesichter
Miriamel und Simon sind auch jetzt wieder zwei starke Charaktere, die im Laufe der Geschichte einiges durchmachen und über sich hinauswachsen müssen. Genau das „durften“ beide ja auch schon in der Vorgängergeschichte machen und diese hat das Gesicht der beiden für mich geprägt, welches ich die letzten zehn Jahre von den beiden hatte. Jetzt ist aber die Zeit weder in der realen Welt noch in Osten Ard stehen geblieben und alle die die Bücher „damals“ gelesen haben, sind mit gealtert und wie schon geschrieben, spielt die Geschichte nicht ein paar Monate, sondern viele Jahre später. Aber ich kann einfach nicht anders. In meinem Kopf ist Simon immer noch der „kleine“ Junge von damals und irgendwie wollte der in meinem Kopf einfach nicht älter werden.

Aber ich gebe zu, dass ich nicht Simons Problem, sondern meines …

Fazit:
Irgendwie fühlt sich dieser Text so an, als ob es einfach nur ein Ausdruck wäre von: „Komplex, Zuhause und ein bisschen was auch immer“. Was ich eigentlich in viel kürzeren Worte sagen könnte: Es ist und bleibt für mich ein weiteres Meisterwerk von Tad Williams. Ich habe viele Geschichten von ihm gelesen und geliebt, aber Osten Ard ist halt doch ein bisschen mehr. Und doch: So gerne ich das Wiederholen würde, ich würde mich auch im Otherland „zuhause“ fühlen … Und da hat uns der Meister angedeutet, dass es hier auch möglicherweise eine Heimkehr geben könnte …


Alex liest: The Last King of Osten Ard
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