Handlung
Mit dem Eintreffen des Posbi-Tesserakts über Luna wird die Solare Abwehr der Erde von Aurelian Voss in Marsch gesetzt. Auf dem Mond kommt es zum Konflikt, da NATHAN die zurückgekehrten Posbis in sein Areal lässt und die SolAb das nicht zulassen will. Dank der einsichtigen Haltung von Oberst Neraya Wolkow schweigen die Waffen und Rhodan gelangt ungehindert zum anberaumten Treffen mit dem Emissär Anichs und seinen veraltet wirkenden Posbibegleitern. Thora und Nathalie fliegen in einer Space Disk derweil ins Lakeside Institut. Nach einiger Diskussion lenkt Algron plötzlich überraschend ein und fliegt mit Perry in der MAGELLAN nach Pharaduat, um dem Zentralplasma einen Besuch abzustatten. Im Gegenzug für NATHANS Unterstützung entfernt Algron den Tesserakt aus der Umlaufbahn von Erde und Mond. Auf dem umgebauten Schulschiff verschwindet Algron spurlos und Perry trifft auf der Suche seine alte Bekannte Sud, die als Bordärztin tätig ist.
Im Spicasystem stellt sich ihnen eine Flotte der Cyboraner entgegen. Denn die Eltern der entführten Kinder Cyboras, haben von der heimlichen Privatmission Perrys, seinen Sohn Thomas aufzusuchen, Wind bekommen. Im diplomatischen Austausch wechselt das riesige Beibootkontigent der MAGELLAN, mit der großen Streitmacht der Einheimischen, die Plätze. Und das sorgt an Bord schnell für handfesten Unmut, weil sich Cyboraner und Kadetten gegenseitig an die Gurgel gehen. Nach einer Vorladung bei Schiffskommandantin Neraya Wolkow, stellt der Cyboraner Zurn seine Mannschaft ruhig. Kurze Zeit später erwischen Kadetten einen Cyboraner bei einer versuchten Manipulation der Feuerleitstation. Als Rhodan die Cyboraner aus der MAGELLAN verweisen will, löst Zurn die Operation Onkel aus. An Bord brechen Kämpfe aus und die Cyboraner machen selbst vor der Medostation keinen Halt, alle „Feinde“ werden paralysiert oder durch Körperkontakt übertragene Nanomaschinen ausgeschaltet. Auch Perry Rhodan und Sud. Als die Terraner nach und nach wieder erwachen, finden sie sich auf der CIRINJA wieder, die antriebslos und mutterseelenallein im All treibt und zuvor von den Cyboranern aus der MAGELLAN ausgeschleust wurde. Sud erwacht im Tesserakt, wo sie aufgrund ihrer Daseinsform als Mentamalgam das Interesse der Posbis als Forschungsobjekt erregt hatte. Gegen ihren Willen wurde ihr Körper im Jahre 2468 zu einem ungeschlechtlichen Wesen umgewandelt, woher der Eifer der Maschinenwesen rührt. Als sie an Bord des Tesserakts erneut erwacht, wird es für sie zur Gewissheit, dass Sid zurück ist. Die Posbis haben das Bewusstsein ihres ehemaligen Freundes zurückgeholt, der nun die Herrschaft über ihren Körper fordert. Und gewinnt! Sid González ist zurückgekehrt und hat Sue abgestoßen. Den von ihm aufgefangenen Notruf nimmt die CIRINJA entgegen, die zuvor alle Sprengfallen entfernt hatte, die von den Cyboranern zurückgelassen wurden.
Meinung
Für mich schon jetzt ein klarer Anwärter für die Restetonne. Das Titelbild. Ich würde es in meinem persönlichen Ranking sogar als eines der langweiligsten und generischsten Cover bei NEO insgesamt einstufen. Zwei absolut identische Roboter im Dauerfeuerbetrieb, wenigstens feuern beide mit unterschiedlichen Waffenarmen. Dahinter eine fliegende Einheit in ähnlicher Optik. Die Szene bildet wohl einen Kampf im HAFEN, dem Hangar der MAGELLAN ab. Wirkt aber absolut unspektakulär. Deutlicher hat mein Daumen selten nach unten gezeigt. Nach diesem optischen Totalausfall konnte ich kaum erwarten, was Stefan Pannor in seinem zweiten Single-NEO erzählen werden würde.
Der Roman startete mit einer wunderbar philosophischen Debatte zwischen zwei Unbekannten, Männlein und Weiblein. Mein erster Verdacht fiel auf Bull und eine mögliche neue Bekanntschaft. Wie das mit Prologen so ist, wurde erst mal die Neugierde angeregt. Mit vollem Erfolg. Die ersten paar und dutzend Seiten enthielten so viele schöne, nostalgische und gleichermaßen spannende Momente, dass ich mich zum Pausieren zwingen musste. Sei es auch nur für die tägliche berufliche Arbeit. Alles lief schließlich darauf hinaus, dass Perry endlich auf Anichs Emissär treffen würde. Mit ein paar Antworten im Gepäck, im Idealfall. Das ganze militärische Drumherum gehört halt nun mal dazu, war für mich aber nichts anderes als harmloses Säbelrasseln. Die Bedrohungslage war damit gegeben, aber beeindruckte mich keineswegs, da der Sofortkonfliktlöser Perry im Spiel war. Mit dem Geist in der Maschine NATHAN ging man einmal mehr konform mit der Originalserie.
Algron und Perry im Dialog. Herrlich! Perrys Verzweiflung konnte ich fast körperlich spüren, so intensiv wurde diese Unterhaltung geführt. Mit viel Humor, trotz der ernsten Situation. Stefan Pannor hat mich da voll mitgenommen und ich habe diese Abschnitte sehr genossen. So richtig emotional wurde es für den NEO-Altleser dann mit Kapitel 4. Das inhaltliche Comeback von Sue und Sud hat mir natürlich harte Nostalgie-Vibes verschafft und ich bin ehrlich gesagt mit offener Kinnlade im Lesesessel versackt. Durch die eröffnete Frage, was dieses Kapitel denn nun im Kontext zu bedeuten haben möge, wurde die Spannungskurve aber mal so richtig steil.
Warum eigentlich die MAGELLAN? Ja genau. Gerade als superwichtiges Schulschiff müsste es, für den dringend benötigten personellen Flottennachschub, im friedlichen Dauereinsatz sein. Keinesfalls abkömmlich für einen keineswegs risikofreien Staatsbesuch im Hirnzentrum Süd. Der Konfliktfall wird kommen, da ja Perry an Bord ist. Und dann hast du einen Haufen neuer Rekruten in der Hinterhand, die dir den Hintern retten sollen. Im dümmsten Fall verliert die terranische Flottenakademie ein paar tausend Ausbilder und Rekruten, die in der Posbikrise so schnell nicht mehr ersetzt werden können. Was mich zusätzlich wurmte… ausgerechnet Aurelian Voss schaltete sich gar nicht in die Debatte ein, obwohl er zuvor bei Reg einen Megaaufstand wegen potentieller Geldverschwendung angezettelt hatte. Wir erinnern uns an des Protektors beherztes Eingreifen im Cyborakonflikt. Ellenlange Dialoge wurden mit dem Ersten Terraner geführt und nun wird mit „Scheinargumenten“ und Rumdruckserei mal eben so ein Gigaschiffchen gechartert. Die MAGELLAN sollte halt einfach auf diese Reise mit und der Autor musste sich eine schlüssige Begründung dafür einfallen lassen, wenn auch mit einer eher halb durchdachten Herleitung. Hätte Stefan Pannor die hitzige Budgetdiskussion vom Staffelanfang mit einbezogen, wäre das eine runde Sache gewesen.
Die Zeilen flogen so dahin wie die klitzekleinen 800 Lichtjahre Sprünge der MAGELLAN. Stefan Pannor hat sich in seinem zweiten Einzelroman bereits in meine Lieblingsautorenschaft geschrieben, da er schon mehrfach positiv bei mir punkten konnte. Vor allem dank seines besonderen schwarzen Humors und weil er mit Sarkasmus und Ironie keineswegs geizt. Altleser Perry und die Jugend von Heute, sag ich nur. Durch seine Tätigkeit als Comic-Übersetzer ist er Fachmann für Wortwitz und Komik, das merkt man in jeder Zeile seines neuesten Beitrags für das NEOversum. Allerdings hat er mit dem überaus tollpatschigen Walter Klasen alias Walty den Bogen ein wenig überspannt und die Grenze zum Slapstick überschritten. Wie bereits im Vorgängerroman kritisiert, litt durch diese arg überzeichnete Figur der Faktor „ernstgemeinte Science Fiction“. Ein Atmosphärenkiller in schwächeren Romanen, in diesem herausragend guten NEO zum Glück nur ein Schönheitsfehler.
Warum wurde Sue eigentlich Ärztin? Antwort im Roman. Warum altert Sud nicht mehr? Antwort im Roman. Was ist in damals mit Sue Mirafiore passiert? Antwort im Roman. Wieso verhält sich Sud so komisch gegenüber Perry? Antwort im Roman. Nicht alle Erklärungen sind neu, aber einige schlagen knapp 15 reale Jahre später ein wie eine Bombe. Beide Handlungsstränge gefielen mir gleichermaßen gut. Die nostalgischen Kapitel, trotz all ihrer Intensität, ja sogar Brutalität, boten ein immersives Leseerlebnis der Spitzenklasse. Und wenn man denkt, es kann nicht besser werden…
Operation Onkel! Woddafugg? Zurn übernimmt die MAGELLAN und knipst den Terranern das Bewusstsein aus. Mit Nanomaschinen. Der Grund für die ganzen Rempler und Schlägereien an Bord war die Übertragung dieser listigen Biester. Genial! Libellenkügelchen als Sprengfalle? Ebenso einfallsreich. Und dann war da auch noch einer der heftigsten Plottwists der letzten Jahre, der auf den letzten paarundzwanzig Seiten NEO-typisch einen Uff-Moment generierte. Ein Uff? Nein, unzählige. Sid is back, Sue is lost, Sud is History! Ufftata! Das crazy! Waren das wirklich nur 161 Seiten? Kaum zu glauben.
Zitat des Romans
Die Frage ist, ob zwei halb volle Gläser ein volles ergeben – oder zwei halb leere ein leeres.
Ein höchst unterhaltsamer philosophischer Diskurs zwischen Unbekannt und Unbekannt bzw. Frau und Mann. Und das war erst der Prolog!
Fazit und Wertung
Ein super unterhaltsamer Mix aus nostalgischen Kapiteln, tollem Wortwitz, schwarzem Humor, philosophischen Momenten, subtiler Gesellschaftskritik sowie einer zusätzlich auch noch durchgängig spannenden Geschichte. Stefan Pannor beweist einmal mehr, dass man ihn aus gutem Grund ins Perryversum aufgenommen hat. Mir gefielen die Rückblicke in die Anfangszeit der Serie sehr, auch wegen ihrer schlüssigen Einordnung. Die beabsichtigten Wohlfühlmomente, durch die Reise ins Jahr 2036 und damit zurück zu den Serienanfängen, haben mich emotional natürlich berührt und mein NEO-Herz erweicht. Das Schicksal von Sud war gewissermaßen der Downer zum sonst eher lockeren Erzählstil von Stefan Pannor und gleichzeitig der absolute Höhepunkt des Romans. An einen heftigeren Plottwist kann ich mich in den letzten Jahren bei NEO kaum erinnern, das war absolute Spitzenklasse. Wo die Grenze von Humor zu Slapstick, in persona Walty, überschritten wurde, bekam dieser ansonsten erstklassige Roman einen kleinen, aber verzeihbaren, Dämpfer. Diesen Blockbuster in Form eines Romans werde ich lange in Erinnerung behalten, da ich gemäß dem alten Motto des Deutschen Sportfernsehens „mittendrin statt nur dabei“ war. Fünf von fünf suppenbesudelte Cyboraner wechseln direkt von der MAGELLAN in den Leitstand der PANNOR. Mein bisheriges Staffelhighlight in einer Staffel voller Highlights. Chapeau, die Hirdt’schä Ära hat mich als begeisterten Leser endgültig zurück.
