Handlung
Auf der MAGELLAN tagt die Konferenz der Besorgten Eltern. Rädelsführer Thalyn Zurn will den Posbis mit einer aktuell noch defekten Transformkanone drohen. Der kopfwehgeplagte Sid Gonzaléz erfährt von Doktor Davtyan, dass er bald an Gehirnunterdruck sterben werde. Sid teleportiert mit Perry Rhodan auf den Tesserakt. Dort sediert ihn ausgerechnet Sud, im Körper eines Vario-800, da die Posbis zuvor eine Heilung in Aussicht gestellt hatten. Sud soll gemäß Algron wieder in ihren Körper zurück transferiert werden und mit Sid den Platz tauschen, damit eine Überlebenschance besteht. Aber beide verweigern den Eingriff und Algron ist dagegen machtlos. Selinya Rahla wird misstrauisch, als von Perry Rhodan ein Rundruf abgefangen wird, in dem er den gescheiterten Mordversuch anprangert. Bei ihren Ermittlungen erfährt sie, dass die Techniker von RhenTech offenbar nicht in der Lage sind, die fremdartige Technologie der Transformkanone zu entschlüsseln.
DIDEROTs Umprogrammierung unterbindet Einmischungen der anderen Eltern, womit Thalyn Zurn und Reeva Corlin ihren Machtstatus untermauern. Zurn und Corlin erzwingen somit einen einstweilig gemeinsamen Kurs, doch das geschiedene Ehepaar Rahla/Iquarra ermittelt weiter im Hintergrund. Als das Schiffsführungsduo davon Wind bekommt wird Rahla verhaftet und als Verantwortliche für den Anschlag auf Perry Rhodan beschuldigt. Dieser trifft einige Zeit später mit dem Posbiwürfel ein, da Rahla einen Funkimpuls absetzen konnte, bevor sie festgenommen wurde. Die chancenlose MAGELLAN lässt Perry an Bord, der die ursprünglichen Verhältnisse wiederherstellt. Da nur Zurn befugt ist, das Cyboranische Militär zu befehligen, gibt Perry nach. Als plötzlich zwei Dreizackraumer auftauchen, nimmt die MAGELLAN die ANEAS auf und transitiert.
Die Verfolger holen die MAGELLAN ein und um den Weg nach Pharaduat frei zu machen, teleportiert Sid mit Fusionsbomben auf einen der beiden Dreizackraumer, wo er von Thomas angesprochen und von seinem Plan abgehalten wird. Gerade als die Dreizackraumer den Beschuss auf die MAGELLAN einstellen, trifft die AXION mit den Kindern von Cybora ein und vernichtet die Gegner mit Leichtigkeit. Bei dem Gefecht wird der Zayn Iquarra schwer verletzt und Sid wird angefleht, Sud wiederherzustellen. Dieses Mal verweigern die beiden ihre Reunion nicht.
Meinung
Bereits in der Vorwoche hat mir ein Titelbild so gar nicht gefallen und das ändert sich mit dem aktuellen NEO auch nicht. Farblich einmal mehr in blauen Grautönen gehalten, ähnelt es älteren und bereits bekannten Titelbildern zu stark. Möglicherweise steckt hinter dem blassen Farbtopf auch eine Botschaft, ich erkenne sie nur nicht. Generisch erneut langweilig, ich würde am Kiosk daran vorbeilaufen. Daumen runter.
Der Roman startet auf der, von besorgten Eltern gekaperten, MAGELLAN. Sie haben keine bis wenige Informationen über die Zentralwelt der Posbis aber kurze Zeit später sind strategisch wichtige Daten über „Barika, Anichs Steuerzentrum“ und deren technische Details frei verfügbar. Ein erster Aufhorcher. „Trump“ zieht seinen Trumpf. Der machtgeile Zurn, Mr. Orange im Oval Office stilistisch sehr ähnlich, will den technisch hochbegabten Posbis mit einer defekten Transformkanone drohen, deren hochkomplizierte Reparatur bis zur Ankunft über Pharaduat „schon irgendwie instant gesetzt werden könne“. Ach du heiliges Kanonenrohr, die gehen blauäugiger ans Werk, als ein Freeclimber, der ohne Sicherung auf einen Wolkenkratzer will. Hochrisiko. Der verschwiegene Mordversuch, unter Verwendung von heimtückisch versteckten Bomben auf der CIRINJA, birgt wahrlich Zündstoff für den weiteren Verlauf der Mission. Ich persönlich logge mal den Zurn(igen) als Hauptverdächtigen ein. Reeva Corlin würde ich maximal als Mitläuferin einstufen, gewissermaßen ein Mitglied der „Trump Administration“, die auch mal etwas Redezeit erhielt. So traten die beiden Antagonisten des Romans jedenfalls auf und die Anleihen aus der Realität waren nicht zu übersehen.
Ein erstes Uff entfleuchte mir dann bei der Sprechstunde von Doktor Davtyan und seinem Patienten Sid, als dessen Restlebenszeit datiert wurde. Ob die ehemalige Ärztin Sud mit ihren heilerischen Fähigkeiten wohl doch nochmal aus dem Background eingreifen kann? Kurze Zeit später gab es auch schon die Bestätigung. Sud im Vario-800! Nächstes Uff. Und Sid ist ihr völlig ausgeliefert, weil die Posbis ihn zuvor sediert hatten, um vermeintlich sein Leben zu retten. Auf ausdrücklichen Wunsch von Perry, der ihn nicht aufgeben will. Wenn er nur wüsste. In der vorherigen Staffel wäre das ein Schlusssatz und Cliffhanger am Romanende gewesen, in der laufenden Staffel einfach nur einer von vielen Höhepunkten. Ganz hervorragend gefiel mir der Handlungsabschnitt auf der MAGELLAN, aus Sicht von Selinya Rahla, deren Eitelkeit immer wieder in kleinen Gedankenfetzen zum Tragen kam. Ich fand es herrlich, wenn sie sich gedanklich über schlecht sitzende Frisuren oder andere triviale Äußerlichkeiten aufregte. In einem Pulk voller egozentrischer Snobs hatte ich fast noch einen Funken Sympathie für sie übrig. Zumindest war sie die einzige unter allen versammelten Eltern, die zumindest ansatzweise Selbstreflexion beherrschte. Der Rest war dermaßen selbstverliebt unterwegs, dass diese Mission doch eigentlich nur scheitern konnte. Oder nicht!?
Zurn und Corlin lenkten von sich ab und schoben die Mordanschläge Rahla in die Schuhe. War zu erwarten. Ganz im Gegensatz zur strikten Verweigerung von Sid und Sue, sich erneut einen Körper zu teilen, was letztlich das Todesurteil für den draufgängerischen Jungen bedeuten würde. Diese Entscheidung kam unerwartet und stellt den individuellen Überlebenswillen zum Diskurs. Kapitän Zurn durfte zwischenzeitlich am Ruder bleiben, weil Perry die Machtmittel fehlten. Gut gelöst von Dietmar Schmidt, wie er es erzählerisch zu lösen wusste, dass Perry eben diesmal nicht das letzte Wort haben durfte. Weniger gefiel mir die in Vergessenheit geratene Personalie Sevenray. Einige Romane zuvor noch die Hauptsprecherin der Cybora-Fraktion, mischte sie erst spät wieder im Geschehen mit. Gerade die Hochkunsulin sah ich als die starke Stimme der Besorgten Eltern an. Mit ihrem fast schon überraschenden Auftritt in Romanhälfte Zwei kamen plötzlich auch noch andere, bisher schweigsame Charaktere zu Wort. Auch der Ehemann von Sevenray, den man bisher gar nicht vernommen hatte. Kleiner Minuspunkt in einem bisher sehr soliden NEO, dass hier über weite Strecken eine zentrale Hauptantagonistin von Reginald Bull vergessen wurde und der Cast auch äußerst unausgewogen zum Tragen kam.
Einmal mehr Katz und Maus, aber zum Glück in Schnellversion. Die verhältnismäßig kurze Flucht der MAGELLAN wurde zugunsten eines verwegenen Planes der Macher abgebrochen. Sid wurde von Thomas als Neues Leben bezeichnet und festgehalten. Aber wer oder was ist denn nun alles dieses Neue Leben? Jegliche künstlich und/oder biologisch optimierten Lebewesen neben den Anderposbis? Oder ganz simpel alle Humanoiden mit Mutantengaben? Der kurze, aber heftige, Raumkampf zwischen der AXION und den Dreizackraumern bringt zwei Erkenntnisse. Zum einen wissen die Kinder, dass sie Neues Leben sind. Zum anderen gilt das auch für Sud, wie Thomas gegenüber Sid betont. Möglicherweise ist Thomas also gar nicht der Antagonist, für den wir Fans ihn halten sollen. Denn er bekämpft offenbar das Zentralplasma, welches die Metamorphose einleiten will. Ich interpretiere den Begriff weiterhin so, dass etwas Gigantisches erschaffen werden soll wie eine neue Abnormität alias Superintelligenz. Sollen die Kinder dafür von den Posbis geopfert werden? Für ein höheres Ziel? Für den Gleichklang (Begriff fiel ja bereits innerhalb der Staffel)? Will der Rhodan-Spross das verhindern und gehört eigentlich zu den „Guten“? Wäre schon irgendwie ein geiler Plottwist. Aber zurück zu den Fakten.
Mit dem Eintreffen der Kinder von Cybora wendet sich das Blatt. Beim Gefecht wird Zayn lebensgefährlich verletzt, was Sid dazu bringt, Sue zu überreden, Sud wiederherzustellen. Liest sich wie ein Psychothriller für Außenstehende. Ist aber normaler Alltag für NEO-Fans. Der finale Abschnitt des Romans hatte was vom Theater des Wahnsinns. In der Neuaufführung mit den beiden Shelter-Kindern. Die Begriffe Para-Block und Mutanten fielen endlich. Also alles auf Anfang, wie vor der Genesis-Krise? Die Rückkehr des Mutanten-Korps! Könnte man ja verfilmen…. Spaß!!!!!! Herrlich nostalgische Momente bescherten mir am Ende dieses sehr guten Staffelbeitrags noch ein paar wohlige Schauer. Wie man frustrierte NEO-Fans wieder einfängt, das gelingt den Herren Hirdt und Schäfer momentan sehr gut. Ich weiß was ihr hier tut 😉
Eieiei… ordentlich aufs Glatteis geführt. Könnte schon mein Fazit sein. Von der Wega, nix war es mit den üblichen Verdächtigen. Nora und Malek Jen hatte ich nicht ansatzweise auf dem Schirm. Tolles Krimidinner-Finale! Hätte sich Dietmar Schmidt bis zum Ende mit Geheimnistuerei a la Nathalie zurückgehalten und ein wenig mehr Gegenwehr seiner Protagonisten mit eingestreut, wäre ich vollauf zufrieden ins Bett gegangen. Sue/Sid/Sud jedenfalls möchte ich gerne auch noch länger auseinander halten können. Wäre schon cool, wenn der Persönlichkeitsspalter tatsächlich irgendwann funktionieren würde.
Zitat des Romans
Mir vorzuwerfen, mich zu vermessen, ist vermessen!
Algron kann auch flapsig sein
Fazit und Wertung
Der Mix aus Nostalgie, dezenter Action, Machtkämpfen an Bord und überraschenden kleinen Aufhorchern hat mir gut gefallen. Auch Dietmar Schmidt blüht unter der Doppelexpokratur sichtbar auf. Hatten wir in jüngster Vergangenheit häufig erst am Heftende den ein oder anderen Uff-Moment, so gelingt das aktuell zu völlig unerwarteten Lesezeitpunkten. Im vorliegenden Fall sogar schon im ersten Romandrittel, als Sue in ihrem schicken Vario-800 auftauchte und mir den ersten Uff-Moment bescherte. Mein Charakter des Romans? Ganz klar Selinya Rahla. Neben ihrer ausgeprägten Eitelkeit war sie der gutherzige Anker in einer Schiffsgesellschaft zwischen Machtgier und Lügengeschichten, im allerübelsten Trump-Administration-Stil. Ihre schwer unterhaltsamen Dialoge mit dem Ex-RhenTech-Spezialisten Rano Hinon entlockten mir den ein oder anderen größeren Schmunzler. Schwer zu sagen, was mich letztendlich noch zu einer leichten Abwertung verleitete. Ich würde wohl die wenig überzeugende Begründung, hochtechnisierte Posbis ernsthaft mit einer kaputten Kanone bedrohen zu wollen, als Hauptgrund aufführen, dass ich den Roman nicht vollends zufrieden zuklappen konnte. Taktisch ein HImmelfahrtskommando. Auch die protestlos von Perry und Sud hingenommene, ziemlich lasche Begründung, warum man denn auf Teufel komm raus ausgerechnet im Tesserakt mitfliegen und zudem noch einen geheimnisvollen Umweg fliegen sollte, überzeugte mich nicht ansatzweise. Ist halt so, Leser schluck es. Nathalie lässt grüßen. Das Krimidinner-Finale und die Entlarvung der unerwarteten Bösewichte lieferte dagegen sehr spät nochmal einen befriedigenden Uff-Moment. Vier von fünf Packungen allerbester Curuva pünktlich via Overnight-Express ins Schmidt’sche Domizil geliefert. Es bleibt dabei: Die Staffel ist zielstrebig auf Rekordkurs.
