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Dem Perry Rhodan-Leser ist Christoph Dittert unter seinem Pseudonym Christian Montillon als Expokrat bekannt. Im Sommer wurde sein unabhängiger SF-Roman »Fallender Stern« veröffentlicht, den ich um Weihnachten herum gelesen habe.
Vorsicht! Der nachfolgende Text könnte leichte Spoiler enthalten.

Gemächlicher Beginn

Was würdet ihr tun, wenn plötzlich ein Asteroid durch das Sonnensystem kreuzt, von dem aus eine Funkbotschaft gesendet wird?
Jeder Science Fiction-Fan oder astronomisch Begeisterte wird sich diese Frage schon einmal gestellt haben – rein hypothetisch natürlich.
Für die Zwillinge Amy und Eric Allamore wird sie allerdings harte Realität, als ihre Mutter ausgerechnet am zehnten Geburtstag der Zwillinge aus genau diesem Grund ins Büro gerufen wird. Sie arbeitet bei der NASA und fortan bestimmt der Asteroid das Leben der Familie. Während die Mutter und Amy geradezu besessen von dem Besuch aus dem All sind, reagieren Eric und sein Vater deutlich nüchterner. Schließlich wird der Asteroid erst in dreißig Jahren der Erde so nahekommen, dass Menschen ihm einen Besuch abstatten können. Bis dahin ändert sich für die meisten Erdenbewohner – nichts.
Der erste Abschnitt des Romans beschreibt diesen Zeitraum bis zum sogenannten »Stichtag« und liest sich fast wie eine Familiengeschichte. Eric reagiert eher pragmatisch, führt sein Leben fort wie gehabt und widmet sich später der Sprachphilosophie. Seine Schwester Amy hingegen eifert ihrer Mutter nach, und setzt alles daran, um am Stichtag ihren Fuß auf den Besucher aus dem All zu setzen. Die Familie jedoch wird dadurch auseinandergetrieben. Insofern liest sich dieser erste Teil mehr wie eine Familiengeschichte. Aber es wird im Kleinen aufgezeigt, was auch in der Gesellschaft insgesamt passiert. Die Menschheit befindet sich im Widerstreit zwischen Fakten und Philosophie. Nationenübergreifend wird die Landung auf dem Asteroiden geplant. Es werden die Fernsehrechte dafür meistbietend verkauft. Andere beschäftigen sich mehr mit der übergeordneten Bedeutung der Funkbotschaft für die Menschheit.
Dabei werden viele Aspekte angerissen, über die sich der Autor sicherlich viele Gedanken gemacht hat. Ich hätte gerne noch mehr darüber gelesen, insbesondere die globalpolitischen Ereignisse und Konsequenzen.
Action sucht man im diesem ersten Teil vergeblich. Vielmehr zieht die Geschichte ihre Spannung aus der Frage, was die Menschheit auf dem mysteriösen Gesteinsbrocken wohl erwartet. Ich war zu diesem Zeitpunkt (nach etwa einem Drittel des Buches) fast enttäuscht, dass so wenig passiert.

Etwas mehr Speed

Doch dann ist endlich der langersehnte »Stichtag« da und er Roman nimmt richtig Fahr auf. Die Zwillinge sind inzwischen natürlich erwachsen geworden und verfolgen die Landung auf dem Asteroiden zusammen mit fast der kompletten Erdbevölkerung.
Amy hat es zwar nicht an Bord des irdischen Raumschiffs geschafft, ist aber immerhin als hochrangige NASA-Mitarbeiterin hautnah dabei.
Die Geschehnisse im All können die Zuschauer aus dem Blickwinkel einer mitgereisten Journalistin erleben. Auf dem Objekt stößt die internationale Crew tatsächlich auf einen Außerirdischen, den man mit zur Erde bringt. Und danach – wie sollte es auch anders sein – geht alles schief. Es entwickelt sich eine tödliche Bedrohung und Dittert treibt die Menschheit immer weiter an den Abgrund bis sie hinabzustürzen droht.
Damit einher geht auch eine Änderung des Grundthemas des Romans. Es steht nun die Frage im Vordergrund, wie man mit Außerirdischen am besten umgeht, wenn sie denn einmal da sind. Denn logischerweise wird ihre Gedankenwelt eine völlig andere sein als die unsere. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Und möglicherweise reagieren sie auch anders als erwartet.

Fazit

Der erste Abschnitt des Romans hat mit nicht sehr mitgerissen. Eine Familiengeschichte entsprach nicht meinen Erwartungen, das mag dazu beigetragen haben. Dennoch habe ich weitergelesen, weil die Neugierde überwog. Die Entwicklung der Allamores ist stringent erzählt, die Figuren sind klar charakterisiert und handeln entsprechend und nicht alles ist vorhersehbar. Schön fand ich auch. dass die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Amy und Eric erzählt wurde, teilweise in unmittelbar zusammenhängenden Szenen, so dass ein Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann.

Nach dem etwas zähen Beginn konnte ich das Buch aber fast nicht mehr aus der Hand legen. Dittert steigert stetig die Schlagzahl, zieht den Leser hinein in die Story. Ich fieberte mit Figuren und den Erdenbewohnern mit, und hatte am Ende ein ganz, ganz schlechtes Gefühl.
Natürlich beruht die Geschichte auf einem Szenario, das man schon in vielen Variationen gesehen oder gelesen hat. Allerdings hat sie für mich ein paar individualisierende Elemente. Mir persönlich hat die Herangehensweise gefallen, den eigentlichen Erstkontakt dreißig Jahre in die Zukunft zu verlegen und auch diesen Zeitraum zu thematisieren. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.
Außerdem ist es aber auch die (Lebens)Geschichte der beiden Hauptfiguren, die dem Ganzen etwas Besonderes aufprägt.

Mich hat der Roman (mit ein bisschen Anlauf) hervorragend unterhalten. Wer einmal eine neue Perspektive auf ein altbekanntes Thema lesen möchte, dem sei die Geschichte ans Herz gelegt. Ich kann sie in jedem Fall empfehlen. Den Perry Rhodan-Leser erfreuen sicherlich ein paar nette Ostereier, die Expokrat Dittert/Montillion eingebaut hat.

Der neue Roman von Christoph Dittert: Fallender Stern

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