In der heutigen Ausgabe unserer kleinen Interview-Reihe treffen wir Nils Hirseland. Mittlerweile ist er mehr als zwanzig Jahre im Fandom aktiv und seit 2018 sogar der Vorsitzende der Perry Rhodan-Fanzentrale. In der Perrypedia hat er einen eigenen Artikel und auch sonst hat er seine Spuren im Fandom hinterlassen. Einer dieser Abdrücke ist die Fanfiction-Serie DORGON, über die wir im Folgenden ein wenig plaudern.
(Das Beitragsbild oben zeigt die NOVA im Anflug auf den Mond Mashritun B. Die Grafik stammt von Raimund Peter.)

(c) Nils HIrseland

Hallo Nils,
den Mitgliedern der PRFZ wird man dich nicht vorstellen müssen. Aber möchtest du ein paar Worte über dich und deinen Weg zu Perry Rhodan erzählen?


Als Kind bin ich mit Star Wars, Star Trek und Perry Rhodan aufgewachsen. Bei Lesewettbewerben in der Schule brachte ich immer eine Geschichte von Perry Rhodan mit. Ich war also schon sehr früh mit der Science-Fiction verbunden. Im Zeitalter des Internets ab Mitte der 90er Jahre kam dann auch über Chats der Kontakt zu anderen Perry Rhodan Lesern. Man gründete 1997 den Club »Terrania Online Perry Rhodan Club«, dessen Präsident ich war. Es folgten dann schnell der Kontakt zur PR-Redaktion, Conbesuche und die ersten eigenen Fanstorys. 1998 fusionierten der TOPRC und der »Perry Rhodan World Communication Club« zum »Perry Rhodan Online Club«. Ich fühlte mich im Perry Rhodan Fandom immer wohl und gut aufgehoben. Und nun bin ich schon über 20 Jahre dabei.

Du firmierst als Chefautor für die Fanroman-Serie »DORGON«, die natürlich im Perryversum angesiedelt ist. Wenn ich recht informiert bin, dann startete diese 1999 und hat es damals auf 180 Bände gebracht, was ich sehr beeindruckend finde. Ab 2011 folgte eine Überarbeitung und Straffung auf 119 Bände, die Special-Edition (erhältlich in elektronischer Form auf der DORGON-Seite im Internet). Zuletzt wurden die Romane erneut überarbeitet und zu Büchern zusammengestellt, die im Shop der PRFZ erhältlich sind. [Korrekt soweit?]

Das ist korrekt. Anfang des letzten Jahrzehnts stockte DORGON nach 180 Heften. Ein Autor wurde krank, der recht viele Romane geschrieben hatte, und es dauerte lange, bis er genesen war. In der Zeit wollte ich dann die alten Romane überarbeiten. Klar, dass man sich 2011 weiter entwickelt hatte im Vergleich zu 1999. An der Special-Edition wurde seitdem viel gearbeitet. Zunächst einmal mit der Hilfe von Jürgen Seel und dann dank Alexandra Trinley und René Spreer, welche die Romane auf ein neues Level gehoben haben. In der Zeit wurde auch die Handlung nicht weiter erzählt. Mit dem Ende der Special-Edition knüpfen wir mit Band 120 dann dort an, wo wir 2011 aufgehört haben.

Wie kam es damals zu DORGON und wie hast du deine Mitstreiter rekrutiert?

Mein erster Fanroman trug 1997 den Titel »Rhodans Odyssee« und war ein Sechsteiler. Unbewusst hatte ich damals den Grundstein für DORGON gelegt. 1998 folgte das Sequel »LONDON II«. In der Zeit hatte ich zumindest eine tragende Figur, Cauthon Despair, bereits im Hinterkopf. Despair sollte ein Gegenstück zu Perry Rhodan werden. Zellaktivatorträger und Idealist, aber aufgrund seines Lebenslaufes hasserfüllt. Daraus entwickelte sich dann erst einmal das Konzept des Mordred-Zyklus. Ich bediente mich dabei einigen Figuren aus »Rhodans Odyssee«. Schnell kam die Idee, dass eine Macht hinter der galaktischen Terrororganisation steckte. Das Sternenreich Dorgon in der Galaxis M100. Der zweite Zyklus war damit auch schon im Hinterkopf. Und dann kam der kosmische Überbau mit MODROR und DORGON. Wobei ich diesen Überbau schon bei Heft 1 im Kopf hatte, aber natürlich nicht wusste, ob die Serie es so lange machen würde. Ab da war dann die Planung mit weit über 100 Romanen gereift. Die Mitstreiter kamen recht schnell. Im Perry Rhodan Umfeld fragte ich einfach mal herum. Es gab einige Autoren mit kurzem Engagement und welche, die sehr lange dabei waren.



War die Serie von Anfang an als elektronische Publikation geplant?

Ja, von Anfang an. Ende der 90er war der PROC sozusagen ein Vorreiter in Sachen elektronische Publikationen, wie z.B. das Fanzine »Terracom« (oder vorher »Interkom« der PRWCC) und den »PROC Stories«. Da hatte Aki Nofftz viele Impulse gegeben und die Formate auch für DORGON erstellt.

Ich nehme an, dass der »rote Faden« dir als Chefautor obliegt. Inwieweit bringen sich andere in die Führung der Geschichte ein?

Genau, ich gebe den roten Faden vor, aber die Autoren haben natürlich die Möglichkeit, ihre eigenen Figuren einzubringen. Ich denke, das ist im Hobbybereich genauso wie im Profibereich. Und es gab in der Vergangenheit auch manchmal Figuren, die Autoren einführten, die immer wiederkehrten. Manche aber auch, die mir reichlich Kopfzerbrechen bereitet haben. Gerade in der Special-Edition war es manchmal schwierig, die Eigenkreationen der Autoren beizubehalten, wenn ihre Handlung ins Leere führte.

Hast du jemals einen Kurs »Exposéschreiben für Anfänger« belegt? Oder hast du dir das selbst angeeignet?

Nein, habe ich nicht. Das habe ich mir selbst angeeignet. Learning by doing. Je nach Autor habe ich auch versucht, die Exposés maßgeschneidert zu verfassen. Der eine Autor brauchte mehr Freiheiten, ein anderer hingegen mehr Details.

Was liefert die Inspiration für die Geschichten? Ist es nur das Setting der Perry Rhodan-Reihe oder kommen auch andere Einflüsse hinzu?

Alles Mögliche, natürlich PERRY RHODAN, aber auch andere SF-Serien, Serien, Bücher, Fantasy und das Leben selbst, die Geschichte und gesellschaftliche Entwicklungen.

Achtet ihr streng auf Kanon oder erweitert ihr das Serien-Setting auch?

Wir versuchen es. Ein wenig erinnert mich DORGON an »Marvel’s Agents of Shield« oder »Star Wars Clone Wars«. Man möchte schon das große Ganze ehren und respektieren, doch manchmal kommt man aus dramaturgischen Gründen schon mal an die Grenze des Kanons. Aber generell versuche ich, mich an die Erstauflage zu halten. DORGON soll ja in das Perryversum passen und sich nicht irgendwie »falsch anfühlen«. Es ist also eine Herausforderung, die Handlung so zu schreiben, dass die PR-Leser denken: »Ja, so könnte es passiert sein« und nicht sagen: »Was ist das für ein Quatsch. Passt doch gar nicht zu der Zeit.« Ich versuche daher auch immer, in den Zeitsprüngen der Erstauflage die DORGON-Handlung anzusetzen.

Eine Erweiterung haben wir sicherlich mit den Kosmotarchen gemacht, die im Zwiebelschalenmodell also über den Kosmokraten und Chaotarchen stehen. Allerdings auch mit einer Hintertür, da DORGON und MODROR die einzigen Kosmotarchen sind und aus einem kosmischen Projekt der Hohen Mächte entstanden sind.

Die überarbeitete Fassung der Romane steht derzeit bei Nummer 112 (»Quo vadis, Quarterium?« kam am 14. September 2020 heraus). Eine Fortführung der Serie ab Nummer 120 ist angekündigt. Wie sieht der Zeitplan aus? Wie viel ist schon fertig?
[Anm. d. Red.: Nach Fertigstellung des Interviews wurde das Erscheinen von DORGON 113 »Entropia« von Alexandra Trinley und Leo Fegerl vermeldet.]


Wir wollen am liebsten in der ersten Jahreshälfte die Special-Edition beenden. Das hängt natürlich immer etwas davon ab, wie viel Freizeit man hat. Die Romane bis 119 sind fertig. Zumindest solange, bis das Lektorat sie liest und nochmal nötige Änderungen vorschlägt. René Spreer hat mir gerade die 115 zur Korrektur gegeben und noch ein paar Anmerkungen gehabt. Es sind jetzt nicht mehr so viele Hefte, ich denke, wir schaffen das jetzt zeitnah.

Band 120 ist auch geschrieben. Aktuell sitze ich an Heft 121 und schreibe die Exposés für die Bände 122 bis 129. Das Konzept bis Band 150 steht in groben Zügen. Eine Veröffentlichung von Band 120 ist für Januar 2022 geplant.

Kannst du etwas über die Inhalte verraten? Wird man sich auch der aktuellen EA-Handlung irgendwann (zeitlich) angleichen (Der letzte Zyklus »Rideryon« spielt 1307/1308 NGZ)?

Es wird einen Zeitsprung ins Jahr 2046 NGZ geben. Das bedeutet, wir nähern uns mit einem gewaltigen Satz an die Erstauflage an. Um genauer zu sein, werden die ersten Hefte des neuen Zyklus in der Zeit spielen, in der auch so die Hefte um Band 3030 angesiedelt waren. Es gilt hier, Lücken in der Erstauflage zu finden, um dort die Handlung zu positionieren.

Den Titel von Band 120 kann ich auch schon verraten: »Die Rhodanjäger«.

(cI Gaby Hylla
Preview auf DORGON 120: Mythos Terra? Perry Rhodan, Märchen oder Wahrheit im Jahre 2046 NGZ? Rhodanjäger Nathaniel Creen hält ein Heft über Perry Rhodan in der Hand und philosophiert mit dem Hologramm der Bordpositronik Eleonore darüber, ob die Macher dieser Geschichten nur Verrückte sind oder doch Wahrheit dahinter steckt.

Sie zeigt rechts den Rhodanjäger Nathaniel Creen, der ein Perry Rhodan Heft in der Hand hält. Links das Hologramm der künstlichen Intelligenz Eleonore, der Positronik der NOVA.



Hat sich die Arbeit an der Serie seit ihrem Beginn verändert und wenn ja, wie?

Ja, klar. Sie ist professioneller geworden durch das Lektorat von Alexandra Trinley und das Korrektorat von René Spreer. Ich bin sehr froh, mit ihnen zwei zuverlässige Mitstreiter zu haben, welche sich wirklich gut mit DORGON auskennen und die Serie weiterbringen. Auch ist die Anzahl der Autoren aber auch weniger geworden. Durch die lange Special-Edition Phase bedurfte es nur weniger Autoren. Es gab von Ben Calvin Hary ein tolles Gastspiel und auch Roman Schleifer hat die Überarbeitung genutzt, um ein Band neu zu schreiben.

Wer sind die Aktiven, die die Serie weiter gestalten werden?
Wenn jemand Lust hat, sich als Autor, Grafiker, Was-auch-immer zu beteiligen, habt ihr Bedarf und kann man dich einfach anschreiben?


Das aktuelle Team besteht aus Alexandra Trinley als Lektorin, René Spreer für das Layout und Korrektorat, den Grafikern Raimund Peter, Gaby Hylla, John Buurman und Stefan Wepil sowie mir als Autor. Generell kann sich jeder gerne bewerben. Doch auch als Fanautor sollte man gewisse Eigenschaften mit sich bringen. Man sollte schon etwas schreiben können und kritikfähig sein, auch ist es bei weit über 100 Heften DORGON wichtig, dass man sich mit der Materie auskennt, also sowohl ein PR-Kenner als auch ein DORGON-Kenner ist, sonst ist es für mich auch schwierig, die Handlung zu konzeptionieren. Denn man kann nicht so viele Gastromane mehr einplanen. Wer die Eigenschaften mit sich bringt, kann mich gerne kontaktieren.

Ich finde bemerkenswert, dass es auch französische und brasilianische Ausgaben von »DORGON« gibt. Wie kam es dazu? [btw. der Link für die französische Ausgabe in der Perrypedia führt auf eine seltsame Seite 😉 ]

DORGON Band 1 wurde sogar ins Japanische übersetzt. Die Übersetzungen sind dem Engagement der Fans in den einzelnen Ländern zu verdanken. Ich musste da gar nichts machen. Ich glaube, das ist ein Zeichen dafür, wie beliebt PERRY RHODAN auch über den deutschsprachigen Raum hinaus ist. Die Leser lechzen offenbar nach neuem Material, selbst wenn es nur Fanromane sind. Das hat mich natürlich gefreut und ich fühle mich geehrt, dass diese Projekte ein. Danke für den Hinweis mit der französischen Seite, offenbar haben die Macher jetzt ein anderes Hobby. Den Link haben wir mal entfernt. Wie gesagt, die Übersetzungen waren keine vom PROC oder PRFZ-offizielle Angelegenheit, sondern Fanwerk. Schade, dass die Ausgaben jetzt verloren sind.

Wie verhält sich das in rechtlicher Hinsicht? Habt ihr einen Lizenzvertrag mit dem Verlag? Musst du dich zu Inhalten mit KNF abstimmen? [Wenn man das überhaupt verraten darf?]

Wir haben uns natürlich das OK vom Verlag geholt. Es gibt einige rechtliche Aspekte, die wir natürlich beachten müssen. DORGON muss als FanFiktion gekennzeichnet sein, wir dürfen uns nicht bereichern, sondern nur kostendeckend arbeiten. Die Bücher sind ja so kalkuliert, dass wir kein Minus machen. Auch darf eine Publikation keine ISBN haben. Generell ist die PR-Redaktion sehr engagiert, den Fans zu sagen, was möglich ist, und ich merke auch, dass den Fanprojekten viel Respekt gezollt wird. Die Inhalte werden aus nachvollziehbaren Gründen nicht abgestimmt. Die PR-Redaktion und die Autoren können ja keine Rücksicht auf die Fanprojekte nehmen.

Wobei es natürlich ein witziger Gedanke wäre, wenn ich mich mit dem PR-Autorenteam über die Themen vom 3200er Zyklus zwecks Abstimmung austauschen könnte.

Es gab eine inhaltliche Abstimmung mal mit Rainer Castor, als es um den Kemetenzyklus von DORGON ging. Darin tauchen die alten ägyptischen Götter wie Osiris, Anubis und Horus auf. Auch Seth und Apophis. Da gab es wertvolle Tipps und Anregungen, wie man das mit der Superintelligenz SETH-APOPHIS in Einklang bringen kann und wie das stimmig mit Atlans Abenteuern im alten Ägypten sein könnte. Auch hatte Rainer mir mal ein sehr umfangreiches Datenblatt zur LFT im Jahre 1303 NGZ zur Verfügung gestellt. Das war super hilfreich für die Planung des Quarterium-Zyklus.

Vielleicht zum Ende noch ein paar Worte zur PRFZ:
Als nächste Aktivitäten habe ich den PR-Online-Abend zum Zyklusstart auf dem Schirm sowie für 2022 die nächsten Perry-Rhodan-Tage, diesmal in Braunschweig.
Gibt es Neuigkeiten zur Planung für Braunschweig? Location? Beiträge?
Welche Aktivitäten habt ihr darüber hinaus vor der Brust?


In Sachen Cons sind wir noch etwas vorsichtig. Es ist schwer zu sagen, wie sich die Situation 2021 entwickelt. Sollte ein Ende der Pandemie in Sicht sein, werden wir uns um die Organisation eines Cons bemühen. 2022 sind aber grundsätzlich schon die PERRY RHODAN Tage in Braunschweig geplant. Die Location wird die »Alte Mühle« sein, in der schon mal der ThoreCon 1999 stattgefunden hatte.

Wir arbeiten derzeit im Hintergrund an einigen Dingen. Organisatorisch werden wir endlich auf ein Vereinsprogramm wechseln, womit die Arbeit deutlich erleichtert wird und auch Bestellungen und Neuanmeldungen schneller abgearbeitet werden können. Da hatten wir definitiv ein Defizit.

Außerdem wird unsere Internetpräsenz gerade überarbeitet. Das neue Design ist moderner und responsive, d.h. auch auf Tablets, iPads und Smartphones etc. besser zu bedienen.

Und wir möchten natürlich auch in Garching mit einem Stand präsent sein und unsere Mitgliederversammlung abhalten. Immerhin sind dieses Jahr auch Vorstandswahlen.

Wir danken dir für dieses Interview, Nils!

Also, liebe Freunde dieses kleinen Piratensenders, zieht euch die DORGON-Romane rein! Da steckt viel Liebe und Herzblut drin! Ich kann sie nur empfehlen.
Oder ihr kommt auf dem nächsten Con am Stand der PRFZ vorbei und deckt euch mit den Print-Ausgaben ein. Bei der Gelegenheit könnt ihr (bei Bedarf) auch gleich einen Mitgliedsantrag ausfüllen. Dann wird es ein wenig günstiger.

Online-Pionier des Perryversums
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