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Seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten bereichert Raimund Peter die Welt unserer Lieblings-Raketenheftchenserie mit seiner Schaffenskunst. Waren es zunächst Konstruktionen aus Holz und Plexiglas, hat er sich mittlerweile der rechnergestützten Modellierung und Animation zugewandt. Wir freuen uns, dass er sich unseren Fragen gestellt hat und einen Einblick in sein derzeitige Schaffen gewährt.

Hallo Raimund
eben habe ich mir nochmal dein Animationsvideo »Mission SOL« auf YouTube angesehen und bin wieder einmal sehr beeindruckt. Es wirkt sehr aufwändig. Wie lange hat die Erstellung des Videos gedauert?


Raimund Peter (Rai): Nachdem ich ja auf bestehende Personen und Objekte wie Raumschiffe und dergleichen zurückgreifen kann, haben diese Videoclips nicht mehr den Zeitaufwand wie zu Beginn meiner Tätigkeiten Anfang 2000. Daher kann man doch in absehbarer Zeit so ein Video erstellen. An dem Video vom NEGASPHÄRE-Zyklus hab ich fast zwei Jahre gearbeitet. Im vorliegenden Fall für »Mission SOL« begannen die Arbeiten schon Ende 2019, als bekannt wurde, was Kai Hirdt für seinen Mini-Zyklus geplant hat. Fertig wurde das Video schließlich Ende Mai 2020. Obwohl hier coronabedingt eine kurze Pause eingelegt wurde.
Im Grunde genommen konnte ich auch hier auf Bestehendes zurückgreifen. Neu zu machen waren die Figuren Tess Qumisha, Eroin Blitzer und die Zentrifaal. Tess hatte ich ursprünglich schwarzhaarig entworfen. Dann sah ich zufällig die Beschreibung der Lady in einem ganz kurzen Satz mit weißen Haaren.
Leider war alles schon fertig, als das TiBi Nr. 9 von Dirk Schulz erschien. Diese Tess hätte mir noch besser gefallen. Die hat er gut getroffen. Neu waren auch die Schiffe der Yakonto, die Sichelschiffe und vor allem der Tetraeder. Hier hab ich meine alten Schulkenntnisse von Mathematik und Geometrie hervorgekramt. War gar nicht so einfach. Das ganze Teil sollte sich ja auch bewegen lassen. Kai hat hier aber eine sehr schöne Beschreibung geliefert.

Tess Qumisha, Kommandantin der SOL. (c) Raimund Peter

Wie gehst du bei den Videos vor? Planst du voraus? Erstellst du eine Art Skript? Baust du zuerst Figuren und Raumschiffe? Oder legst du einfach los und alles kommt nach und nach?

Rai: Viele Fragen auf einmal. Natürlich hab ich da eine gewisse Vorgehensweise, hat ja jeder von uns. Zunächst wird schon ein Script erstellt in Form einer Excel-Datei. Da werden die Szenen beschrieben, der Sprechtext eingetragen und auch die ungefähre Länge in Sekunden, und nicht zuletzt auch eine Spalte mit Musik und Geräuschen. Manchmal leg ich aber auch einfach los, wenn mir zufällig eine Szene in den Sinn kommt, die ich verwenden könnte. Es kommt auch oft vor, dass ich in einem Roman eine Stelle lese, die ich sofort in eine Szene umwandeln muss.

Hast du dabei auch Kontakt zu den Verantwortlichen der Romane, in diesem Fall Kai Hirdt?

Rai: Ja natürlich wurde Kai involviert. Er ist ja schließlich der Urheber der Geschichte. Angeregt wurde die Sache jedoch schon Ende 2019 von Stefan Friedrich, der das als Garching-Opener geplant hätte (woraus ja leider nichts geworden ist).
Stefan hat auch den Text dazu geschrieben, der dann von Kai Hirdt abgesegnet wurde.

Apropos Sprechtext: Wer sind denn die Sprecher in deinen Filmen?

Rai: Die ersten Videos vom MdI-Zyklus wurden von unserem Wolfgang Zenker eingesprochen. Dann kam mit dem TCE-Video »Geheimoperation ONAGER« Wilfried Hary. Das NEGASPHÄRE-Video hat dann wieder Wolfgang Zenker gesprochen. Das wurde aber dann auf Wunsch der Redaktion für den Weltcon 2011 in Mannheim auf den Hörbuchsprecher Tom Jakobs geändert. Und dann kam Sven Matthias. Ein Profisprecher, der mir bis heute treu geblieben ist.

In »Mission SOL« ist Perry Rhodan nackt zu sehen. Ist das nicht fast zu viel Erotik für PR?

Rai: Eine heikle Frage. Ja, Rhodan wurde nackt dargestellt. Aber es stand schließlich so im Roman. Natürlich könnte man jetzt sage, dort stand es ja nur geschrieben und jeder Leser kann sich ja in seinem Kopfkino seine eigene Version vorstellen. Aber wo ist da der Unterschied?? Kai hat das ja so geschrieben. Ursprünglich hatte ich nur Perrys Oberkörper geplant. Hab mich dann aber doch für eine Komplettversion entschlossen. Schon allein gespannt auf die Reaktionen. Und siehe da, da kam nicht viel. Die wesentlichen Teile sind ja nicht sichtbar. Ich dachte da auch an den großen Meister Don Lawrence, der seinen Storm auch immer sehr freizügig dargestellt hat.

A-Kuatonds Schlachtspitze im Splitzustand. (c) Raimund Peter

Wann kommt Teil 2?

Rai: Da will ich gar nicht viel sagen. So wie es aussieht, wird es keinen Teil 2 geben. Wenn man die Entstehungszeit eines Videos, nämlich 6 Monate für die Umsetzung eines Romans, auf 12 Hefte hochrechnet, so würde das erst in Jahren fertig. Bis dahin ist der Mini-Zyklus ein alter Hut.

Seit fast 20 Jahren animierst du das Perryversum. Bekannt sind deine Animationen »Meister der Insel« oder »Operation Tempus«. Auf YouTube finden sich aber auch kürzere Videos, etwa animierte Titelbilder oder kurze Dokumentationen zu Objekten wie der BASIS oder den Kolonnen-MASCHINEN. Woher holst du dir den technischen Input für die Konstruktion und Gestaltung? Perrypedia? Konstruierst du freihand? Stellst du dich gut mit den Risszeichnern? Oder hat dir ein Chefwissenschaftler der LFT Pläne geleakt?

Rai: Nein von der LFT kenn ich ja niemanden persönlich. Für detaillierte Auskünfte wende ich mich an Verena [Themsen, Anm. d. Red.], die Nachfolgerin von Rainer Castor, aber in erster Linie ist für mich die Perrypedia maßgebend und natürlich die Risszeichnungen. Obwohl ich mir hier die Freiheit nehme, eigene Kreationen einzubringen, wie es ja auch die TiBi-Zeichner machen. Für die kurzen Clips der animierten Titelbilder hat mich voriges Jahr Nils Hirseland begeistert. Er wollte was Kurzes für Instagram. Hab ich aber inzwischen wieder eingestellt, da ja Thomas Röhrs hier in erster Linie tätig ist. Von ihm stammen ja auch einige seiner vielen TiBi-Animationen in dem Video zum 3000er Jubiläum.

Ich habe auch das Video »Making of Mondra« entdeckt. Augenscheinlich hast du ein Ensemble von Figuren, auf das du zurückgreifen kannst. Wie viel Aufwand steckt in einer neuen Figur und überarbeitest du die Modelle auch?

Rai: Mondra war damals meine erste weibliche Figur und ist neben Gucky die aufwändigste Figur, die zum NEGASPHÄRE-Video entstanden ist. MMT [Michael Marcus Thurner, Anm. d. Red.] hat mich mal gefragt, wie so etwas entsteht, worauf dieser kurze Clip entstanden ist.
Teilweise werden diese Figuren und auch andere Modelle neu überarbeitet. Es entstehen dadurch neue Charaktere und auch Raumfahrzeuge für zukünftige Projekte. Viele davon liegen quasi »auf Eis« und hatten noch nie einen Auftritt.

(c) Raimund Peter

Meine früheste Erinnerung an deine Werke sind wohl die CREST II und die Festung der Inquisition, die mich seinerzeit sehr beeindruckt hat (obwohl ich sie nie in echt gesehen habe). Machst du eigentlich aktuell physische Modelle?

Rai: Nein. Neue Modelle gibt es kaum, seit der »virtuelle« Modellbau bei mir Fuß gefasst hat. 2002 entstand nach der Festung die Space Jet CORBIN zusammen mit Gregor Paulmann und 2005 gab es noch mal einen Versuch in die Richtung der »Papiermodellwelt« mit dem Modell der SATURN-Class. Das hat aber dann mit Erfolg Marco Scheloske übernommen.

[Anm. d. Red.: In der Perrypedia wird die CORBIN-Klasse als CORBIA-Klasse bezeichnet. Auf Nachfrage stellt Rai richtig: »Das hat Gregor Paulmann auch anfangs schon bekrittelt. CORBIN wäre richtig. Aber durch die eigenartige Schriftart wurde das ›N‹ bei der Risszeichnung als ›A‹ allgemein falsch interpretiert.«]

Beim Modellbau denke ich als Laie an Holz, Plexiglas und Heißkleber. Wie kommt man zu Papier als Werkstoff?

Rai: Eine längere Geschichte. Die 4 Meter lange GALACTICA ist ja noch aus Holz gefertigt worden. Dann waren Plexiglas und Polystyrol meine wichtigsten Werkstoffe. Die Modelle waren ja seit 2003 auch oft in Mainz im Schloß zu Gast. Dort hatte ich im Rahmen der »Inspiration Modellbau« erstmals Kontakt mit den Papiermodellbauern. Hier gab es faszinierende Modelle von allen nur denkbaren Objekten, wie Burgen, Schiffe, Eisenbahnen… Aber keinerlei Raumschiffe. Was mich dann in weiterer Folge veranlasst hat, mal selbst so etwas zu entwerfen. Das TiBi 2214 von Ralph Voltz hat mich dazu animiert einen Entdecker der SATURN-Class zu entwerfen. Nicht zuletzt aus dem Grund, weil hier erstmals ein Sechskantringwulst zum Einsatz kam. Der sich modellbaumäßig leichter realisieren ließ.

(c) Raimund Peter

In einem Interview mit Roman Schleifer erwähnst du, dass deine ersten Modelle mit einem Film im Hinterkopf entstanden sind. Wäre eine filmische Inszenierung deiner physischen Modelle ein Projekt für die nähere Zukunft?

Rai: Nein eher nicht. Das wäre zu aufwändig. Achim Thunack hat ja schon in den 60er Jahren seinen Atlan-Film vom »Einsamen der Zeit« begonnen und mit echten Modellen gearbeitet. Er hat sein Werk immerhin fertiggestellt. Damals kannte ich ihn noch nicht. Da hätten wir uns vielleicht zusammengetan. Erst 2010 lernte ich ihn auf unserem Austria-Con kennen und ich hab dann auch für seinen Film ein paar Animationen beigesteuert. Unter anderem die Szenen von der Mondlandung die in dem Videoclip »Mission STARDUST« auf YouTube stehen. War gar nicht so einfach. Die Szenen mussten »abgespeckt« werden, damit sie qualitativ halbwegs zu den relativ unscharfen Bildern der Schmalfilmversion passten. Die relativ gute Qualität der Animation musste stark in die Unschärfe (Weichgezeichnet) gezogen werden.

Mit Händen greifbar sind die Glasmodelle der SOL und der MARCO POLO, die im Space Shop der Perry Rhodan-Fanzentrale erhältlich sind. Für diese hast du die 3D-Modelle erstellt. Möchtest du ein wenig über die Entstehung dieser schönen Sammlerobjekte erzählen?

Rai: Angefangen hat es auch schon heuer 2020 kurz vor dem Beginn der Corona-Krise. Alexandra Trinley hat mich gebeten, einen Kerzenhalter in Form eines Kugelschiffes zu entwerfen.
Bei der Gelegenheit kam mir die Idee der 3D-Glasmodelle. Erich Herbst brachte mich dann mit der 3D-Glasfirma in Verbindung. Dass man eine 3D-Grafik in einen Glaswürfel brennen könnte, war mir neu. Auch die 3D-Firma in Graz hat sowas anscheinend noch nie gemacht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Kompatibilität der Dateien, hat es dann aber doch geklappt. Ich mußte nämlich meine C4D-Dateien auf 3D-max umwandeln (mit allen damit verbundenen Nachteilen). Dann entstanden die ersten Muster.
Wesentlich schwieriger gestaltete sich der organisatorische Teil der Vermarktung. Mit Bolli [Klaus Bollhöfener, Anm. d. Red.] kam ich schnell überein. Er hätte nichts gegen eine Produktion, aber ohne die Bezeichnungen SOL und MARCO POLO. Anschließend hat er das dann an die PRFZ weitergegeben. Nils hat das schließlich dem Herbert Kessel angehängt. Dann gingen die Diskussionen los. Mit oder ohne Beschriftung, mit oder ohne original Perry Rhodan-Schriftzug, mit oder ohne PRFZ-Logo, das alte Logo, oder das von mir entworfene neue Logo, und in welcher Größe???
Und so weiter. Irgendwann wäre der Glaswürfel mit Beschriftungen zugepflastert gewesen. So zog sich der organisatorische Teil ganz schön hin.
Herbert Kessel hat dann günstigerweise vom Verlag eine Lizenz für den Perry Rhodan Schriftzug erworben und dann ging es endlich Mitte August in die Endphase.

Glasmodelle von MARCO POLO und SOL. (c) Raimund Peter

Hattest du die Modelle schon in petto oder wurden sie völlig neu für die Glaswürfel erstellt?

Rai: Ja. Hier musste ein eigenes 3D-Layout erstellt werden. Stark abgespeckt und vereinfacht. Viele feine Details meiner Schiffe konnten nicht gelasert werden. Aber immerhin sind die Landestützen und auch die winzigen Kanonen sichtbar.

Wird es weitere Glasmodelle geben?

Rai: Mal sehen, wie es ankommt. Natürlich gibt es von meiner Seite schon weitere Entwürfe terranischer Raumschiffe. Mal abwarten.

Eine Fortsetzung zum Mission SOL-Video ist also nicht zu erwarten. Was sind weitere Pläne für die nähere Zukunft?

Rai: Momentan hab ich die Fortsetzung vom Meister der Insel-Video geplant. Da gibt es immer wieder Anfragen. Der Andromeda Zyklus ist immer noch aktuell unter den Lesern.
Michael Pfrommer hat sich ja dieses Themas schon vor längerer Zeit angenommen und beim TCE seine Andromeda-Reihe veröffentlicht, die in einem Parallel-Universum spielt. Hier gibt es zum Beispiel einen OLD MAN II, der ein wenig anders aussieht wie das Original. Für diese Romane gibt es auf Youtube einige Trailer von meiner Seite.
In dieser Art würde ich den MdI-Zyklus, der momentan im Twin-System spielt, fortsetzen. Da hab ich grade den Strafplaneten der Meister (Heft 203) in Arbeit.
Mal sehen, wie lange ich da noch zu tun habe. Aber ich hoffe doch bis Anfang nächsten Jahres.

Lieber Raimund, wir bedanken uns sehr herzlich für deine Zeit und die tollen Bilder, die wir verwenden durften. Viel Spaß und Erfolg bei deinen kommenden Projekten!
Weitere Animationen von Rai findet ihr auf YouTube unter anderem hier und hier.

Der Animator des Perryversums

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