Es ist Halbzeit bei der Miniminiserie »Perry Rhodan – Galacto City«. Teil Nummer drei wird von Susan Schwartz vorgelegt und trägt den Titel »Endstation Venus«. Dazu wieder einmal ein paar Gedanken von mir. Wie immer gilt: Dieser Text ist NICHT SPOILERFREI!

Aufbruch nach Galacto City

Zwar wurde in der Ankündigung der Redaktion zu »Endstation Venus« die Mutantin Ishy Matsu prominent erwähnt. Die eigentliche Hauptfigur ist jedoch Louanne Lefebre. Eine junge Studentin aus Paris, die von einer Doktorarbeit träumt. Das ist im Frankreich der siebziger Jahre trotz Bestnoten in ihren Abschlüssen in Biologie und Zoologie gar nicht so einfach. Männer werden platt bevorzugt und selbst der Dekan, der große Stücke auf sie hält, kann nicht sämtliche Widerstände beiseiteräumen.

Louanne nutzt folglich die Chance, die sich ihr bietet. Die Dritte Macht bereitet eine Forschungsmission auf die Venus vor. Ein Schlaraffenland für eine promotionswillige Zoologin, bietet die Dschungelwelt (wir befinden uns immerhin im Perryversum) doch eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Darüber hinaus spielen Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft und dergleichen keine Rolle. Alleine das harte Auswahlverfahren entscheidet darüber, wer einen der begehrten Forschungsplätze ergattern kann. Erneut wird Galacto City als Ort gezeichnet, an dem man alles erreichen kann, seinem Leben eine andere Wendung geben kann. Ein Muster, das sich durch die einzelnen Geschichten zieht und das mir sehr gut gefällt!

Gleich zu Anfang kommt ein weiteres Motiv zum Tragen, das man bereits aus den ersten beiden Bänden der Reihe kennt: der Blick von außen auf die Dritte Macht. Diesmal ist es der Dekan, der dem Leser vermittelt, wie misstrauisch dieser Mikrostaat von aller Welt beäugt wird. Man kann Rhodan nicht einschätzen und traut ihm ohne weiteres auch eine Laufbahn als Diktator zu.

Diese wiederkehrenden Elemente verschaffen der Serie einen inneren Zusammenhalt. Ebenso wie die von Heft zu Heft stimmige Beschreibung der Stadt selbst. Sogar einzelne Lokalitäten werden wiederholt erwähnt. Was darauf hindeutet, dass Alexander Huiskes entweder ein überzeugendes Datenblatt zur Stadt geliefert hat und/oder sich die AutorInnen gut miteinander verwoben haben.

Herzschmerz

Louanne ist eine von zwanzig Kandidaten für die Forschungsmission. Doch maximal zehn werden nach hartem Training den Flug auch mitmachen. Für Louanne bedeutet das eine persönliche Weiterentwicklung. Nach Jahren als Einzelkämpferin in einem sexistischen Umfeld muss sie nun ihre Teamfähigkeit beweisen und zeigen, dass sie sich unterordnen kann. Selbstverständlich überwindet sie alle Widrigkeiten und findet sich schließlich an Bord der GOOD HOPE wieder, die sie zur Venus bringt.

Im Rahmen der Hauptserie wird wenig darauf eingegangen, dass auch die Forscherinnen und Forscher, die sich in den Weltraum aufmachen, eine Raumfahrer-Ausbildung durchlaufen mussten. Auch das einschlägige Training wurde kaum thematisiert. Die Besatzungen der zusammengeklauten Schiffe waren eben plötzlich da. Aber natürlich musste auch der Umgang mit arkonidischer Technik erlernt und der Körper an die Herausforderungen des modernen Raumflugs herangeführt werden. Die im vorliegenden Roman erwähnte »Transitionssprungübung« ist für mich eine geradezu geniale Idee!

Zu Beginn der Ausbildung trifft Louanne auf Ishy Matsu und verliebt sich Hals über Kopf in die Mutantin. Gleichzeitig weiß sie, dass diese Gefühle nicht auf Erwiderung stoßen werden, da Matsu dem Vernehmen nach mit Tama Yokida liiert ist. Und das macht ihr sehr zu schaffen.
Diese Hals-über-Kopf-Verliebtheit ist so eine Sache, die ich in keiner Geschichte kaufe. Also auch hier nicht. Vor allem nicht, wenn es nur den berühmten ersten Blick braucht. Und das hat jetzt nichts mit der Romantik an sich zu tun. Ich halte das schlicht für unrealistisch, dass man eine Person ansieht und sofort weiß, dass es die Liebe des Lebens ist.

Ich finde es gut, dass hier eine homosexuelle Figur die Hauptrolle spielt. Einmal weil Diversität in Erzählungen grundsätzlich gut ist. Zum anderen weil es erzählerisch ein weiteres Päckchen ist, an dem die Figur in ihrer Zeit zu tragen hat und das ihr Tiefe gibt. An anderer Stelle wird thematisiert, dass Louannes Eltern sie am liebsten mit einem jungen Mann aus reichem Hause verheiratet hätten. Sie stürzt sich stattdessen in ihre Studien, um nicht als hübsches Beiwerk am Pool enden zu müssen. Und wie man sich nun erschließen kann auch, um nicht in einer Heterobeziehung unglücklich zu werden. Sie hat es also doppelt schwer in der französischen Gesellschaft und somit übt die Weiße Stadt, in der alles möglich ist, eine magische Anziehungskraft auf Louanne aus.

Ein Spannungsmoment erhält die Geschichte im letzten Viertel durch den Verdacht, dass sich Spione unter das Forschungspersonal gemischt haben. Doch selbst die Telepathin Ishy Matsu kann diese nicht ausfindig machen. Dieser Umstand wird zwar erklärt, aber in meinen Augen nicht sehr befriedigend und nur im Nebensatz. Aber das ist ebenfalls nur ein kleiner Schatten auf einem ansonsten tollen Roman.

Fazit

Susan Schwartz’ Roman reiht sich nahtlos hinter seinen Vorgängern ein und das nicht nur hinsichtlich der schriftstellerischen Qualität. Auch die Darstellung der Hauptfigur ist wieder sehr gelungen. Ob sich nun Exposé- oder RomanautorIn die Figur Louanne Lefebre ausgedacht hat, deren Hintergrund ist vielschichtig und detailreich und wird geradezu beiläufig entblättert (was eindeutig Susan zuzurechnen ist). Überhaupt sind die Figuren in den Romanen gut ausgearbeitet, siehe auch Vince Tortino oder Olga Ilmenova.

Die wiederkehrenden Motive hatte ich oben schon erwähnt. Hinzu kommt die in sich stimmige Darstellung von Galacto City in allen Romanen. Man erkennt die Stadt beim Lesen sofort wieder, hat die gleichen Bilder im Kopf. Insgesamt wirkt die Stadt moderner, als sie meiner Erinnerung nach in den ersten Heften der Serie geschildert wird. Dreidimensionale Hologramme und omnipräsente Positroniken für allerlei Komfortzwecke sind auch eher Kinder unserer Zeit und seinerzeit noch nicht so sehr präsent. Aber das ist ohnehin nur für Kanon-Shipper ein Problem. Ich finde, man merkt, dass in den Weltenbau ziemlich viel Hirnschmalz geflossen ist.
Gleichzeitig füllt man immer wieder kleinere Lücken aus der Hauptserie. Louannes Forschungsobjekt sind beispielsweise die Venusrobben, deren Lebensweise sie sich mit Leidenschaft widmet. Hier wird quasi der erste dauerhafte Kontakt zu diesen als »halbintelligent« bezeichneten Lebewesen geschildert.

Und ein weiterer Aspekt scheint sich herauszukristallisieren. Die Hauptfiguren stammen aus unterschiedlichen Regionen der Erde. Der Amerikaner Vince, die Russin Olga, die Französin Louanne und im nächsten Roman wird wohl eine Japanerin namens Ishiko eine Rolle spielen. Der Blick von außen ist global, zeugt aber auch immer von einer gewissen Skepsis. Wer will es den Terranern der 1970er aber auch verdenken, wenn ein scheinbarer Deserteur mit schier unermesslichen Machtmitteln ausgestattet plötzlich sein eigenes Ding aufzieht?

Eines kann ich in jedem Falle zur Halbzeit schon sagen: Die Reihe gefällt mir jetzt schon sehr gut! Gerade weil sie die Gelegenheit ergreift, die Welt der allerersten Hefte noch einmal neu auszuleuchten. Das ist hervorragend gelungen und ich nehme nicht an, dass die verbleibenden Geschichten in dieser Hinsicht plötzlich abfallen werden.

Freuen wir uns also auf Verena Themsens »Des Menschen Pflicht«!

Perry Rhodan Storys: Galacto City – Endstation Venus
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