Handlung

Die FRANCIS DRAKE, ein getarntes Schiff der Freihändler, setzt Perry Rhodan und seine Gefolgschaft auf dem Planeten Govvash ab. Nach der trickreichen Introspektion und einer erfolgreichen Überprüfung ihrer gefälschten Dimissorialen, dürfen sie die WONASCH aufsuchen. Das Schiff soll die Pilger zur ersten Station des Peregrosch überführen. Torytrae landet mit ihrer TEYTRECH ebenfalls auf Govvash und folgt den Spuren ihrer Beute.

Vor den Augen der geistig behinderten Yaanztronerin Saddrayasch stirbt ein reicher Angehöriger ihres Volkes an einem Herzriss. Ohne lange zu überlegen nimmt Saddrayasch dessen Gromo-Yosch an sich und flieht auf die WONASCH. Dort erfährt sie, dass der Tote eine Luxusüberfahrt gebucht hatte und genießt die Annehmlichkeiten, bis der Partner des verstorbenen Lurrosch in der Kabine auftaucht. Hodschadyn ruft nach Hilfe, Pilgervater Mokkayt erscheint und nutzt die Situation zu seinen Gunsten aus. Er versetzt Hodschadyn in einen tödlichen Tiefschlaf und überredet Saddrayasch, ihn als Mosh-Erben einzusetzen, da sie soeben das gesamte Vermögen von Lurrosch überschrieben bekommen hatte. Perry gerät derweil mit seiner Gruppe in einen Hinterhalt und bleibt siegreich im Faustkampf, doch angelockte Raytaren nehmen sie wegen Mordverdacht an einem reichen Yaanztroner ins Visier. Durch einen Querschläger wird bei der anschließenden Schießerei ein Gravitationsgenerator zerstört. Im darauf folgenden Chaos gelingt es ihnen gerade noch, auf die startende WONASCH zu gelangen. Durch den Ausfall der Gravitationsemitter schließen sich die Sicherheitsschotten auf Gavvash und hindern Torytrae vorerst an der weiteren Verfolgung.

Nach der Landung auf Veltyr begegnen sich beide Reisegruppen. Mokkayt stößt hinzu, fürchtet um sein Mosh-Erbe und paralysiert Perry und dessen Begleiter vorsorglich. Saddrayasch meldet sich für die erste Station an und belauscht kurz vor Prüfungsbeginn Mokkayt, der die Ceynach-Jägerin über den Aufenthaltsort von Perry Rhodan informiert. Mokkayts Bruder Moaschayt lässt ihn zu sich in die Überwachungsräume, wo sie herausfinden, dass Perry durch seine fünfdimensionale Membran außerordentlich wertvoll ist. Der Peregrosch dient der Akquirierung besonders geeingneter Ceynachs für ein höheres Ziel. Das gigantische Lügengebäude wird von den Pilgervätern aufrecht gehalten. Die körperlich behinderte Saddrayasch ist deshalb verzichtbar, da ihr Gehirn geschädigt ist. Mokkayt überredet seinen Bruder dazu, die Tierwelt von Veltyr künstlich auf die Yaanztronerin zu hetzen und das reiche Erbe nach dem ihrem Tod zu teilen. Doch Perry und Gayt-Coor gelingt die Rettung der zum Tode verurteilten und die Prüfungskommission greift ein. Das fünfköpfige Gremium geht auf Perrys Bedingungen ein, lässt die gesamte Gruppe bestehen und schickt sie per Transmitter zum nächsten Raumhafen, mit dem Zielort Parimar.

Dort lauert ihnen Mokkayt auf, der Perry endgültig aus dem Weg schaffen will. Als sein Tötungsversuch misslingt, kontaktiert der ehemalige Pilgervater die Ceynach-Jägerin. Torytrae greift Perry an und bricht nach Berührung seiner Stirn plötzlich schreiend zusammen. In einer Vision erscheint ihr Dao-Lin-H’ay und offenbart ihr, dass sie eine Zeitträgerin ist, wie Perry selbst. Die Yuloc schließt sich der Gruppe an, um Antworten auf ihre Fragen zu finden. Da Saddrayasch mit ihrer Behinderung keine Chance auf Bewältigung des Peregrosch hat, vermittelt ihr Torytrae eine neue Anstellung als Pilgeranleiterin. Der Erbschleicher Mokkayt wird auf ihre Hinweise hin gesucht und flüchtet mit seines Bruders Hilfe. Saddrayasch setzt Perry zum Dank als ihren neuen Mosh-Erben ein.

Meinung

Pünktlich Mittwoch Vormittag flatterte der neue NEO in den Briefkasten. Bei knapp dreißig Grad Außentemperatur und wochenlanger Dürreperiode war der Anblick des Covers natürlich eine Wohltat. Ein Träumchen auch das wunderschöne Farbenspiel, das die Kälte hervorragend visualisiert. Die Hintergründe mit den Planeten und Monden ergänzen das gesamte Bild perfekt und machen aus dem dieswöchen NEO ein gelungenes Kunstwerk. Umrahmt von düsteren Wolken, die eine gewisse Bedrohlichkeit erzeugen und klar machen, dass auf Veltyr kein Skiparadies wartet. Mein persönliches Highlight der Staffel bis dato.

Marlene von Hagen liefert ihr Erstlingswerk bei NEO ab und gibt damit, nach Olaf Brill, bereits das zweite Debüt innerhalb der aktuellen Staffel. Nachdem Ben Calvin Hary unlängst die Fortsetzung der Miniserie Atlantis II angekündigt hat, sind beide Personalien sicherlich eine gewaltige zeitliche Entlastung der Stammautorenschaft. Positiv stach mir sofort ins Auge, dass sich die Autorin ihr Werk in 32 (!) Kapitel eingeteilt hatte. Davon bin ich großer Anhänger, da es der sauberen Lesepausenkultur zuträglich ist und zudem die Handlung beschleunigt. Ein Widerspruch? Nein, wie ich finde. Der Roman ist unterteilt in kurze und knackige Kapitel, die mich niemals aus dem Lesefluss gerissen haben. Das Kunststück gelingt nicht jedem, wenn man sich so manchen NEO aus der Anfangszeit herauspickt, wurde das des öfteren zum Supergau. Wo man sich bei drei verschiedenen Handlungssträngen irgendwann vorkam, wie in einem schrecklich düsteren Labyrinth. Solche Sorgen sollten mich diese Woche nicht beim lesen begleiten. Aber konnte der Roman auch inhaltlich überzeugen?

Nach dem rasanten Auftaktkapitel im Kältewald zog Marlene von Hagen direkt die Actionbremse und erzählte, aus Sicht der Yaanztronerin Saddrayasch, das ganze Drama der Pilgerpfadbürokratie. Wohl dosierte Ruhepausen wechselten sich mit spannenden Kapiteln ab. Reichlich phantastische Ideen wurden den Leser:innen präsentiert, der Weltenbau funktionierte tadellos. Die Harry-Potter-Reihe Phantastische Tierwesen kam mir gleich in den Sinn, dutzende faszinierende Spezies auf Veltyr wurden unseren Helden im Kältewald auf den Pelz gehetzt. Die Einzelabenteuer im Gromm-Dschungel waren ein toller erzählerischer Trick, um die Spannung hoch zu halten. Anders als die Geologiestunde am Drychasch, gefiel mir der Biologieteil im Gromm deutlich besser. Über sieben Brücken musst du geh’n, nahmen unsere Helden wörtlich und trennten sich. Nicht zu jedermanns Vorteil. Perry hatte sich ein wenig schlecht auf seinen Einsatz vorbereitet, sein Glück dass er seine fünfdimensionale Sonderpackung im Gepäck mit führte. Selbst Doynschto hatte beim Anflug auf Veltyr bei den Mitpilgern gelauscht und Details über Flora und Fauna heraus gefunden. Danton konnte seinem kriminellen Wirt danken, der ihm mit Detailinformationen aus der Patsche zu helfen wusste. Gayt-Coor zog ganz cool den Joker und holte seinen inneren Turok heraus. Meine Güte, wie ich den Nintendo 64 Hit gesuchtet habe. Die superschnellen Schauplatzwechsel trieben das Psychospielchen “nur noch ein Kapitel, dann reicht es für heute” auf die Spitze. So wünsche ich mir jeden Roman!

Kleinvieh macht auch Mist. Eigentlich ein positive Redewendung. Im Falle des Romans sammeln sich aber viele kleine Widersprüchlichkeiten zu einem mittelgroßen Haufen an, der irgendwann im Landschaftsbild zu stören begann. Großtanten von Protagonisten müssen den Pilgerpfad erfolgreich bewältigt haben, obwohl sie durchaus auch an den gefährlichen Prüfungen gescheitert sein könnten. Weiß ja niemand so genau in der Heimat. Feedback kommt schließlich weder von den Toten, noch von den vermeintlichen Absolventen. Ganz zufällig hat Gayt-Coor einen Manipulator in der Tasche, der den Medizincheck zur Farce werden lässt. Wahrscheinlich eines der begehrtesten Objekte in ganz Naupaum, steckt ausgerechnet in den Taschen des Superdinos. Wo mich Käpt’n Zufall dann allerdings doch noch überzeugen konnte, war der Moment, als Saddrayasch zu ihrem Ticket nach Veltyr kam. Allein deshalb, weil ich es der armen Seele von Herzen gegönnt habe. Auch wenn da noch niemand ahnen konnte, welch gigantischer Beschiss auf dem Peregrosch lauern sollte. Der düstere Mokkayt ergänzt das tolle Nebencharaktere-Duo hervorragend. Ich habe die beiden Auftritte sehr genossen.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger in Naupaum? Die gigantische Pilgerwegbetrugsmaschinerie hat mich tief erschüttert. Von wegen ohne Hirn und Verstand, der Raytscha weiß tatsächlich ganz genau, was er da tut. Zumindest liegt der Verdacht sehr nahe, dass der Impuls von ganz oben aus geht. Die Freihändler dürfen ihren Kunden die Dimissorialen, also quasi Reisepässe, ohne großen Aufwand selbst ausstellen und verdienen daran offenbar nicht schlecht. Gute Fälschungen sind recht einfach zu bekommen, insofern die Kuschtas auf den Datenkristallen ausreichen. Hier verdient jeder Lobbyist auch noch ordentlich mit. Über den Nebencharakter Saddrayasch gelingt es der Autorin überzeugend, diesen Missstand aufzudecken. Ich gebe zu, das hätte ich nicht erwartet. Der Pilgerpfad dient also lediglich der Akquirierung von lohnenden Ceynachs. Kein schöneres Leben für die glücklichen Absolventen wartet als Belohnung für die Strapazen. Was für eine Wendung der Ereignisse! Warum der Zugang zum Pilgerpfad so einfach gestaltet ist, wird somit klar. Auch, wie man sich gleichzeitig einem Teil der überbevölkerten Planetenbewohner entledigt, ohne dass Fragen gestellt werden. Wir erinnern uns: Nur Spelzen sind verzichtbares Fußvolk, Hand anlegen an Erwachsenen ist verboten und wird ähnlich geahndet wie auf Terra. Die Kompromisslösung ist ein entspannter Prüfungsmarathon. Und dort wird ausgesiebt. Die Guten kommen ins Kröpfchen und die schlechten ins Töpfchen.

Zu guter letzt wird auch noch reichlich Werbung geschaltet, die ausreisewillige Bevölkerung stellt sich freiwillig in die langen Warteschlangen und gibt ihr letztes Hemd für ein vermeintlich besseres Leben. Jaja, zum Wohle des Herrschers und so. Kommt euch das auch bekannt vor? So gesehen ein Geniestreich, sprudelnde Gewinne durch günstige Reisetickets. Die Deutsche Bahn lässt grüßen, 9 Kuschtas für die Freiheit! Mit unbegrenzter Gültigkeit. Die Szenerie auf Govvash erinnerte mich übrigens sehr an die Cantina Schmugglerhöhle, auf dem alten galaktischen Markt auf Coruscant in Star Wars. Und Passierschein A38 existiert fortan auch im NEOversum, Asterix und Obelix bekommen ihre längst überfällige Hommage. Beim Teutates!

Torytrae bleibt über weite Strecken des Romans nur eine Randnotiz. Umso heftiger schlug die Offenbarung ein, dass sie ein Zeitträger ist. Wie Perry. Tjaaaaaaa, dann ist sie also doch irgendwie die Rowena von NEO, wie anfangs spekuliert. Und es lassen sich jetzt viele Vermutungen aufstellen, was die beiden gemeinsam haben. Ist Torytrae vielleicht als kleine Yuloc in den Zeitbrunnen gefallen?
Damit hat die Autorin zwei ziemlich heiße Neuigkeiten in einem einzigen Roman unter gebracht. Wenn man hier nicht von Handlungsfortschritt sprechen kann, wo dann? Jaaaaa, ich weiß. Es wurde mal wieder ausführlich. Aber bedankt euch bei Marlene von Hagen. Ich bin schließlich nicht Schuld, dass sie ihr Debüt so proppevoll mit Informationen und Handlung gepackt hat, dass man darüber sogar noch in einem Podcast sprechen könnte 😉

Zitat des Romans

Trés bien. Perry, ich schnuppere ein Abenteuer. Lasst uns diese edle Mademoiselle retten!

danton möchte saddrayasch beschützen

Wie recht Danton doch hatte. Mit der Rettung der bemitleidenswerten Yaanztronerin, wird ein ohnehin schon guter Roman, noch ein wenig abenteuerlicher.

Fazit und Wertung

Bildgewaltig, phantasievoll und wendungsreich gings im Kältewald zu. Mit dem Handlungshammer der wahren Bedeutung des Peregrosch, habe ich keine Sekunde gerechnet. Ergibt aber Sinn, da sich damit die recht laschen Teilnahmevoraussetzungen an den Pilgerpfad-Prüfungen erklären lassen. Und weil ein Schockmoment nicht reicht, sollten es gleich zwei sein und Torytrae wird plötzlich Teil des Teams. Als Zeitträgerin, wie Perry. Verrückt! Sowohl Saddrayasch, als auch Mokkayt konnten mich zudem als Charaktere voll überzeugen. Die Autorin hat sie liebevoll mit Leben gefüllt und konnte mir ihre jeweiligen Standpunkte überzeugend vermitteln. Die vielen kleinen Reminiszenzen und Hommagen waren so zahlreich wie die Wurzeln im Gromm. So kann man Biologieunterricht übrigens spannend vermitteln, die reichhaltige Flora und Fauna wusste zu begeistern. Mein eisbefreiter Daumen hebt senkrecht ab, zur zweiten Station des Peregrosch auf Parimar. Damit ist die Achterbahnfahrt in Naupaum vorläufig Geschichte. Dank einem tollen Einstand von Marlene von Hagen. Willkommen im NEOversum!

Review: NEO 285 – Im Kältewald
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3 Gedanken zu „Review: NEO 285 – Im Kältewald

  • 1. September 2022 bei 18:13
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    Schön ist auch die Botschaft zum Schluss: Saddrayasch erhält einen vernünftigen Job inklusive Ausbildung und kann trotz Handicap am Leben ganz normal teilnehmen (und lernt zudem einen Mann kennen). Die Autorin macht sich hier stark für die Integration von behinderten Menschen. Klasse!

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    • 3. September 2022 bei 11:28
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      Super Punkt! Der Roman war so vollgestopft mit kleinen Details, dass so manch anderer NEO sich schämend in seine Ecke verziehen muss.In unserem NEO-Podcast werden wir so einiges ungeschriebenes noch ansprechen, die Rezi wurde sowieso schon länger als üblicherweise 😉 Danke für deinen Input 🙂

      Antwort
    • 7. September 2022 bei 18:37
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      Lieben Dank Mr. AtoZ, für deinen Kommentar.
      Du sprichst mir aus der Seele 🙂

      Antwort

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