Handlung
Perry Rhodan befindet sich in komatösen Zuständen, als der Zgmahkone Dramoth aus seinem Mund zu sprechen beginnt. Er offenbart Perry und der Welt seine kosmische Lebensgeschichte. Im Studium verliebt sich Dramoth unsterblich in Zamila, die ihn für ihre Abschlussarbeit gnadenlos als Testobjekt ausnutzt. Seine Kommilitonin Tiokam rettet ihm das Leben, obwohl er gerade sie ursprünglich des Verrats bezichtigt hatte. Dramoth wird zu einem berühmten Wissenschaftler, der mit dem Projekt Sarkomar den Auftrag umsetzt, sieben Granulone zu erschaffen. Diese sollen den Gesetzen von Raum und Zeit trotzen, um den großen Katarr auszusitzen, der das endgültige Ende besiegeln würde. Der Übergang in die sieben Granulone gelingt, wobei das Nakken-Granulon beschädigt wird und Dramoth die relative Unsterblichkeit erhält. Als die Terraner im Laren-Granulon eintreffen wird es für Dramoth Zeit, in die Geschichte einzugreifen. Damit übernimmt er den Geist von Perry Rhodan und die Geschichte beginnt von vorn. Dramoth manifestiert sein Abbild vor Thora und erklärt ihr, dass seine Geschichte zu Ende erzählt werden muss. Sonst würde Perry sterben, wenn er seine Verbindung vorher kappt. Als Zeitträger sah sich Dramoth zu Perry kompatibel. Doch durch den Zerfall der Granulone und die Schließung des Creaversums war diese Kompatibilität nicht mehr gewährleistet. Perry trägt das Etwas in sich, um die Brücke zwischen den Universen zu stabilisieren und den unaufhaltsam erscheinenden Zerfall aufzuhalten. Nach einer gewaltigen Offenbarung übergibt Dramoth an Perry sein Abschiedsgeschenk. Danach stirbt der Unsterbliche.
Meinung
Dramoth schmückt das letzte Titelbild der PULSAR-Staffel. Der Zgmahkone schaut beeindruckend aus, der kosmische Hintergrund passt perfekt zum Geschehen. Sieht da noch irgendwer einen Delphin im Gesicht des Perry-Parasiten?! Ach ja, der Romanverlauf sollte die optische Verwandtschaft erklären. Aber mehr dazu später. Nun galt es für Rüdiger Schäfer, diese eher langwierige Staffel zu einem einigermaßen versöhnlichen Ende zu führen.
Erster Satz Prolog. Uff. Sind meine Befürchtungen wahr geworden? Noch wusste ich es nicht mit Sicherheit, ob mein All-In auf’s Schwarzsehen mit dem Kackpot belohnt wird. Thora sollte es tunlichst vermeiden, mich zu schocken. Aber eins nach dem anderen. Das heimelige NEO-Feeling war wieder omnipräsent, als Rüdiger Schäfer mit dem ganz großen kosmischen Vorschlaghammer zu werkeln begann. Einhergehend leider auch mit einer brachialen Namedroppingkeule. Dem Autor gelang es mit seiner unnachahmlichen Leichtigkeit ganz hervorragend, mir Sympathien für die zgmahkonische Kultur zu entlocken. Auch die Fremdartigkeit dieser hochentwickelnden Spezies wurde wunderbar eingefangen. Zwar sind Oberschenkelschmerzen offenbar galaxisweit omnipräsent, doch mit einer lumineszenten Spezialfähigkeit sind wohl nur wenige Völker im Universum gesegnet. Innerhalb dieser romanumspannenden Kurzbiographie des Hauptdarstellers Dramoth wechselte mein Gefühl ständig zwischen Faszination und quantenbedingter Resignation.
„Dieser Roman hätte Rainer Schorm gefallen!“ Der von Rüdiger Schäfer unlängst geäußerte Satz ging mir während des Lesevorgangs nicht ein einziges Mal aus dem Kopf und beschäftigte mich nicht nur aufgrund des Teasers zu Beginn. Sondern auch, weil der gnadenlose wissenschaftliche Aspekt niemals zu kurz kam. Das hätte Rainer Schorm ganz sicher gefallen. Die bodenständige Unterhaltung, die trotz aller Kritik an Pulsar stets mein Wohlwollen erregte, fehlte von Beginn an allerdings nahezu komplett, da Dramoth in seiner Erzählung stets in philosophische Gedankenwelten abdriftete. Die in dieser Staffel oftmals fehlende Kreativität kann man Rüdiger Schäfer beim besten Willen nicht vorwerfen. Den ziemlich offensichtlichen Ausgang der melodramatischen Liebelei zwischen Zamila und Dramoth dagegen schon. Aufgrund der wenig überraschenden Wendung versagte das Spannungsmoment über zig Seiten hinweg völlig.
Eine herzzerreißende Tragödie bahnte sich in der Ich-Erzählung von Thora an. Schon der Prolog ließ aufhorchen, die Melancholie war spürbar über 161 Seiten verteilt. Mir schwante übles, aber noch blieb die Hoffnung. Sobald die Erzählung auf die Rhodan-Ehefrau umschwenkte, war ich gespannt wie eine Bogensehne. Kapitel 8 forderte mich emotional stark und ich hatte absolut keine Lust, dass wieder auf Dramoth umgeschwenkt wurde. Als das quantenbasierte Schlachtfeld zu Gunsten der spannenden Entstehungsgeschichte des Konzils weichen musste, kam für mich endlich Leben in die großkosmische Bude. Wie bereits im Staffelverlauf vermutet, gab es erst in Band zehn von zehn die ganz wichtigen Antworten auf die drängendsten Fragen. Dass das der Expokrat erledigt, ist völlig legitim. Dass der Rest der Autorenschaft dabei wieder nur Häppchen servieren durfte, weniger. Der Roman war so berstend voll mit Informationen, dass mein Schädel zu platzen drohte. Spoileralarm: Tat er nicht! Sonst wäre mir einiges entgangen.
Highlight des Romans war für mich die zeitlebendige Lebensgeschichte von Dramoth dem Einzelkämpfer. Rüdiger Schäfer ließ die Jahrmillionen-Lebensspanne des Hauptdarstellers so harmonisch an mir vorbei ziehen, dass ich mich wunderbar in ihn hineinversetzen konnte. So viele Wegbegleiter kamen und gingen. So viele philosophische Momente und Erkenntnisse wurden der Ultimaten Bibliothek hinzugefügt. So viele Rückschläge mussten verkraftet werden. Und dann noch der Hammer, dass Perry und Dramoth gewissermaßen Brüder im Geiste sind. Beides Zeitträger. Der eine als Universenerbauer, der andere als Bewahrer des Moralischen Kodex. Uff. Die Entstehungsgeschichte des NEOversums war geradezu eine grandiokosmische Offenbarung und philosophische Neubetrachtung. Wann sollte nun endlich das Rätsel um Perry gelöst werden? Überlebt das Ehepaar Rhodan diese Staffel oder nicht? Nach dem angekündigten Tod eines Unsterblichen war es für mich nur eine Frage der Zeit. Wie immer.
Die tpyischen zwanzig Prozent am Ende waren es dann doch nicht. Aber der ganz große kosmische Vorschlaghammer wurde dennoch ausgepackt. Nunmehr 369 NEO-Bände erlebten eine kosmische Einordnung der Spitzenklasse. Uff im Quadrat. Dramoth weiht Perry ein, dreht die Geschichte auf links und ließ meine Kinnlade auf den Boden klatschen. Größer geht es nicht. Gigantomanie satt.
Zitat des Romans
Manchmal reichte es, wenn man sich die Worte der großen Denker hin und wieder in Erinnerung ruf, damit sie nicht vergessen wurden.
Dramoths philosophisches Allmanach
Fazit und Wertung
Mir schwirrt immer noch der Kopf. Eine kosmische Dampflok von Roman hatte mich zuvor überfahren! Überfrachtet, wenig bodenständig, Namedropping im Übermaß. Vieles störte von Beginn an und faszinierte gleichermaßen. Die Kultur der Zgmahkonen zu erkunden hat mir sehr viel Spaß gemacht. Fernab der quantenlastigen Abschnitte sprühte die Kurzbiographie von Dramoth nur so vor Kreativität. Rüdiger Schäfer ließ die fremdartige Spezies auch fremdartig wirken und vermenschlichte nicht allzu sehr, was mir sehr imponierte. Die hochgradig interessante Entstehungsgeschichte ließ mir den Mund offen stehen. Spätestens in der zweiten Romanhälfte konnte und wollte ich den hyperspannenden Roman daher nicht mehr aus den Händen legen. Neben einer proppevollen Kiste voller schöner philosophischer Momente gab es haufenweise Antworten auf die ganz großen Fragen, welche die Beweggründe und Absichten des Konzils ins richtige Licht rückten. Oder soll ich besser sagen: Die wahren Beweggründe eines einzelnen Zeitträgers? Und die Beantwortung vieler Fragen aus 369 NEO-Bänden. Vier von fünf großkosmische Antworten sende ich nach Leverkusen. Eine bleibt offen. Es muss ja weitergehen. Nächste Woche!
Staffelfazit
Weniger Uffs habe ich selten gesammelt. Mir bleiben Romane von Lucy Guth und Stefan Pannor in bester Erinnerung. Neuling Mayerhofer konnte nur mit ihrer undankbaren Aufgabe, einen Staffelstart zu schreiben, nicht überzeugen. Das gelang ihr dann mit ihrem zweiten Staffelroman. Ruben Wickenhäuser hatte den gleichen Effekt zu bieten, nur umgekehrt, da sein erster Staffelbeitrag zu glänzen wusste. Ne gute Handvoll Einzelromane riss das Ruder aber nicht mehr rum, da das Schiff gefühlt führerlos durchs seichte Wasser dümpelte. Kapitän Schäfer sei es verziehen, er hatte einen gewaltigen Sturm zu umschiffen. Uns allen ist noch das tragische Ableben von Flottenadmiral Rainer Schorm im Kopf, den das NEOversum schmerzlich vermisst. Deshalb hatte diese Staffel den vom Chefexpokraten selbst verliehenen Titel „Übergangsstaffel“, mit ganz dicken Lettern beschriftet, stets im Gepäck. So sehr ich mich auch auf das neue Expokratenduo Schäfer/Hirdt freue, so sehr ärgert es mich, dass das Gedenken an Rainer in einer wenig überzeugenden Gesamtkomposition gipfelte. Letztendlich hätte der letzte Roman als Einzelwerk ausgereicht, die Staffel zu erzählen. Rüdiger Schäfer zelebrierte in diesem großkosmischen Komposium ein Uff-Konzert der Spitzenklasse, was Teile seines Orchesters in den letzten fünf Monaten peu a peu mitgestalten durften. Fünf Monate Vorgeplänkel waren allerdings eine harte Geduldsprobe. Mehr als drei von zehn sterbende Universen bleiben nicht übrig, so leid es mir tut.
