Handlung
Ein Fragmentraumer der Posbis nimmt die entführten Kinder von Cybora auf und verschwindet mit ihnen unaufhaltbar Richtung Pharaduat. Dort sollen die sieben Teenager dem Zentralplasma Anich bei seiner angestrebten Metamorphose helfen. Während des Fluges bilden die Jugendlichen aus der Intuition heraus einen mentalen Block und verändern damit alles. Der Posbi PATR-CX17 alias Patch wird übergangslos zu einem willfährigen Helfer. Durch die Syngenese, einem mentalen Block, ist es den Sieben unfreiwillig gelungen, den Posbis an Bord ihren Willen aufzuzwingen. Ihrer Fähigkeiten bewusst geworden, entscheiden sich die Jugendlichen dazu, ihren Tod zu inszenieren, um ihre Verfolger loszuwerden. Auf dem Weg zu einem geeigneten Sonnensystem, wo sie ihr Vorhaben umsetzen wollen, ereignet sich an Bord ein partieller Temperatursturz, den Lyrie nur knapp überlebt. Während der Schiffserkundung macht Lyrie Bekanntschaft mit dem Herzgeflecht des Fragmentraumers und entdeckt einen Nakk, bevor der Strom ausfällt. Kurz vor Vollendung einer weiteren Syngenese schaltet sich das Herzgeflecht des Posbiraumers ein, weil es das Schiff bedroht sieht. Das Plasma spricht durch seinen Vertreter Patch, der den sieben Kindern ein Ultimatum stellt.
Thora verfolgt derweil die Fährte ihrer verschwundenen Tochter und wird auf Olymp fündig. Nathalie wurde von ihrem Transitschiff entführt und vom Ava-Tor-Konsortium gefangen genommen. Thora dringt bis zum Gefängnis ihrer Tochter vor, wo sie sich der feindlichen Übermacht der Makal-Sippe geschlagen geben muss. Matriarchin Naris will sich durch die Übergabe der Dyade ihren großen Wohlstand sichern, doch die SolAb greift ein und rettet beide vor dem Konsortium. Wieder mit Perry Rhodan vereint, entschließt sich die Familie gemeinsam, Nathalie auf Mimas einer intensiven Untersuchung zu unterziehen. Da erreicht sie ein Notruf der verschwundenen Kinder und ihrem, auf AXION getauften, Fragmentschiff. NATHAN stellt, nach einer kurzen diplomatischen Debatte mit dem Ersten Terraner Aurelian Voss, geeignete Begleitschiffe zur Verfügung. Vor Ort eingetroffen, werden Thora und Perry Zeuge der drohenden Vernichtung der AXION, die immer tiefer in die Sonne Zoryath sinkt.
Die sieben Kinder von Cybora bündeln ihre Kräfte und errichten das Omega-Konnektiv. Die achte Stimme, der Plasma-Kern, bäumt sich ein letztes Mal auf, doch das Konnektiv kann das Schiffsbewusstsein endgültig unterwerfen. Es gelingt ihnen, das Schiff aus Zeit und Raum heraus zu lösen und noch tiefer in der Sonnenkorona wieder materialisieren zu lassen. Die Schutzschirme halten und die Jugendlichen versinken in einen tiefen Schlaf der Erschöpfung. Kaél und Lyrie spüren beide, dass sie als Konnektiv etwas erschaffen haben, das ihnen Angst macht. Noch hat es keinen Namen…
Meinung
Mit brennendem Eifer machte ich mich nach der Begutachtung des explosiven Titelbildes ans Werk. Ich konnte den virtuell verfrüht zugestellten Roman bereits am Mittwoch starten. Vor Weihnachten ist die Redaktion immer fix, um mögliche Zustellungsprobleme noch rechtzeitig vor den Feiertagen angehen zu können. Ob der Künstler auch zeitig in den Winterurlaub wollte, kann ich nur mutmaßen. Optisch fehlt in der unteren Bildhälfte jedenfalls ein Teil. Aufgrund der seltsamen Positionierung des Fragmentraumers sieht das Cover aus, als wenn vergessen wurde, auf „Einfügen“ zu klicken.
Sieben Teenager wurden vor dreizehn Jahren, kurz nach ihrer Geburt, entführt. Drei Tage später waren sie urplötzlich wieder zurück und nun besitzen sie allesamt gewisse Fähigkeiten. Mutantengaben? Da selbst die Großkopferten Reg und Perry diese Bezeichnung nicht in den Mund nehmen wollen, könnte es sich auch um nachträglich von den Posbis eingepflanzte und seitdem gewachsene Fähigkeiten handeln. Ein Rätsel, das meine Gedanken wunderbar durcheinander wirbeln lässt und mich durchgängig beim Lesen beschäftigt. Mit der von Posbi „Patrick“ angeteaserten Metamorphose blühen weitere Spekulationen auf. Metamorphose ist gleich Bildung einer Art Superintelligenz alias Abnormität? Haben die Posbis gar Großes vor? Das würde dieses „neue“ Leben unterstreichen. Das Verschwinden von Nathalie, einer ehemaligen Schwestern der Tiefe mit Mutantengaben „im weiteren Sinne“, steht wohl auch sicher im Zusammenhang mit den Ereignissen auf Cybora. Wetten? Wenn diese Staffel bisher eines geschafft hat, dann ist es die Erzeugung eines drängenden Bedürfnisses, den Ausgang der Geschichte unbedingt erfahren zu wollen.
Thora hatte ich ehrlich gesagt gar nicht mehr auf dem Schirm. Und das Verschwinden von Nathalie aus dem Lakeside-Institut liegt gefühlt Jahre zurück. Nachdem Autor Rüdiger Schäfer mit der Mutter-Tochter-Thematik seinen zwischenzeitlich dritten Handlungsstrang aufmachte, schüttelte ich zuerst unwirsch mit dem Kopf. Wo die gesamte Storyline der PULSAR-Staffel noch auf einen großen Bierdeckel gepasst hatte, war bereits nach zwei Romanen METAMORPHOSE selbiger randvoll gekritzelt. Da muss man gedanklich erst mal wieder mit klar kommen. Nach einem guten ersten Romanviertel fiel er dann endlich. Der Begriff, auf den ich, nicht mal unbedingt als exakte Parallele zur Erstauflage, gewartet hatte. Gleichklang. Thematisch rücken wir also wieder nah an die Hauptserie ran. Entsprechend verfestigte sich in diesem Augenblick meine Überzeugung, dass der Emissär die Begabungen seiner sieben Geiseln für ein höheres Ziel opfern will. Da bei NEO aber immer alles anders kommt, fungierte die Ungewissheit gewissermaßen als Triebfeder meines Lesedrangs.
Der sogenannte mentale Block wird mit Syngenese anders tituliert. Möglicherweise auch aus Unwissenheit, da die Jugendlichen von Mutantengaben sicherlich noch nie etwas gehört haben. Ich bin gespannt wie eine Bogensehne, ob die Auflösung des ganzen Theaters letztendlich eine völlig unerwartete Entwicklung nimmt und die kleinen Häppchen die Leserschaft nur verwirren sollen. Es klingt so vieles altbekannt und doch ist wohl alles ganz anders. Kapitel 9 brachte neben brachialer Action auch atemlose Spannung. Thora lieferte sich ein episches Duell mit Matriarchin Noris Makal und überließ mir im gleichen Atemzug, mit erinnerungswürdigen Worten, das Zitat des Romans. Doppel-Uff. Ich muss ehrlich sagen, dass ich vor Begeisterung ein paar arkonidische Tränen der Erregung aus meinen Augenwinkeln wischen musste.
Beeinflusse einen Posbi dahin gehend, dass er zwingend die Wahrheit sagen muss und du bekommst einen riesigen Text aus der Enzyklopädia Terrania als Ergebnis. Ich musste so lachen! Der sarkasmusbefreite Patch hat mir viele schöne Stunden beschert. Dies gelang dem Autor mit Lyrie ähnlich gut, die stellvertretend für den Rest der siebenköpfigen Teenagertruppe stand und alles andere als nervig und jugendromanhaft dargestellt wurde. Ganz im Gegenteil. Charaktertelling von einem anderen Stern. In solchen Situationen erkannte man wieder ganz klar die Handschrift von Rüdiger Schäfer, der mit quantenbasiertem Wissenschaftskauderwelsch zwar nicht völlig hinterm Berg hielt, aber sich wohltuend zurückhalten konnte. Auf diplomatischem Parkett bewies der Leverkusener einmal mehr, dass er es hervorragend versteht, logische und konsequente Dialogstrukturen einzubringen. Bisher einer der besten, weil schlüssigsten und bestdurchdachtesten NEOs von Rüdiger Schäfer. Und noch immer lag ein gutes Drittel Taschenheft ungelesen vor mir. Und dann kam der Nakk…
… und meine Spekulationsblase drohte zu platzen. So wie die AXION selbst. Deep Fake nennt man das rettende Manöver neudeutsch wohl. Das Omega-Konnektiv stellt selbst den ehemals effektivsten Mutanten-Block des Lakeside Instituts in seinen Schatten. Ein weiteres Mal schlägt der Gigantismus in NEO zu und versetzt zwar keine Berge, dafür aber ganze Fragmentraumer. Den folgenden seelischen Schmerz von Thora konnte ich beim Lesen spüren. Genauso wie die Angst von Kaél und Lyrie vor der Zukunft und ihrer Schöpfung. Was auch immer es ist, die neue Ungewissheit steigert den Spannungsgrad der laufenden Staffel ins schier Unermessliche. Den Tod vorgetäuscht, etwas möglicherweise Teuflisches erschaffen und gleichzeitig noch eine gestandene Arkonidin an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht. Kann man mal machen. In einem Einzelroman. Uff.
Zitat des Romans
Ich schenke dir die Stille. Nicht den Tod!
Thora schickt Narnis Makal schlafen.
Rüdiger Schäfer wütete wie ein Berserker durch seine bodenständigen Kapitel. Für mich eines der besten Kapitel innerhalb der laufenden Staffel. Zu diesem Zeitpunkt stand schon fest, dass jegliche anderen Lesepläne, neben NEO, vorerst ruhen mussten. Doppel-Uff.
Fazit und Wertung
So sollte, so darf, so muss NEO sein! Rasante, bodenständige und überraschenderweise nahezu quantenbefreite Unterhaltung. Der Roman las sich streckenweise völlig untypisch für Autor Rüdiger Schäfer und hätte auch aus der Feder von Lucy Guth stammen können. Besonders gut gefiel mir die intensive Vorstellung der sieben Kinder von Cybora, wo man die altexpokratische Handschrift wieder deutlich erkennen konnte. Aber wenigstens genauso spannend und abwechslungsreich konnte mich der Handlungsstrang um Thora und Nathalie unterhalten. Neben den schlagkräftig erfrischenden Dialogen kam der Humor auch nicht zu knapp. Zahlreiche kleine Randbemerkungen und Reminiszenzen lockerten den Plot zusätzlich auf. Für ein Zitat des Romans musste ich diese Woche nicht lange suchen, eher ordentlich aussortieren, da der poetische Anteil ungewöhnlich hoch für einen Serienroman war. Nach drei Bänden METAMORPH bin ich geradezu mit der Gesamtsituation überfordert, denn so geschmeidig ist schon sehr lange keine Staffel mehr gestartet. Nur gute bis herausragende Romane stehen zu Buche. Fünf von fünf hervorragend gewürzte Nahrungsrationen schicke ich hiermit nach Leverkusen, damit sich Rüdiger Schäfer vor der nächsten Niederlage gegen den FC St. Pauli noch einmal stärken kann. Bisher performt die Staffel so überragend, dass ich aktuell bei zehn von zehn Umbrischen Schalen des Gleichklangs stehe. So klappt die Metamorphose zur neuen Superintelligenz ganz sicher 😉

Über die Niederlage Leverkusens gegen den FC St. Pauli – egal ob Pokal oder Bundesliga – sprechen wir später, mein Bester. Dann, wenn alle Zweifel ausgeräumt sind!
Vorerst einmal: Danke für das viele Lob!
Ja, METAMORPH wird spürbar komplexer als PULSAR. Das zeigt sich gerade sehr deutlich bei der Arbeit an NEO 379, mit dem ich die Staffel abschließe. Da laufen jede Menge rote Fäden zusammen, Handlungsebenen greifen ineinander, und nichts davon erledigt sich von selbst. Das ist viel Detailarbeit – aber genau die Sorte Arbeit, bei der man am Ende merkt, warum man das alles macht.
Und danach geht es erst richtig los.
Kai Hirdt bringt viele neue Impulse in die Serie, und das gemeinsame Entwickeln fühlt sich an wie ein gutes Pingpong-Spiel: Ideen fliegen hin und her, werden aufgegriffen, verdichtet, weitergedreht. Ähnlich wie schon mit Michael H. Buchholz und Rainer Schorm entstehen daraus immer wieder stimmige Konzepte und tragfähige Dramaturgien – manchmal geplant, manchmal überraschend, oft beides zugleich.
In diesem Sinne: Auf ein großartiges NEO-Jahr 2026, auf viele spannende Romane, mutige Ideen und genau die richtige Mischung aus Sense of Wonder, Drama und Herzblut.
Dem gesamten Team von Radio Ertrus wünsche ich vor allem eines: Gesundheit – denn ohne die hilft selbst die beste Zukunft nichts.
Prost Neujahr lieber Rüdiger 🙂
Wir vom gesamten Team wünschen Dir nur das Beste, weiterhin viel Spaß bei deiner fruchtbaren Arbeit als Teil dieses tollen Expokraten-Teams. Und -wie Du es schon betont hast- viel viel viel Gesundheit.
Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass NEO die kleine Talsohle überwunden hat und nun richtig durchstartet. Und wie ich mich darauf freue! Momentan bin ich überglücklich und das gibt auch im Alltag die wichtige Kraft, durchzuhalten.
Möge der Bessere gewinnen! Das kann ich als Freiburg-Anhänger ganz neutral von mir geben 🙂
Auf ein für alle gelungenes 2026!
Offensichtlich haben wir zwei unterschiedliche Romane gelesen, denn bodenständig fand ich diesen NEO nicht unbedingt. Ich habe mich jetzt sage und schreibe zwei Wochen lang durchgequält. Sehr viel Wiederholung, wenig Handlungsfortschritt und Kinder, die sich wie Erwachsene verhalten. Wach geworden bin ich erst beim Auftauchen des Nakk, der dann aber sofort wieder in der Versenkung verschwindet. Ich habe von Rüdiger schon besseres gelesen. Patch hat mich sehr an C-3PO aus Star Wars erinnert.
Hey Christina 🙂
Danke für deine Sichtweise. Hätte ich gerne noch in unserer neuen Folge aufgegriffen, aber da waren wir mal ausnahmsweise zu fix mit der Aufnahme.
Patch und C3P0 stiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmmt!! Dieser Vergleich passt soooo gut 🙂