Handlung

Auf dem Mars breitet sich die PAD-Seuche aus und auch Stella Michelsen, die Lebensgefährtin von Reginald Bull, wird lebensgefährlich infiziert. Durch die Miasmastrahlung konnten nicht alle Spuren der Amöbophagen im Gehirn der Marsianer abgetötet werden und die Überreste der Parasiten lassen die Bewohner in verschiedenen Ausnahmezuständen eskalieren. Ihin da Achran landet mit ihrem getarnten Schaltschiff auf dem roten Planeten und beobachtet die Entwicklungen. Die SOL kehrt derweil ins Sonnensystem zurück und wird von Perry sicherheitshalber in Quarantäne versetzt. Sud und Gucky bilden die Ausnahme und teleportieren, zur Hilfe von Stella, in die Marshauptstadt Bradbury Central. Bei Untersuchungen lässt die ehemalige Kleptomanin Michelsen eine zuvor entwendete Virenprobe fallen und Sud kann gerade noch das Schlimmste abwenden und so einen weiteren Krankheitsausbruch verhindern.

Harkon von Bass-Teth, der ehemalige Widerstandsanführer der Condos Vasac, wird ebenfalls mit der PAD-Seuche infiziert. Als er sich mit letzter Kraft in seine Wohnung in Bradbury Central geschleppt hatte, erwacht er tags darauf gesund und munter. Seine geheimnisvolle Helferin verkündet ihm, dass das Experiment gelungen sei, woraufhin er Reginald Bull zu sich bestellt. Amber Hainu tritt aus dem Nebenzimmer heraus und klärt die beiden darüber auf, dass sie mit der höherdimensionalen Energie der Sandrosen eine Möglichkeit gefunden hat, die PAD-Seuche aufzuhalten. Bull könne mit seiner Unsterblichkeit als Energiespeicher herhalten, um die ausgebrannten Sandrosen wieder aufladen zu können. Harkon und Reg brechen mit Amber Hainu zu einem Rosengarten auf. Dort will die Marsianerin Bulls riesiges Energiereservoir nutzen, um die Strahlung auf die Milchstraße zu verteilen. Harkon zerquetscht eine Kakerlake an seiner Wohnungswand und zerstört damit unwissentlich die Augen und Ohren von Ihin da Achran, die ihre getarnte Spionsonde damit verliert.

Dank schlagkräftigem Nachhelfen von Reg, entwendet das ungleiche Trio eine raupenartige Assel aus dem Fahrzeugdepot, um zum Zielort zu gelangen. Nach einer Begegnung mit einem riesigen Shatlu-u, einem insektoidenähnlichen Wesen, bricht das Gefährt durch den Wüstenboden ein und landet manövrierunfähig in einem unterirdischen Höhlensystem. Ihin da Achran hatte die Fahrzeugketten beschossen, um den Plan von Amber Hainu zu vereiteln. Amber Hainu klärt Reg derweil darüber auf, dass sie auf dem Weg zum zentralen, der neun Rosengärten, sind. Die notwendige Energie würde ihn sehr schwächen und möglicherweise sogar töten, was der Protektor aber für die Menschheit in Kauf nimmt. Amber Hainu verschwindet durch eine Geheimtür und die beiden werden einer Prüfung durch die Alt-Marsianer unterzogen, die hohe Ansprüche an Glauben und Vertrauen stellen. Ihin da Achran verfolgt das Trio mit einem Roboter aus Meister-der-Insel-Beständen und sprengt sich den Weg frei, wodurch sie allerdings Schutzmaßnahmen auslöst, die sie aufhalten. Der Sand des Lebens manifestiert sich vor Reg in einer androgynen, menschlichen Gestalt und testet den Protektor auf seine Gesinnung und Leidensfähigkeit. Im größten aller Rosengärten angekommen, vollzieht Amber Hainu mit Reginald Bull das Ritual des Sandes. Harkon von Bass-Teth muss in der Zwischenzeit über die körperliche Unversehrtheit der beiden wachen, da sie währenddessen völlig ungeschützt sind.

Ihin da Achran greift mit ihrem Exoskelett an und kann, zumindest zeitweise, von Harkon beschäftigt werden. Bull rast als Energiewelle durch die infizierten Welten und erlebt im körperlosen Zustand die Eindämmung der PAD-Seuche mit. Reg wird in seinen Körper zurück gezogen und erlebt die Rettung seiner geliebten Stella Michelsen mit, bevor es schwarz um ihn herum wird, da seine letzten Energien versiegen. Harkon kann sich in der Zwischenzeit in die Systeme des Kampfroboters hacken und den Feind zu Fall bringen. Ihin da Achran gelingt es, die Holoprojektion ihres Gesichts rechtzeitig zu entfernen und die Steuerung über die Extremitäten des Roboters zurück zu erhalten. Sie koppelt den Roboterarm aus und bringt die Handpositronik des Akonen in ihren Besitz, die einen wertvollen blauen Datenkristall beinhaltet. Bull erwacht schließlich aus seinem Traum und freut sich seines Lebens. Dank Amber Hainu, die sich für ihn opfert und den Sand des Lebens für seine Rettung einsetzt. Harkon von Bass-Teth und Reginald Bull können von Gucky gerettet und ins Krankenhaus teleportiert werden. Die Mission ist geglückt, die PAD-Seuche ist besiegt.

Meinung

Das Titelbild hat mich sofort überzeugen können. Die Farbgebung weist direkt auf die Marshandlung hin. Mit dem am Boden des Rosengartens liegenden Protektor und der aufmarschierenden Ihin da Achran im Kampfanzug. Alles fügt sich wunderbar harmonisch ins Gesamtbild ein und das Cover spiegelt den Romaninhalt hunderprozentig wieder. Für mich hebt sich das dieswöchige Kunstwerk qualitativ klar vom Rest der Staffel ab. Gefällt mir richtig gut. Auch van Gogh durfte uns begeistern, allerdings gehört das zum Werk der Autorin. Lucy Guth wusste doch hoffentlich auch zu begeistern?!

Direkt punkten konnte sie mit einem überzeugenden Weltenbau. Wie schon in Naupaum (Odyssee-Staffel Band 280 Fremder als fremd) weiß es die Autorin, ihre Schauplätze mit enorm viel Leben und Phantasie zu füllen. Der Mars und seine Hauptstadt können kaum plastischer beschrieben werden, die verschiedenartigen Auswirkungen der Seuche auf die Hauptstadtbewohner strotzen nur so von Einfallsreichtum. So stelle ich mir ein Eintauchen in fremde Welten vor, hervorragend gemacht! Garniert wird der ohnehin schon sehr kreative Weltenbau unter anderem mit Reminiszenzen an Wrestlinglegenden (Doktor Joe DiBiase alias Ted DiBiase) und wohlschmeckende Kaffeekreationen (Latte Marsiano), sowie kampfkunstfördernde Actionserien (Cobra Kai). Selbst falls nicht beabsichtigt, hatte ich in meinem persönlichen Kopfkino mit The Million Dollar Man und Diamond, gemeinsam eingepfercht in einem Raum, großen Spaß. Auch wenn in diesem Fall ein völlig unscheinbarer Arzt auf einen Roboterhund trifft…..aaaah….ich muss schon wieder lachen! Das waren jetzt auch nur ein paar Beispiele von vielen, die den Rahmen hier aber definitiv sprengen würden, wenn ich sie denn alle entsprechend würdigen wollte. Auch bei den Zitaten des Romans musste ich mich zwischen mehreren Kandidaten entscheiden, die Auswahl war groß.

Der arme Reg tut mir ehrlich leid. Als ehemalige -unfreiwillige- Marionette der Gon-Mekara, erfährt er an jeder Ecke Häme oder gar Hass. Ob sein exorbitant hoher Whisky-Konsum da weiterhelfen kann, wage ich zu bezweifeln. Dass der Ex-Gon-Shial (Vertreter der Menschheit vor Leticron) daran noch nicht zerbrochen ist, nötigt mir größten Respekt ab. Reg ist ein echt zäher Brocken! Dass er sich schließlich, nach nur kurzer Bedenkzeit, zu einer waghalsigen Lebens-Rettungsaktion bereit erklärt, entspricht völlig seinem Naturell. Ich bin ja gespannt, ob die Marsianer es ihm diesmal danken und endlich dieses leidige Kapitel geschlossen werden kann, dass ihn als Verräter brandmarkt. Ich würde es ihm sooo gönnen. Besonders erwähnenswert finde ich einen kleinen Nebensatz, in dem zu Protokoll gegeben wird, dass der Zellaktivator mit Bull aufgrund der Nonagon-Impulse verschmolzen ist. Bisher war mir nur bekannt, dass sein Winterschlafzellaktivator nach einigen Aussetzern plötzlich wieder reibungslos funktionierte. Nicht, dass ihn das gleiche Schicksal wie Perry, Thora und Atlan ereilt hatte. Interessante Entwicklung!

Ich möchte definitiv auf dem Mars leben. Vielleicht nicht unbedingt im Handlungszeitraum und mit einer Seuche an der Backe. Aber ansonsten sehr gerne. Denn Patientenverfügungen und andere bürokratische Hürden werden auf dem roten Planeten wohl nicht sehr ernst genommen. Reg entscheidet mal eben über das medizinische Schicksal seiner -nicht mal angetrauten- Lebensgefährtin und Datenschutz scheint besonders klein geschrieben zu werden. Warum nicht auf einen Schlag alle von der Miasmastrahlung getroffen wurden, wie im Arkonsystem, erschloss sich mir nicht so überzeugend. Die Zeitverzögerung des Ereignisses an sich wird zwar angesprochen, aber der schleichende Prozess der Verbreitung auf dem roten Planeten, ist für mich nicht nachvollziehbar. Das fast schon gemächliche Erzähltempo ist zwar mitunter eine wohltuende Abwechslung, dem Roman fehlt aber der Wow-Effekt der Vorgänger. Sicherlich ist das heulen auf ganz hohem Niveau, allerdings auch nicht wegzudiskutieren. Aber das nur am Rande. Ganz, ganz weit am Rande noch eine kleine Anmerkung eines ehemaligen Wehrdienenden: Dreieck(!)tuch, ohne s. Es heißt ja auch nicht Puffsmutter….. 😉

Sehr lange sah es sehr gut aus, dass ausnahmsweise mal keiner der Hauptcharaktere das Zeitliche segnen würde. Aber nix da. Auch Lucy Guth kann dem George-Martin-Effekt nicht entkommen und muss eine Figur aus der Handlung nehmen. Zuerst sah es stark nach Harkon von Bass-Teth aus, doch im letzten Akt opfert sich die Alt-Marsianerin Amber Hainu für Reg. Gestorben wird immer. Der nächste Roman heißt Die Totenuhr von Rainer Schorm. Mir schwant übles…

Zitat des Romans

Ich bin beeindruckt Reginald. Ich dachte, Sie wären ein Büropferd – Sie können ja richtig kämpfen!

bull- der alte Hengst – schindet eindruck bei harkon von bass-teth, der terranische sprichwörter erst noch richtig verinnerlichen muss

Fazit und Wertung

The Walking Dead mal anders. Der Weltenbau hat mich schwer beeindruckt und ist für mich die formvollendete Sandrose unter den gewöhnlichen Wüstenblumen. Die somit geschaffene Atmosphäre zog sich durch den kompletten Roman und ließ das Geschehene jederzeit plastisch vor Augen erscheinen. Wo Rüdiger Schäfer der Chefbiograph ist, gibt Weltenbauministerin Guth den Ton ganz deutlich in dieser Sparte an. Mit etlichen lustigen Reminiszenzen konnte die Autorin ebenfalls kräftig punkten. Nach atemloser Actionhandlung und reihenweisem Antagonistensterben in den Vorgängerromanen, gab es diese Woche eine informative Verschnaufpause. Im Vergleich zum Rest der Staffel fällt der Roman dadurch leicht ab. Reg bekommt allerdings endlich wieder mal seine wohlverdiente, ungeteilte Aufmerksamkeit. Und beweist, warum er der Protektor ist und diese Rolle zu einhundert Prozent lebt und verinnerlicht hat. Das Ableben von Amber Hainu hat mich weniger berührt, als die Rettung von Miss Michelsen. Reg und Stella sind für mich aktuell das Traumpaar der Serie, ich kann mir da nicht helfen. Mein Daumen erhebt sich schwerfälliger aus dem Wüstensand, als bei den Vorgängeromanen. Dennoch bleibe ich dabei: Die aktuelle Staffel hat das Zeug zum Hit der aktuellen Epoche! Der Zieleinlauf wird spannend.

Review: Perry Rhodan NEO 297 – Die Stunde des Protektors
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