Handlung

Dr. Frank Haggard erhält von Reginald Bull und Homer G. Adams den Auftrag, ein Rugbymatch zwischen Naats und Terranern zu organisieren. Unter den Mutanten häufen sich indes schwere Fälle von Erkältungen und Sid Gonzales versagt seine Mutantenkraft. Sternekoch Rhino will Homer G. Adams beweisen, dass er sein Restaurant am Stardusttower zur alleinigen Weltspitze führen kann. Sein Konkurrent Simon Wu verkündet eine Sensation, weil er mit ferronischen Zutaten intergalaktische Spezialitäten anbieten will. Rhino unterstellt ihm Betrug und will mit Ariane Colas nach Las Vegas aufbrechen, um einen mutmaßlichen Betrugsversuch aufzudecken. Doch diese erkrankt und Rhino kann, dank Frank Haggards Kontakt zum Ara-Mediziner Fulka, mit einer gesundeten Teenagerin nach Las Vegas fliegen. Beim Galadinner werden offenbar tatsächlich Spezialitäten aus dem Universum serviert und der Abend wird zum großen Desaster für Rhino. Auf der Damentoilette sucht er nach der geflüchteten Ariane, wird von der Reinigungsfachkraft erwischt und der Security überstellt. Sein Kollege Simon Wu erzählt Rhino schließlich von einer abgestürzten Fantanflunder, aus deren Laderäumen er die seltenen Zutaten geborgen hatte. Ariane Colas macht sich per Klopfzeichen aus dem Lüftungssystem bemerkbar und man kann die verletzte Mutantin schließlich erfolgreich bergen.

Findermutantin Caroline Frank und der Pseudounsichtbare Lekoche Kuntata reisen nach Europa, um André Noir aufzuspüren, der eine mögliche Gefahr für die Terranische Union darstellt. Im Haus der verstorbenen Eltern von André Noir kann der unsichtbare Lekoche ein Reisemitbringsel erbeuten, das Caroline hilft, den Mutanten zu lokalisieren. Im Zusammenhang mit einem Mord an Zwillingen nehmen sie die Verfolgung auf Zypern auf und es entwickelt sich eine europaweite Jagd nach André Noir, der mit seinen zahlreichen Scheinidentitäten den eigenen Familien-und Freundeskreis weiter dezimiert. Die Spur führt nach Deutschland, wo Lekoche plötzlich sichtbar wird und seine Fähigkeit auch nicht mehr einsetzen kann. Sie finden die Leichen von André Noirs Frau und Sohn im hessischen Bad Homburg. Nach Rücksprache mit Alan D. Mercant setzen sie ihre Suche in England fort, wo Caroline beim versuchten Angriff auf Noir von diesem ausgeknockt wird. Im Murrayfield-Stadium kommt es zum Showdown zwischen Naats und Menschen und André Noir taucht mitten im Publikum auf. Nach dem Ausgleichstreffer der Menschen in den Schlussminuten sackt der schwerkranke Coach McGrady tot in den Armen von Frank Haggard zusammen. André Noir läuft auf die Trainerbank zu, wo er von Caroline Frank erschossen wird, bevor er Haggard eine geheimnisvolle Nachricht übergeben kann.

Meinung

Über das Cover würde ich am liebsten den Mantel des Stillschweigens ausbreiten. Aber Tradition verpflichtet und die Coverbesprechung muss in die Rezi mit rein. Ein Naat im Rugbytrikot dominiert das Bild. Die Größenunterschiede zwischen Naat und Mensch werden sehr eindrucksvoll fest gehalten, was auch schon den einzigen positiven Aspekt darstellt. Im Hintergrund prangt ein grasgrüner, verwaschener (Schand)Fleck. Somit wirkt das Cover eher wie ein Stillleben, denn ein Romancover. Grauenhaft hässlich. Einer der Tiefpunkte der gesamten Serie für mich. Damit auf in den letzten Roman, den Leo Lukas für die NEO-Serie beisteuern sollte.

Ein paar Wochen vor dem Lesen dieses Heftes hatte ich erst den NEO 312 von Ruben Wickenhäuser konsumieren dürfen. Ein Roman, bei dem die Meinungen weit auseinander gingen. Auf dem Klappentext des nun vor mir liegenden NEO 45 steht: Die Naats sollen ein besseres Image verpasst bekommen. Und das will man durch ein Zwei-Völker-Rugby-Match, zwischen Menschen und ihren neuesten Verbündeten, erreichen. Beim aktuelleren NEO 312 wiederum soll Perry Rhodan sein Image bei den Marsianern aufpolieren. Durch ein Kedälium-Match, was sein Ansehen bei den Bewohner des roten Planeten steigern soll. Viel Soll, wieviel aber steht auf der Habenseite am Ende? Die Gemeinsamkeiten der beiden Romane, die über ein Jahrzehnt auseinander liegen, galt es nun zu eruieren. Ich hoffte auf einen typischen Leo Lukas, mit sehr viel schrägem Humor und überraschenden Wendungen, die mir die Sprache verschlagen. Ich wurde nicht enttäuscht.

Neulesern der Serie sei vorab verraten: Naats sind dezent größer als die menschliche Spezies. Und überhaupt, die bisher bekannte Galaxie kann keine vergleichbaren Riesen aufbieten. Bis zu drei Meter hoch, bis zu zwei Meter breit. Das ist beim Rugby wie ein Kampf zwischen David gegen Goliath. Eigentlich unvorstellbar, welche Urgewalten da auf dem Spielfeld entfesselt werden könnten, wenn man lange genug darüber nachdenkt. Und noch unvorstellbarer, dass Reg und Homer G. Adams die Gesundheit von Menschen so leichtfertig aufs Spiel setzen wollten. Zu Gunsten einer Imagekampagne wohlgemerkt. Aber nicht nur im spielerischen wurde gekämpft. An kulinarischer Front kochte sich mit Rhino ein alter Bekannter zurück in die Creme de la Creme der internationalen Spitzensmutjes. Die Suche nach André Noir ermöglichte derweil Caroline Frank einen neuerlichen Auftritt im NEOversum. Im Schlepptau Lekoche Kuntata, ein Pseudounsichtbarer, der Licht ins Dunkel bringen und André Noir in Europa aufspüren sollte. Vom Autor mit durchweg sehr flapsigen Dialogen erzählt, wirkten die Charaktere stellenweise etwas fremd auf mich. Serienüblich umschreibt natürlich jeder beteiligte Autor seine Charaktere eine Nuance anders als die Kolleg*innen. Leo Lukas trieb das allerdings auf die Spitze. Ein einziges Zitat des Romans zu finden, entwickelte sich dadurch zu einem fast aussichtslosen Unterfangen. Vor lauter Lachen konnte man da schon mal den Fokus auf die Grundgeschichte verlieren. Ich würde aber lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir der österreichische Charme nicht zugesagt hat. Ging sich gut aus.

Apropos Grundgeschichte. Diese gliederte sich grob in drei Handlungsstränge, die sehr gut ausgewichtet erzählt wurden. Die Kochstory erwies sich recht schnell als kurzweilige Nebenhandlung, wurde aber gegen Ende hin sehr gelungen mit den anderen Erzählsträngen verbunden. Bei Sportteil und Kriminalthriller ließ sich nur vermuten, welcher von beiden den roten Faden der Staffelhandlung weiter vorantreiben sollte. Dass es letztlich ausgerechnet an Caroline Frank hängen bleiben sollte, ein furioses Herzschlagfinale abzuliefern, kam unerwartet. Mir imponierte die detailliert skizzierte Europareise sehr. Alle Schauplätze wurden toll in Szene gesetzt, mit Caroline Frank zudem eine starke Frau in den Fokus gerückt. Der Mutant Lekoche blieb derweil so blass, wie seine Mutantengabe dies bereits suggerierte. Leo Lukas konnte dem vermeintlichen Superbösewicht Noir nochmal eine Extraportion Fiesheit zuschreiben, bevor dieser mit dem Schlussakt eine völlig unerwartete Wendung in die komplette Staffelhandlung brachte. Post von Frank an Frank. Schreit förmlich nach Zeitreise und lässt vermuten, dass André Noir alles andere als ein Gegenspieler der Menschheit war, bevor er von Caroline Frank brutal niedergeschossen wurde. Freilich sollte jedem klar sein, dass die Erkältungen unter den Mutanten alles andere als eine kurzweilige Angelegenheit bleiben würde. Aber dass daraus eine handfeste Krise mit enormem Bedrohungspotential erwachsen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch völlig unabsehbar und jeder ging von einer mehr oder weniger schnell behandelbaren Grippe aus.

Zitat des Romans

Vielleicht habt ihr euch ja hinter den Kulissen längst auf ein Unentschieden geeinigt!

der südamerikanische ex-rugbyspieler und espn-Kokommentator unterstellt skandalöses

Die Schmach von Córdoba dürfte jedem Fußballfan ein Begriff sein. Bei der WM 1978 in Südamerika (Argentinien) schied der amtierende Weltmeister sang und klanglos gegen Österreich mit 2:3 aus dem Turnier aus. 1982 in Spanien erwarteten viele eine Revanche der Deutschen wegen dieser historischen Niederlage. Doch es kam ganz anders. Nämlich zur Schande von Gijon. Beiden Ländern reichte ein Unentschieden zum Weiterkommen aus und somit einigte man sich hinter den Kulissen auf einen Nichtangriffspakt. Eines der schlechtesten WM-Spiele aller Zeiten brachte Algerien damals an den Rande eines Aufstandes, da sich die Nordafrikaner zu Recht betrogen fühlten und trotz ihres Sieges gegen Chile aus dem Turnier ausschieden. Eine Konsequenz aus diesem Spiel war unter anderem, dass seither solche Entscheidungsspiele zeitgleich stattfinden, wodurch Absprachen vermieden werden sollen.

Fazit und Wertung

Egal ob mit Pferd Diana auf Zypern oder mit Coach McGrady auf dem Rugbyfeld, ich fühlte mich beim Lesen richtig gut unterhalten und kam aus dem Grinsen kaum heraus. Rundheraus war das nämlich eine schöne Hommage an den Rugby-Sport im speziellen und dank etlicher kleiner Eastereggs auch eine Verneigung vor dem Weltsport im allgemeinen. Kochfans kamen keineswegs zu kurz und durften sich an den kulinarischen Ergüssen von Sternekoch Rhino erfreuen, was meinem Diätplan so gar nicht gut tat. Wenngleich die Haupthandlung nicht klar von der Nebenhandlung zu unterscheiden war und der Staffelfortschritt erneut überhaupt keine Rolle spielte, so fühlte sich das Charakterspiel einfach nur gut an. Im doppelten Wortsinn. Das Glanzstück des Romans bildete unstrittig allerdings die Jagd nach André Noir und das Mysterium um die schwindenden Mutantengaben. Mit dem Tod von Noir und der geheimnisvollen Aufschrift auf seinem Brief, den er nicht mehr persönlich überstellen konnte, verliert der Mutant seine bedrohliche Aura und tritt als vermeintlicher Gegenspieler der Menschheit ab. Die europaweite Sightseeingtour gefiel mir aufgrund der akribisch durchgeführten Recherchen fast so gut wie ein realer Sommerurlaub, an den wunderbar anschaulich beschriebenen Örtlichkeiten entlang der Touristenhochburgen. Leo Lukas hat somit im Endergebnis einiges besser gemacht als sein Kollege Wickenhäuser, der sich erst rund ein Jahrzehnt später an ähnlicher Thematik versuchen sollte. Einzig gemeinsam haben die beiden Romane im übrigen das Grundgerüst Sport. In A-und B-Note gewinnt hierbei für mich Österreich eindeutig gegen Deutschland. Und das bereits in der ersten Halbzeit. Diesmal sogar ganz ohne Schmach oder Schande. Vier von fünf Haka-Tänzen wurden am Spielfeldrand aufgeführt, wie mir ein ESPN-Reporter berichtete. Dennoch konnten weder er noch seine Kollegen aufdecken, wann denn nun endlich wieder ein wenig mehr vom Großen Imperium zu sehen sein würde.

Classic Review: Perry Rhodan NEO 45 – Mutanten in Not
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